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Gechattet @ Digital Science Match

Am 7. Oktober 2015 war es soweit: 100 Professoren boten in dreiminütigen Pitches 1250 Besuchern Einblicke in ihre aktuellen Projekte. Ich habe mich gefragt, wie es ist, ein ganzes Projekt auf drei Minuten zu reduzieren, und mal genauer nachgefragt.

7. Oktober 2015, Digital Science Match in Berlin. Organisiert wurde das Pitch-Spektakel durch den Tagesspiegel in Kooperation mit der Boston Consulting Group. In drei Blöcken gewährten 100 Professoren Einblicke in ihre aktuellen Projekte. Dafür hatten sie jeweils drei Minuten Zeit. Die Professoren stammen aus den Fachbereichen IT, Jura, Wirtschafts- sowie Ingenieurwissenschaften und thematisieren in ihren Projekten Entwicklungen und Auswirkungen der Digitalisierung. Ich habe für euch vier der Redner vor Ort getroffen und mich mit den Professoren zu ihren aktuellen Projekten ausgetauscht.

Können Sie uns kurz einen Einblick in Ihr Thema gewähren? 

Prof. Dr. Stefan Edlich
Prof. Dr. Stefan Edlich von der Beuth Hochschule für Technik in Berlin

Prof. Dr. Stefan Edlich, Fachbereich für Informatik und Medien, Beuth Hochschule für Technik, Berlin, und „Magie für die Stadt der Zukunft“:
„Um den Herausforderungen der Städte der Zukunft zu begegnen, benötigt man nicht nur Systeme für skalierbares Data Science / Machine Learning, sondern man muss auch mit Fehlern in diesen gigantischen Systemen umgehen können. Dieser Bereich wurde bisher kaum betrachtet.
Daher versuchen wir, ein Problem, welches auf einem von 1000 Rechnern eintritt, lokal zu isolieren und zu lösen, um den Prozess der Gesamtberechnung möglichst nicht zu beschädigen.“

Prof. Dr. Nils Siebel, Fachbereich für Ingenieurswissenschaften, Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin, und „IT-Sicherheit in der Automatisierungstechnik“:
„Maschinen, Gebäude und Technik können zunehmend unabhängig vom Menschen agieren – doch wie kann in diesen Bereichen Sicherheit gewährleistet werden? Wir untersuchen, wie eine Steuerung dieser Systeme erfolgt und welchen weiteren Herausforderungen sich Forscher und Wirtschaft in diesem Bereich stellen müssen?“

Prof. Dr. Heike Wiesner beim Digital Science Match
Prof. Dr. Heike Wiesner von der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin

Prof Dr. Heike Wiesner, Fachbereich für Wirtschaftsinformatik, Hochschule für Wirtschaft und Recht, Berlin, und „He She IT: MINT 4 HWR“:
„He She IT: MINT 4 HWR hat das Ziel, Diversity im IT-Bereich zu implementieren. Vor allem der Frauenanteil soll hier gestärkt werden. Dabei geht es darum, IT-Fremde wertzuschätzen, indem man sie dem Thema durch neue Lernformen um den Einsatz gestaltbarer Technologien annähert. Einige Erfolge sind durch gezielte Förderung von Mädchen im IT-Bereich bereits erkennbar.“

Prof. Dr. Matthias Hartmann, Fachbereich für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin, und „Digitale Revolution im Management“: „Die Diskussion zum Thema Digitalisierung erfolgt sehr inflationär, überwiegend unsystematisch und fokussiert auf bestimmte Technologien. Das Anliegen meines Slams ist es, pointiert zu zeigen, wie uns die Industriehistorie helfen kann, die aktuelle Situation besser zu verstehen und in systematischen Lösungen zu denken. Mithin ist die digitale Revolution vor allem eine Revolution in den Köpfen der Menschen.“

Wie haben Sie sich auf Ihren drei-Minuten-Slam vorbereitet, um sich von Ihren Konkurrenten abzuheben?

