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Dr. jur. – überflüssiges Relikt oder Karriere-Booster?

Sarah Grewing 09.01.2015
Nach dem Studium direkt in den Beruf oder doch lieber erst promovieren? Wir haben für dich bei careerloft-Partner Hogan Lovells nachgehakt und viele nützliche Infos sowie ganz persönliche Ansichten erhalten.
Brauchen Juristen einen Doktortitel? Hogan Lovells Berater erläutern Pro und Kontra
Lohnt sich die Promotion für Juristen?

Nach dem Studium direkt in den Beruf oder doch lieber erst promovieren? Diese Frage stellen sich viele Jurastudenten. Wir haben für dich bei careerloft-Partner Hogan Lovells nachgehakt und von Dr. Sabine Boos, Counsel im Gewerblichen Rechtsschutz, und Maren Astor, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Promovendin, viele nützliche Infos sowie ganz persönliche Ansichten erhalten.

Zunächst ein paar Zahlen

Von den rund 110.000 Jurastudenten im Jahr 2010 haben lediglich circa 1.500 eine Promotion abgeschlossen – davon aber immerhin 42,4 Prozent mit der ansehnlichen Note „magna cum laude“.

Bei Hogan Lovells ist eine Promotion keine Einstellungsvoraussetzung: Von den insgesamt 336 beschäftigten Juristen besitzen 155 (46 Prozent) einen Doktortitel. Der Vollständigkeit halber sei hier jedoch erwähnt, dass diese Statistik nicht jene Juristen erfasst, die derzeit promovieren, aber den Abschluss noch nicht in der Tasche haben. So schätzt Sabine Boos, dass schlussendlich etwa 60 bis 70 Prozent der Juristen bei Hogan Lovells promovieren.

Yay or nay?

Was spricht also für, was gegen die Promotion?

Contra: Als Promovend ist man in erster Linie ein Einzelkämpfer mit wenig bis gar keinen Austauschmöglichkeiten. „Kurz gesagt: Man braucht eine ganze Menge Eigenmotivation sowie gutes Zeit- und Selbstmanagement“, erläutert Sabine Boos. „Lange und unregelmäßige Arbeitszeiten kommen noch hinzu.“

Pro: Mit einer Promotion zeigst du Einsatzwillen und wirst zum Experten auf Deinem Gebiet. Der gesetzte Schwerpunkt kann Vorteile beim Berufseinstieg bringen – insbesondere bei praxisnahen Themen. Last, not least bringt dir ein Doktortitel natürlich auch ein gewisses Ansehen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Üblicherweise bieten sich zwei Zeitpunkte für die Promotion – die übrigens ein bis fünf Jahre in Anspruch nehmen kann –, nämlich entweder nach dem ersten oder nach dem zweiten Staatsexamen. Nach dem ersten Staatsexamen haben Promovenden zum einen den Vorteil, dass sie noch Routine im wissenschaftlichen Arbeiten haben. Zum anderen stehen sie noch ganz am Anfang ihrer Karriere und müssen diese nicht für die Promotion unterbrechen. Für eine Promotion nach dem zweiten Staatsexamen spricht hingegen die größere fachliche und persönliche Erfahrung, die optimal in die Doktorarbeit einfließen kann.

Wie finde ich ein Thema?

„‚Wie läuft ein Strafverfahren ab, wie funktioniert ein Zivilprozess?‘ – Berufserfahrene können von ihren Kenntnissen erheblich profitieren“, erklärt Maren Astor. „Ich bin zum Beispiel erst während meines Referendariats auf mein Thema, ein Rechtsproblem in der damaligen Kanzlei, aufmerksam geworden.“ Für diejenigen, die nicht wie Maren Astor sozusagen zufällig über ein passendes Thema stolpern, hat Sabine Boos einen Tipp: „Hören Sie sich um! Fragen Sie praktizierende Juristen oder Richter, ob es aktuelle Fragestellungen gibt, die noch nicht erarbeitet wurden“, rät sie. „Mein ganz persönlicher Rat: Schauen Sie sich Festschriften an, denn darin finden sich häufig Beiträge, die wissenschaftlich noch nicht völlig erschlossen sind und die neue Tendenzen aufgreifen.“

Nach der Themenwahl solltest du dir einen Betreuer suchen. Auch hier heißt es in erster Linie: Halte die Ohren offen und erkundige dich über die potenzielle Doktormutter/den potenziellen Doktorvater, bevor du sie/ihn ansprichst.

Get started: die Abschlussphase

Hast du Thema, Vorgehensweise und Formalien  mit deinem Betreuer besprochen, geht’s ans Eingemachte. Damit du optimal durch die Produktionsphase kommst, solltest du dir unbedingt einen Zeitplan erstellen. Bedenk dabei Zeitaufwände für Sichtung und Auswertung relevanter Literatur und natürlich für die Erstellung selbst – und bau dir zeitliche Puffer ein! „Die eigentliche Schreibphase ist ein Prozess, der von Höhen und Tiefen begleitet wird“, ergänzt Maren Astor. „Halten Sie durch und nehmen Sie sich notwendige Auszeiten! Ganz wichtig: Suchen Sie sich ‚Leidensgenossen‘ zum persönlichen Austausch.“

Was erwartet dich in der Prüfung?

Grundsätzlich gibt es zwei mögliche Abläufe für die Prüfung. Da ist zunächst die Disputation, die Verteidigung der Doktorarbeit. Darin stellst du die Inhalte, Thesen und Ergebnisse Deiner Arbeit in einem etwa 10-minütigen Vortrag kurz vor, um sie dann in einem „Streitgespräch“ vor den Prüfern zu verteidigen. Je nach Studienordnung gibt es daneben die Möglichkeit eines Rigorosums. Dabei handelt es sich um eine Fachprüfung zum jeweiligen Rechtsgebiet oder auch zu allgemeinen rechtswissenschaftlichen Themen. Das Ergebnis erhältst du in beiden Fällen unmittelbar nach der Prüfung.

Wer soll das bezahlen?

Es gibt mehrere Möglichkeiten für die Finanzierung einer Promotion, z. B. die wissenschaftliche Mitarbeit in Forschung und Lehre, Stipendien durch Förderungsnetzwerke, Stiftungen etc. oder Förderung durch die Wirtschaft, etwa durch Nebentätigkeit in einer Großkanzlei oder einem Unternehmen. „Welche Förderung geeignet ist, ist sicher auch eine Typfrage“, so Sabine Boos. „Ich selbst habe die abwechslungsreiche Zeit am Lehrstuhl sehr geschätzt.“ Maren Astor ist hingegen in ihrer Position als wissenschaftliche Mitarbeiterin sehr zufrieden: „Immer im Wechsel bin ich eine Woche zwei Tage, eine Woche drei Tage in der Kanzlei tätig“, erzählt sie. „Mehr als drei Tage zu arbeiten, halte ich auf keinen Fall für sinnvoll.“

Hast du weitere Fragen zur Promotion? Dann setz dich gerne mit der careerloft-Ansprechpartnerin bei Hogan Lovells, Nina Rudnizki, in Verbindung.

Wir wünschen dir in jedem Fall eine erfolgreiche Karriere – mit oder ohne Doktortitel!