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Krank in der Probezeit – und nun?

Tobias Klem 21.02.2018
Gerade im neuen Job, eigentlich läuft alles super und dann: Liegt man plötzlich flach! Krankheit wird in der Jobwelt oft mit Schwäche oder „dem Druck, nicht gewachsen sein“ assoziiert – und der Angst davor, dass der neue Arbeitgeber einen als nicht belastungsfähig abstempelt. Schon sieht man vor seinem inneren Auge den Job wieder neu ausgeschrieben und seinen Arbeitsvertrag gekündigt. Aber ist dem wirklich so? Krankmeldung gleich Kündigung?
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Klar, die reinen Fakten wirken da zunächst einmal nicht so vertrauenserweckend: Nach § 622 III BGB kann der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis innerhalb der Probezeit mit einer Kündigungsfrist von zwei Wochen aufheben. Begründet sein muss die Entscheidung nicht einmal, denn der gesetzliche Kündigungsschutz ist erst nach einem halben Jahr im Job gültig. Eine Kündigung kann also prinzipiell auch während einer Krankschreibung ausgesprochen werden.

Regeln beachten, Ärger vermeiden, Gesund werden

Realistisch betrachtet, ist es kontraproduktiv für den Arbeitgeber, einen kranken Mitarbeiter arbeiten zu lassen. Eine entsprechende Genesung sollte besonders im Interesse des Arbeitgebers liegen, denn ein fitter Arbeitnehmer kann mehr leisten als ein kranker.

Natürlich ist es aber enorm wichtig, ein paar Regeln zu beachten, wenn man innerhalb der vereinbarten Probezeit krank ist. So kann möglicher Ärger mit dem neuen Chef gar nicht erst entstehen:

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  • Krankmeldung: Keine Zeit verstreichen lassen! Telefon in die Hand nehmen und so früh wie möglich persönlich den Vorgesetzten über die Arbeitsunfähigkeit in Kenntnis setzen – ist keine Stimme mehr da, geht sonst auch eine Mail. Die unverzügliche Krankmeldung am ersten Krankheitstag verlangt übrigens auch das Gesetz zur Entgeltfortzahlung. Denn Anspruch auf eine Lohnfortzahlung hast du als Arbeitnehmer auch im Krankheitsfall.
  • Arbeitsunfähigkeit bescheinigen lassen: Auf der ärztlichen Bescheinigung, dem „gelben Schein“, vermerkt der Arzt die voraussichtliche Dauer der Genesung. In vielen Betrieben ist es üblich, nach einer Frist von drei Tagen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (kurz: AU) vorzulegen. Aber Vorsicht: Vertraglich kann dies mit dem Arbeitgeber auch anders vereinbart sein. Lies dir daher deinen Arbeitsvertrag genau durch, denn eine AU kann auch schon am ersten Tag verlangt werden. Übrigens: Über die gestellte Diagnose erfährt der Arbeitgeber nichts, diese Information geht grundsätzlich nur an die Krankenkasse.
  • Rechtzeitig Krankschreibung erneuern: Sollte die Genesung länger dauern, als vom Arzt in der Krankschreibung vermerkt, ist eine Verlängerung der AU notwendig. Es darf keine Lücke zwischen Ablauf und neuer Krankmeldung entstehen! Das heißt, am Tag an dem das ärztliche Attest endet, muss ein neues ausgestellt werden. Fällt dieser letzte Tag auf das Wochenende, ist es wichtig, sich bereits vorher einen weiteren Genesungszeitraum attestieren zu lassen. Auch die weitere AU-Bescheinigung muss man erneut beim Arbeitgeber vorlegen. Rückdatierungen werden nicht anerkannt!
  • Heilungsprozess fördern: Als Arbeitnehmer ist man zum einen dazu verpflichtet, alles zu unterlassen, was den Heilungsprozess verzögert (eine verfrühte Arbeitsaufnahme zählt auch dazu!), zum anderen alles zu unternehmen, um die Genesung zu fördern und schnellstmöglich wieder fit zu werden.

Diese Pflichten sind fest im Arbeitsrecht verankert. Verstößt der Arbeitnehmer dagegen, droht ihm eine Abmahnung – in der Probezeit mitunter dann auch die sofortige Kündigung. Mit einer Kündigungsfrist von zwei Wochen ist das Arbeitsverhältnis dann aufgelöst.

Darüber reden, ist für den Job die beste Medizin

Zeige Engagement und schlage deinem Arbeitgeber bei der Krankmeldung vor, wie du nach der Genesung deine Tasks aufarbeitest. Suche vor allem auch unverzüglich das Gespräch mit deinem Vorgesetzten, wenn du wieder im Job bist. Es ist wichtig zu klären, welche Regelungen in deiner Abwesenheit getroffen worden sind, um deinen Ausfall zu kompensieren und welche Möglichkeit es für dich gibt, wieder anzuknüpfen. Gerade als Auszubildender, Trainee oder Direkteinsteiger in Probezeit wirkt es sich positiv auf dein Arbeitsverhältnis aus, wenn du nach der Krankheit zeigst, dass du gewillt bist, deinen Arbeitsvertrag zu erfüllen.

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Bist du der Meinung, dass dein Ausfall zu einer Kündigung führen könnte, kannst du theoretisch auch eine Probezeitverlängerung anbieten. Ist die Möglichkeit der Verlängerung im Arbeits- oder Tarifvertrag ausgeschlossen, zählt zumindest dein Entgegenkommen und deine Bereitschaft zu einer weiteren Erprobung. Wichtig zu wissen: Die Kündigung und der Kündigungsschutz sind im Arbeitsrecht klar geregelt. Geht deine Probezeit nach einer Verlängerung über sechs Monate hinaus, hat das keinen Einfluss auf deinen Kündigungsschutz, denn dieser gilt per Gesetz nach einer sechsmonatigen Probezeit immer.

Sollte auch für den Chef Priorität haben: Gute Besserung!

Wusstest du übrigens, dass einer Studie der amerikanischen Cornell University zufolge die Produktivitätseinbußen durch Mitarbeiter, die krank zur Arbeit kommen, drei Mal höher sind als die Verluste durch krankgeschriebene Kollegen? Legt dein Chef also Wert auf fitte und gesunde Mitarbeiter, ist eine berechtigte Krankmeldung also kein Grund dir zu kündigen.

Tea in hand

Solltest du das Pech haben, ausgerechnet im ersten Urlaub nach der Probezeit krank zu werden, gelten die gleichen Regeln, wie sonst auch, denn ohne Krankmeldung und Attest sind deine Urlaubstage dahin. Da eine Krankheit aber eine Erholung im Sinne von Urlaub verhindert, bekommst du im Fall einer eingereichten Krankschreibung deine Urlaubstage entsprechend erstattet.

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