DE EN

Performance Materials bei Merck: Mit Flüssigkristallen in eine neue Zukunft

Nadine Miczka 25.10.2016
Flüssigkristalle als Produkt von Merck stecken voller Geschichte und Zukunft zugleich. Die intensive Forschung mit Expertenteams auf der ganzen Welt hat schon eindrucksvolle Standards hervorgebracht und dient gleichzeitig als richtungsweisend für künftige Projekte. Seit Jahren ist das Geschäft mit Flüssigkristallen für Displays auf einem profitablen Wachstumskurs.
Merck Flüssigkristalle in Displays
Seit Jahren ist das Geschäft mit Flüssigkristallen für Displays auf einem profitablen Wachstumskurs.

Die Aussichten für die nächsten Jahre sind weiter vielversprechend – zumal sich das Geschäft in seinen Kernanwendungen immer wieder neu erfindet, etwa durch höhere Auflösungen. Parallel suchen die Flüssigkristallexperten auch intensiv nach neuen Anwendungen. Diese sind seit 2014 unter dem Dach der strategischen Merck-Initiative „LC 2021“ gebündelt. Die Ziele sind hoch gesteckt: Merck will neue Märkte ansprechen und über Displays hinaus Technologie- und Innovationstreiber für Flüssigkristalle sein. Allen voran sind hier die Flüssigkristallfenster zu nennen.

Im Gespräch mit Martin Zitto, Business Development Manager im Bereich Performance Materials – Display Materials, haben wir mehr über die Arbeit bei Merck erfahren.

Glas begleitet Zitto bereits sein gesamtes Berufsleben: Nach seiner Ausbildung zum Glaser und seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre sowie Glastechnologie ist er 2013 als Experte für Flüssigkristallfenster zu Merck gekommen. „Mein Antrieb besteht darin, als Wegbereiter für die Technologie der schaltbaren Fenster zu fungieren“, so der 40-Jährige. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Anreize für deren Verwendung zu schaffen und den Markt auf unsere neuartigen Flüssigkristallfenster vorzubereiten.“

Internationale und zielgerichtete Forschung

Martin Zitto, Merck
Martin Zitto, Business Development Manager im Bereich Performance Materials – Display Materials bei Merck

Weltweit arbeiten Experten von Merck an der Forschung und Entwicklung im Displaygeschäft. Doch für die innovativen Ideen im Bereich der Flüssigkristalle fokussiert sich das Unternehmen keineswegs auf einen internen Blick. Vor allem das Networking mit externen Quellen ermöglicht optimale Forschungsbedingungen. Input kommt dabei beispielsweise von Kunden in China, Japan, Taiwan oder Korea, welche die Displays anfertigen. Mit Standorten in diesen Ländern kann Merck auf die individuellen Produktionswünsche wie eine erhöhte Schaltgeschwindigkeit der Flüssigkristalle eingehen. Auch in Eindhoven wurden extern Ideen entwickelt, die Mercks Technologie integrieren. Martin Zitto ist davon überzeugt: „Internationale Netzwerke sind für uns extrem wichtig, weil wir somit ein möglichst umfassendes Wissen in Bezug auf diese neue Technologie erhalten können. Wir können damit zum Beispiel die Frage beantworten, welche neuartigen Ideen wir in die Entwicklung einfließen lassen können.“

Durch die Fenster der Zukunft blicken

Zusammen mit dem niederländischen Start-up Peer+ hat Merck eine längerfristige Vision entwickelt: Fenster, die den Lichteinfall automatisch steuern und so zwischen hell und dunkel wechseln können. Dieses Smart Energy Glas ist die Idee der Gründer von Peer+. Für die entscheidende technologische Umsetzung kommen die Flüssigkristalle von Merck ins Spiel, wie Zitto beschreibt: „Der Ursprung unserer Zusammenarbeit beruht auf zwei parallelen Entwicklungen: Zum einen hat sich Merck die Frage gestellt, wie die Flüssigkristalle über die Bildschirmdisplays hinaus Verwendung finden könnten. Das größte Potenzial lag in dem Einsatz in Fenstern. Zum anderen hatte das Start-up Peer+ zeitgleich die Idee, mit Flüssigkristallen schaltbare Fenster zu entwickeln.“ Durch die schaltbare Verglasung können Räume abgedunkelt und ihr Aufheizen verhindert werden. Die Technologie kann Sonnenrollos ersetzen und schafft durch die verschiedenen Farben eine umweltfreundliche Temperaturregulierung der eigenen vier Wände. Um diesen Effekt zu erreichen, wird eine Mischung aus Flüssigkristallen von Merck zwischen zwei Glasscheiben „gelegt“. Eine weitere Anwendungsmöglichkeit ist es, die Gläser von transparent auf opak zu schalten und somit auf Kopfdruck Privatsphäre zu schaffen. So entwickelte sich eine intensive Zusammenarbeit und schließlich ein neues Unternehmen: „Zu Beginn hat Peer+ die Flüssigkristall-Materialien von Merck nur gekauft und weiterverarbeitet. Im Laufe der Zeit intensivierte sich die Zusammenarbeit und Merck beteiligte sich am Start-up bis Peer+ 2014 vollständig von Merck übernommen wurde und seitdem unter dem Namen „Merck Window Technologies“ geführt wird.“

Performance Materials als Innovationsschmiede

Weiterdenken wird bei Merck groß geschrieben. Im Unternehmensbereich Performance Materials arbeitet das Unternehmen an Ideen, die unseren Alltag einfacher und lebenswerter machen sollen. Auch Martin Zitto wirft einen Blick auf die nächsten Meilensteine: „Für die nahe Zukunft haben wir uns zum Ziel gesetzt, die Flüssigkristallfenster und ihre Vermarktung zu finalisieren, sodass sie in Gebäuden jeglicher Art Anwendung finden. Bei Merck haben wir die schaltbaren Fenster sowohl in unserem modularen Innovationszentrum als auch in dem 2016 eingeweihten OLED-Produktionsgebäude im Stammwerk Darmstadt eingebaut. Diese Fenster haben bereits alle Funktionen. Somit können unsere Mitarbeiter und Besucher die Innovation schon heute hautnah erleben. Als Endkunden sind sowohl Privatpersonen, als auch öffentliche oder institutionelle Auftraggeber denkbar – der Fokus liegt vorerst allerdings auf Letzteren.“ Die Zukunft der Flüssigkristallfenster, die auf die Umwelt außerhalb unserer eigenen vier Wände reagieren können, stelle den Forschungsfortschritt im Bereich der funktionellen Fassaden dar: „Funktionell, adaptiv oder smart bedeutet in diesem Fall, dass ein Bauteil – hier also die Fassade – Funktionen übernimmt, die über seine ursprüngliche Aufgabe hinausgehen“, so Martin Zitto. Wir können also gespannt sein und uns auf eine smarte Umwelt freuen.