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Jura trifft Diversity auf der LGBTI-Karrieremesse ALICE

Jasmin Elliott 23.12.2015
Eine Frau als CEO eines Großkonzerns, gleichgeschlechtliche Beziehungen, alleinerziehende Mütter oder Väter, Mehr-Generationen-WGs – all das ist die Normalität, mit der wir als Generation Y aufgewachsen sind.

Doch trotzdem gibt es gerade in der Arbeitswelt noch veraltete Strukturen und Denkweisen gegenüber Themen wie LGBTI (Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual and Intersexual). Um ein Umdenken zu bewegen und Akzeptanz für Diversität und Gleichberechtigung aller Lebensweisen zu schaffen, ist es umso wichtiger sich auszutauschen und offen über Themen wie LGBTI und die Rolle der Frau zu reden und aufzuklären. Dies hat sich auch die ALICE, die erste LGBTI-Karrieremesse für Jurist_innen in Deutschland, zur Aufgabe gemacht.

Dort können Jurastudierende sich darüber informieren, wie sich ihr potenzieller Arbeitgeber für Gleichberechtigung und Akzeptanz einsetzt.

Christine Anson-Morgan
Christine Anson-Morgan, Diversity Coordinator für Europa bei Hogan Lovells

Neben vielen weiteren Ausstellern war auch unser Partner Hogan Lovells vertreten. Christine Anson-Morgan, Diversity Coordinator für Europa bei Hogan Lovells, nahm sich die Zeit, mir alle Fragen zu beantworten, die mir zu dem Thema unter den Nägeln brannten.

Die Themen Diversity und LGBTI sind zentral bei ALICE. Wie vielfältig ist Hogan Lovells?

Hogan Lovells konzentriert sich zunächst auf die Themen Frauen und LGBTI. Wir sind dabei, ein internes Netzwerk für unsere LGBTI-Mitarbeiter zu gründen. Seit 2012 unterstützen wir unsere Juristinnen aktiv auf dem Weg in die Kanzleipartnerschaft. Dazu haben wir ein Programm zusammengestellt, das sie durch ihre komplette Karriere begleitet. Hogan Lovells hat sich ein konkretes Ziel gesetzt: Wir wollen, dass bis 2022 30 Prozent von unseren Partnern Frauen sind.

Wie gefällt Ihnen die ALICE-Messe bis jetzt?

ALICE gefällt mir vom Ansatz her sehr gut. Ich war bereits drei oder vier Mal auf der Schwesterveranstaltung STICKS & STONES in Berlin. Ich hatte damals schon das Gefühl, dass es schön wäre, wenn die Juristen einen Platz für sich hätten. Also habe ich mich sehr gefreut, dass es das diesmal gibt. Bis jetzt haben wir sehr nette und qualifizierte Besucher gehabt.

Mit welchen Maßnahmen fördert Hogan Lovells Diversity?

Für unsere Frauenförderung bieten wir zum Beispiel die Möglichkeit, unsere Mandantinnen kennenzulernen und das schon ab dem Associate Level. An jedem Standort wird mindestens einmal im Jahr zu einer Mandantinnen-Netzwerkveranstaltung eingeladen. Dort diskutieren die Teilnehmerinnen etwa den „Kulturwandel im Unternehmen“. Wir bieten aber auch bestimmte Trainings an zu Themen wie Kommunikation oder Business Rituale. 

Wie hat sich Ihr Unternehmen in den letzten Jahren bezüglich Vielfalt und Toleranz verändert?

Ich bin nun seit neun Jahren dabei. In den letzten Jahren hat man gemerkt, dass sich die Kanzlei neue Ziele gesetzt hat, die nachhaltig verfolgt werden.

Es wird offen angesprochen, dass wir etwas für Diversity tun wollen. Alle sollen sich bei uns wohl fühlen. Diverse Teams sind erfolgreicher. Das heißt also, wir bilden bewusst Teams aus Männern, Frauen, älteren und jüngeren Kollegen mit verschiedenen (Bildungs-)Hintergründen. Das wird wirklich gelebt bei Hogan Lovells.

Wo sehen Sie die größte Herausforderung für die nächsten Jahre?

Es wird eine Herausforderung für Hogan Lovells, und auch andere Kanzleien, Frauen optimal zu fördern und an sich zu binden. Nächstes Jahr bringt Hogan Lovells eine neue Richtlinie zum Thema Agile Working heraus. Also flexibles Arbeiten im Sinne von: Wir sind flexibel und können auf bestimmte Herausforderungen reagieren. Egal, ob das im beruflichen oder persönlichen Bereich eines Anwalts oder einer Anwältin ist. Wir wollen gute Rahmenbedingungen anbieten, damit unsere Anwälte realisieren, dass Hogan Lovells jeden Einzelnen unterstützt. Wir sind ganz gespannt auf diese neuen Möglichkeiten.

Warum ist das Thema Diversity Ihnen persönlich wichtig?

Mir ist es wichtig, weil ich auch Ausländerin bin. Manche vergessen das, da ich schon so lange hier bin. Meine Fehlerquote in der deutschen Sprache wird, Gott sei Dank, auch immer geringer. Trotzdem komme ich woanders her und habe eine andere Bildung und Erziehung genossen als meine deutschen Kollegen. Dieses Anderssein spüre ich immer noch, jeden Tag. Mein Akzent ist aber auch meine Visitenkarte. Als Frau, Ausländerin und Quereinsteigerin habe ich schon vieles erlebt. Meine „unkonventionellen“ Lösungen werden zum Teil anders wahrgenommen und akzeptiert – trotz oder vielleicht gerade wegen meines Andersseins. Es gibt so viele Menschen auf der Welt, die ein bisschen „anders“ sind und warum sollen wir nicht offen sein für deren Vorschläge und Ideen? Auch deshalb setzte ich mich gerne ein für Diversity bei Hogan Lovells und in meinem Leben.

Nachdem ich mir auf der ALICE einige Vorträge zu den Themen Diversity und LGBTI anhören und mit Christine Anson-Morgan sprechen konnte, fand ich es wunderbar zu erfahren, welche Maßnahmen von Unternehmen und Kanzleien getroffen werden, um Gleichberechtigung und Akzeptanz im Arbeitsumfeld voranzubringen. Mir wurde aber auch bewusst, wie viel Arbeit dazu gehört, Menschen zu überzeugen, Neues zuzulassen und „Anderssein“ zu akzeptieren. Jeder Einzelne ist gefragt, sich von Vorurteilen, Stereotypen und vorschnellem Handeln zu lösen.

In diesem Sinne, bleibt aufgeschlossen und schwimmt auch mal gegen den Strom!

Liebe Grüße und danke an alle, die an der ALICE mitgewirkt haben!

Eure Jasmin