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Direkteinstieg oder Traineeprogramm?

Vorteile und Nachteile im Vergleich

Christian Focken 10.07.2017
Spätestens zum Ende des Studiums stellt sich die Frage „Wie geht’s jetzt weiter?“ Wer keine Pause einlegt, Praktika anhängt oder sich anderweitig engagiert, dem stehen zwei Wege in den Job offen: Der Einstieg als Trainee in einem Traineeprogramm oder der Direkteinstieg. Wir haben die Vorteile und Nachteile entlang der wichtigsten Kriterien für dich zusammengestellt.
Junger Mann in Bibliothek denkt über Jobeinstieg und Traineeprogramm nach

Direkteinstieg oder Trainee?

Soviel vorab: Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Es hängt stark von deinen individuellen Interessen, Wünschen und Stärken ab, ob in deiner konkreten Situation der Direkteinstieg oder der Einstieg als Trainee angesagter ist. Für beide Varianten sprechen verschiedene Argumente. Schaut man auf die absoluten Zahlen, ist der Direkteinstieg erwartungsgemäß der meistverbreiteste Weg in den Job. 84 Prozent der Unternehmen bieten Hochschulabsolventen einen Direkteinstieg an, immerhin 47 Prozent auch einen Einstieg über ein Traineeprogramm.

Was unterscheidet Direkteinstieg und Traineeprogramm?

Beim Direkteinstieg trittst du nach deiner erfolgreichen Bewerbung sofort eine feste Stelle in einem Unternehmen an. Dein Arbeitsumfeld ist klar umrissen. Du arbeitest in der Regel in einem festen Team, das je nach Größe des Unternehmens oder der Organisation zu einer Abteilung und einem Geschäftsbereich gehört. Du wirst die Basics für deinen Job mitbringen, aber gern auch ins kalte Wasser geworfen und getreu dem Motto „learning by doing“ bzw. „Training on the job“ kannst du deine Fähigkeiten und dein Wissen rasch ausbauen. Anders gesagt: Die direkte Einarbeitungsphase ist bei einem Direkteinstieg eher kurz, die Lernkurve oft steil. Wenn du genau weißt, was du willst und den Sprung ins „Unbekannte“ nicht scheust, kann der Direkteinstieg die passende Variante für dich sein. Du wirst rasch mit dem Tagesgeschäft betraut, übernimmst früh Verantwortung und arbeitest eher an längerfristigen Projekten mit.

Als Trainee wirst du in vielen Fällen auch vom ersten Tag an gefordert und das anspruchsvolle Programm mag dir ebenso als Sprung ins kalte Wasser vorkommen. Anders als beim Direkteinstieg lernst du aber in den bis zu zwei Jahre dauernden Programmen verschiedene Bereiche eines Unternehmens kennen. Du wirst immer wieder vor neuen Situationen stehen, jede Menge neuer Kollegen kennenlernen und ganz verschiedene Aufgaben übernehmen. So verschaffst du dir einen guten Überblick über das Unternehmen und seine Arbeitsbereiche und schlägst erst mit Ablauf des Traineeprogramms eine konkrete Laufbahn ein. Wenn du schon im Studium eher Generalist als Spezialist warst, mag dir das entgegenkommen. Hast du zum Beispiel BWL studiert – hier ist das Angebot an Traineeprogrammen groß – wirst du wahrscheinlich das Controlling, HR und die Produktion ebenso kennenlernen wie Marketing und Vertrieb – und dich später gemeinsam mit deinem Arbeitgeber für die Karriere in einem der Bereiche entscheiden. Auch „Training off the Job“-Maßnahmen sind typisch für Traineeprogramme, was aber nicht heißt, dass man Fort- und Weiterbildungen im Direkteinstieg nicht bekommt.

Welche Voraussetzungen brauche ich für Direkteinstieg und Traineeprogramm?

Welche Voraussetzungen du für den Direkteinstieg oder das Traineeprogramm mitbringen musst, hängt von der jeweiligen Position und dem Programm bzw. den Branchen und Unternehmen ab, die sie anbieten. Viele Positionen stehen beim Direkteinstieg sowohl Bachelor- als auch Masterabsolventen offen. Das gilt vor allem für Wirtschaftswissenschaftler und Sozialwissenschaftler, aber auch für Ingenieure. Für Mathematiker und vor allem Naturwissenschaftler führt in der Regel kein Weg am Master vorbei, um beruflich Fuß zu fassen. Mehr Infos findest du in unserem Artikel „Reicht der Bachelor für den Berufseinstieg?“.  Eine Besonderheit am Rande: Da Lehrer für MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) in der Regel knapp sind, bieten viele Bundesländer beziehungsweise Schulen den Direkteinstieg für Absolventen an, obwohl diese nicht auf Lehramt studiert haben. 

