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Was leistet Wirtschaftsprüfung für Umwelt und Menschen? Interview mit Nicole Richter von EY

Wirtschaftsprüfer helfen Unternehmen dabei, erfolgreich zu sein und zu bleiben, und das nicht nur in Sachen Gewinnoptimierung – obwohl sich die Themen, in denen die EY Sub-Serviceline „Climate Change and Sustainability Services“ ihre Mandaten unterstützt, langfristig ebenfalls auf den wirtschaftlichen Erfolg auswirken! Wie, das haben wir von Nicole Richter erfahren.

Frau Richter, bitte stellen Sie sich den careerloft-Mitgliedern kurz vor.
Mein Name ist Nicole Richter, ich bin von Haus aus Wirtschaftsprüferin und verantworte aktuell die EY Dienstleistungen rund um das Thema Nachhaltigkeit. Meine Freizeit verbringe ich gerne in den Bergen oder an der französischen Atlantikküste.

Wie würden Sie Ihren Job einem Sechsjährigen erklären?

Wirtschaftsprüfung bei EY

Das versuche ich bei meinen Kindern auch immer wieder. Schon die Kleinen wissen, dass wir zu Hause nicht Wasser und Strom verschwenden sollen, weil es der Umwelt schadet. Und dass wir gut miteinander umgehen sollen, damit wir besser zusammenleben können. Und Unternehmen wollen das eben auch machen, da ist es nur viel schwieriger: in einer Fabrik zum Beispiel, in der Autos gebaut oder T-Shirts genäht werden. Und ich helfe den Unternehmen, Wege zu finden, wie sie besser mit Mensch und Umwelt umgehen können, und das auch noch gut zu erzählen.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Sehr unterschiedlich: viel Kommunikation und Interaktion mit unseren Mandanten, potenziellen Mandanten und meinem Team, spannende Meetings, aber auch Phasen, in denen ich neue Ideen weiterentwickle. Alles in allem sehr abwechslungsreich und alles andere als „Alltag“.

Ab 2017 gilt die neue von der EU verabschiedete CSR-Richtlinie. Was ändert sich für Unternehmen?
Insbesondere kapitalmarktorientierte Unternehmen müssen ab 2017 stärker nichtfinanzielle Aspekte in ihren Lageberichten oder in einem gesonderten nichtfinanziellen Bericht transparent darstellen. Dazu gehören Themen wie Umwelt, Mitarbeiter sowie Soziales, Menschenrechte, Korruption und Bestechung, als auch Diversität. Die größte Herausforderung wird für die betroffenen Unternehmen sein, die verfolgten Konzepte darzustellen und Erreichtes mit entsprechenden Kennzahlen glaubhaft und klar abzubilden.

Wie bereiten Sie die Mandanten auf die Richtlinie vor?
Wir haben unterschiedliche Methoden und Tools, mit denen wir unsere Mandanten bei der Gap-Analyse sowie der Definition und Implementierung von Konzepten und Kennzahlen unterstützen. In der Regel beginnen wir mit den Unternehmen gemeinsam, die wesentlichen Themen für das Unternehmen zu identifizieren und festzulegen, und darauf aufbauend zielgerichtete Maßnahmen zu treffen und Berichtsstrukturen zu implementieren mit dem Ziel, einen vollständigen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen.

Warum wird Nachhaltigkeit immer wichtiger für Unternehmen?
Transparenz ist ein sehr starker Treiber: Interessensgruppen wie Kunden, Mitarbeiter oder auch Investoren verlangen von Unternehmen immer mehr Transparenz hinsichtlich der Position von Unternehmen zum Thema Nachhaltigkeit. Wenn ein Unternehmen etwa offensichtlich Arbeitsstandards in der Lieferkette missachtet, ist ein Vertrauensverlust und Rückgang von Kunden wahrscheinlich. Doch es ist auch möglich, dass als Folge große Pensionsfonds ihre Investments zurückfahren. Gleichzeitig kann Nachhaltigkeit ein großer Innovationstreiber sein: Denken Sie beispielsweise an die Mobilität von morgen und die Dekarbonisierung der Wirtschaft. Daraus ergeben sich zahlreiche neue Geschäftsfelder und -ideen.

Welche Herausforderungen werden in den nächsten zehn Jahren das Themenfeld Corporate Social Responsibility bestimmen?
Die Herausforderungen werden sich rund um die Sustainable Development Goals der United Nations ranken. Internationalität und Lieferketten beeinflussen die Punkte Menschenrechte und Soziales, die Ressourcenknappheit treibt Umweltbelange und Innovation. Gleichzeitig müssen es die Unternehmen schaffen, realistische und messbare Ziele für diese Bereiche zu setzen und über die Wechselwirkungen von nichtfinanziellen Themen und finanzieller Entwicklung der Unternehmen belastbar zu berichten.

Wie kann man nichtfinanzielle Aspekte wie Mitarbeiterzufriedenheit eigentlich sinnvoll messen und auswerten?
Es gibt ja nicht nur quantitative Messmethoden, sondern auch qualitative. Mitarbeiterzufriedenheit wird üblicherweise im Rahmen von Befragungen nach bestimmten Kriterien, zum Beispiel in Form einer Skala, erhoben. Diese Skalenwerte lassen sich durchaus beziffern und entsprechend qualitativ darstellen oder auch quantitativ mit einem für das Unternehmen relevanten Wert belegen. In der Tat ist die Quantifizierung von Auswirkungen ein Gebiet, in dem wir ein sehr starkes Wachstum sehen.

Fragestellungen können sein, ob die Verlagerung von Produktion Auswirkung hat auf die Logistik, auf die Wertschöpfung in einem Land oder auch auf die Entstehung von neuen Jobs und dadurch gleichzeitig bestimmte Umweltauswirkungen initiiert werden. Für diese Wirkungsketten gibt es auch quantitative Input-Output Modelle, die wir nutzen, um bestimmte Auswirkungen zu identifizieren, Entscheidungsgrundlagen zu bilden und Alternativen aufzuzeigen. Wir gehen aber noch einen Schritt darüber hinaus bis hin zu der Frage, welchen Beitrag Unternehmen aus Sicht einer bestimmten Gruppe für das Gemeinwohl leisten.

Vielen Dank für das Interview!