Prof. Dr. Edlich:
„Ich möchte Faszination transportieren und Staunen erzeugen. Dafür habe ich hoffentlich eine spannende Einleitung gefunden. Weiterhin möchte ich nach circa 60 Sekunden die Aufmerksamkeit der Zuschauer von den Folien weglenken. Eine schwarze Folie und etwas in der Hand macht sich bei allen Vorträgen gut. Bei mir wird es eine große Glaskugel sein, die mit ein paar Lasern beschossen wird.“

Prof. Dr. Nils Siebel
Prof. Dr. Nils Siebel von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin

Prof. Dr. Siebel:
„Das fand ich schwierig. Ich habe zunächst viel Material gesammelt und dann hieß es: Streichen, streichen, streichen – bis nur noch zweieinhalb Folien übrig waren. Dabei habe ich versucht, die Dinge drin zu lassen, die beispielhaft zeigen, was mir und uns im Studiengang Ingenieurinformatik wichtig ist.“

Prof. Dr. Wiesner:
„Es geht in all meinen Projekten immer um die Verwirklichung von Diversity-Aspekten im IT-Bereich. Diese ist mit Blick auf die Zukunft mit Einschränkungen unvermeidlich. Ich habe spontan eine kurze Teamsitzung einberufen und dort kam uns die Idee, einen Kurzfilm herzustellen, der gleich das gesamte Spektrum meiner Projekte im Bereich Diversity & IT ausweisen sollte.“

Prof. Dr. Matthias Hartmann
Prof. Dr. Matthias Hartmann von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin

Prof. Dr. Hartmann:
„Im Grunde habe ich mich seit Jahren auf dieses Thema vorbereitet, da es ja einen meiner Forschungsschwerpunkte darstellt. Die Herausforderung war, diese Erkenntnisse in einem Bild zusammenzufassen und vorzutragen. Dazu haben wir vor allem weniger Schrift und mehr Piktogramme verwendet.“ 

Welche Eigenschaften sollten Studierende mitbringen, um sich an Ihrem Projekt zu beteiligen?

Prof. Dr. Edlich:
„Leider sind die Promotionsstellen rar gesät. Wer aber einen abgeschlossenen Master hat und sich für große verteilte Systeme oder Maschinelle Intelligenz interessiert, ist immer gerne willkommen. Natürlich gehört auch eine große Portion Durchhaltevermögen und Biss dazu, da der Dr. nicht vom Himmel fällt.“

Prof. Dr. Siebel:
„Das Wichtigste ist Faszination an dem, was man noch nicht versteht. Ein guter Ingenieur gibt sich nie damit zufrieden, dass etwas „einfach funktioniert”, er muss verstehen, warum. Nur mit dieser Neugier kann man Forschung betreiben und neue Produkte entwickeln.“

Prof. Dr. Wiesner:
„Sie oder er kann alles an persönlichen Kontexten mitbringen, was das Fach Wirtschaftsinformatik berührt beziehungsweise bereichert. Ob bestimmte Eigenschaften dafür nützlich sind? Natürlich! Engagement, Neugier und Leidenschaft sind ebenso hilfreich wie Hartnäckigkeit und unendliche Detailliebe. Teamgeist und Kommunikationsfähigkeit sind sicherlich ebenfalls sehr wichtige Voraussetzungen zum Gelingen meiner Projekte. Allein geht gar nichts. “

Prof. Dr. Hartmann:
„Die geforderten Fähigkeiten in der Betriebswirtschaft sind – neben dem Fachwissen – ähnlich wie die anderer Fachbereiche. Studenten oder Absolventen sollten Fähigkeiten mitbringen, über die langfristig keine Maschine verfügt, wie zwischenmenschliche Kommunikation und Experimentierfreude. Die Anforderungen sind letztlich die gleichen wie bei den Projektanforderungen geschildert.“

Danke!

Ihr merkt, es ist schwierig, so komplexe Thematiken in drei Minuten zusammenzufassen. Dieser Herausforderung haben sich alle Redner und vor allem unsere Interviewpartner mit Bravour gestellt.

Bleibt mir zuletzt nur noch, Danke zu sagen, dass sich Herr Edlich, Herr Siebel, Frau Wiesner und Herr Hartmann die Zeit genommen haben, meine Fragen zu beantworten. Vielleicht ist ja das ein oder andere interessante Projekt für euch dabei gewesen?! Schaut es euch mal genauer an!

Bis bald,
Anna