Auch Traineeprogramme stehen in der Regel sowohl Bachelor- als auch Masterabsolventen offen. Die Anforderungen sind in beiden Fällen hoch. Traineeplätze sind begehrt und die Anzahl der Bewerber übersteigt das Angebot bei weitem. Gute bis sehr gute Noten, fließende Englischkenntnisse, Auslandserfahrung und die üblichen Social Skills zählen meist zu den Basics, die Bewerber vorweisen müssen. Aus Sicht der Unternehmen verständlich, sollen die Trainees von heute doch die Führungskräfte von morgen sein. Für sie ist der Blick auf das Ganze und tiefe Einblicke in die verschiedenen Bereiche wichtig, damit sie später in leitender Position Verantwortung übernehmen können. Womit wir bei den Karrierechancen sind.

Direkteinstieg oder Traineeprogramm – was ist besser für die Karriere?

Viele Traineeprogramme sind darauf ausgelegt, künftige Führungskräfte auszubilden. Damit bietet dir der Einstieg als Trainee zwar keine Garantie, aber gute Chancen für einen rascheren Aufstieg. Wenn du weniger Führungskraft und mehr Experte sein möchtest, ist ein Direkteinstieg vielleicht die bessere Wahl. Unternehmen wissen sehr wohl, was sie an ihren Spezialisten haben und je nach Branche und Fachrichtung kannst du dich auch als Experte gut weiterentwickeln und höhere Aufgaben sowie Gehälter anstreben. Darüberhinaus spricht natürlich grundsätzlich nichts gegen eine Karriere bis in den Vorstand, wenn du direkt in einem Unternehmen eingestiegen bist. Genauso wie beim Trainee kommt es vor allem auf deine persönlichen Fähigkeiten und Leistungen an, mit denen du dich für höhere Positionen empfiehlst.

Wie sicher ist mein Job als Trainee oder Direkteinsteiger?

Auf den ersten Blick verspricht der Direkteinstieg in einen unbefristeten Vertrag mehr Arbeitsplatzsicherheit, denn Traineeprogramme sehen in der Regel keine feste Anschlussbeschäftigung vor. Doch auch viele Direkteinsteiger arbeiten zuerst mit einem befristeten Arbeitsvertrag. Außerdem investieren Unternehmen erheblich in ihre Traineeprogramme und  Trainees. Da die Anforderungen an diese hoch sind und die Kandidaten entsprechend qualifiziert, bekommen viele die Chance, nach Ablauf des Programms auf eine feste Position zu wechseln. Und wie schon bei den Karrierechancen hat es der Bewerber in Teilen selbst in der Hand, sich durch seine Leistung für eine Weiterbeschäftigung zu empfehlen.

Wie hoch ist das Gehalt als Trainee oder Direkteinsteiger?

In der Regel verdienst du im Traineeprogramm etwas weniger als im Direkteinstieg. In beiden Fällen hängt die Bezahlung vom Bundesland, der Größe des Unternehmens, der Fachrichtung und deiner Qualifikation ab, wie zum Beispiel davon, ob du einen Bachelor oder Master mitbringst. Das Jahresgehalt von akademischen Berufsanfängern soll laut Gehaltsreporter bei der überwiegenden Zahl der Unternehmen 2017 zwischen 40.000 und 50.000 Euro liegen. Trainees dagegen verdienen nach Gehalt.de in Deutschland aktuell zwischen 2.441 und 3.816 Euro. In der Spitze wären das bei 12 Monatsgehältern 45.792 Euro im Jahr. Da das Traineeprogramm oft den Grundstock für eine Karriere legen soll, die zu einer Leitungsposition führt, relativiert sich das zu Beginn niedrigere Gehalt aber schnell.

Brauchst du Hilfe bei der Jobsuche? Dann schau dir in unserer Job-Börse aktuelle Stellenangebote an. Jobs mit Direkteinstieg kannst du extra filtern. Vielleicht geht deine Karriere ja schon bald los!