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Dresscode bei Unternehmensberatungen

Christian Focken 02.08.2013
Mit Jeans zum Kunden? Wie leger kann/muss/sollte sich ein Wirtschaftsprüfer kleiden? Gibt es internationale Unterschiede beim Dresscode? Ein Gastbeitrag von Marcus K. Reif, Head of Recruiting & Employer Branding bei Ernst & Young.

Welcher Dresscode gilt?

Dresscode in der Unternehmensberatung - Tipps von Marcus K. Reif
Marcus K. Reif von EY gibt Tipps zum Dresscode

Kleidung ist non-verbale Kommunikation. Hier kann man viel gewinnen, aber eben auch viel der persönlichen Wirkung liegen lassen. Daher ist es wichtig, sich vor Terminen mit den Usancen vertraut zu machen. Deshalb die immer wieder gern gestellte Frage zum Dresscode: Was zieh ich an? Zum Bewerbungsgespräch, zum Termin mit einem Kunden, zum Termin mit dem Vorstand oder der Geschäftsführung, zum Termin mit einem Lieferanten. Zu einem Workshop mit Kollegen – an Gelegenheiten, vieles mit der Garderobe richtig zu machen, mangelt es sicherlich nicht.

Meine allgemeine Empfehlung zum Dresscode ist in eine kurze Botschaft gepackt: Modisch und stilvoll gekleidet sein bedarf einfacher Empfehlungen. Wer allerdings auf Extravaganz setzt, überbordenden Coolness-Faktor oder ein besonderes modisches Markenzeichen, der wird in einem größtenteils sehr tradierten, konservativen und distinguierten Umfeld einer Beratung oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eher auffallen. Deshalb:

Ihre Kleidung sollte immer ein Stück konservativer als die Ihres Gegenübers sein.

Aber die dringende Ergänzung zu dieser Empfehlung: niemals deutlich under- oder overdressed erscheinen! Es gilt vorher zu klären, welche Garderobe gefragt ist. Zum Vorstellungsgespräch bei einem Mittelständler kann der schwarze Anzug mit weißem Hemd und gedeckter Krawatte schnell overdressed sein. Zu einem Vorstellungsgespräch bei einer Wirtschaftsprüfung oder Unternehmensberatung ist ein dunkelgrauer Anzug sicherlich die beste Wahl. Dazu ein Hemd in bleus oder weiß mit moderner Krawatte. Die modische Welt schwört ja derzeit auf schmale Krawatten. Also eher nicht mit der Breitkrawatte des Großvaters auflaufen.

Bei der Arbeit beim Kunden gilt für den Dresscode: Wenn das Unternehmen den Anzug als Standard definiert, gerade bei Beratungen und Banken ist dies erwünscht, passen Sie sich an. Ist dort die Jeans mit einem lockeren Hemd angesagt, passen Sie sich an. Eventuell mit einer Chino und einem Sakko.

Kommen wir mal zur Grundausstattung des Herren von Welt:

Der Anzug

Der modische Trend sieht ein schmal geschnittenes Sakko mit zwei Knöpfen vor. Ein blauer Anzug muss der Standard im Büro sein. Der braune Anzug gehört eher in die Freizeit, nicht ins Büro. Der schwarze Anzug nur zu entsprechenden Anlässen. Mit einem dunkelgrauen und einem hellgrauen Anzug macht man in Sachen Dresscode vieles richtig.

Mindestens diese drei verschiedene Anzüge sind für den Herren das absolute Muss:

  • Marineblau, zwei Knöpfe, schmales Revers. So einen Anzug braucht jeder Mann im Schrank. Mit oder ohne Weste ist dieser Anzug wenig formell, aber perfekt fürs Büro oder das legerere Dinner.
  • Grau. Ein grauer Anzug gehört ebenfalls zum Standard-Repertoire. Und für den geschäftlichen Alltag immer zu gebrauchen.
  • Schwarz, der Klassiker. Gehört dazu, gerade für spezielle und distinguierte Anlässe muss dieses Stück im Kleiderschrank hängen.

Socken 

Auch das gehört zum Dresscode: An jeder Ecke sieht man auf einmal farbige Socken zwischen dunklem Schuh und dunklem Anzug hervorblitzen. Wenn man distinguierter Brite ist, keine Anmerkung. Für den modernen deutschen Gentleman ist das vermutlich eine Spur zu extravagant. Die Socken bleiben weiterhin hoch (bis Knie) und dienen als farbliche Brücke zwischen Schuh und Anzug. Vermeiden Sie bunte Motive und Markenbezeichnungen darauf. Die Mickey-Mouse-Socke sollten Sie ebenfalls aus der beruflichen Garderobe verbannen.

Schuhe

Braune Schuhe sind im geschäftlichen Alltag nicht mehr so verpönt. Die braunen Schuhe passen gut zu einem blauen oder grauen Anzug. Bitte niemals zu einem schwarzen Anzug tragen! Sie dürfen und müssen sogar braune Schuhe zum grauen Anzug kombinieren. Die Schuhe sollten unbedingt rahmengenäht sein. Die halten entsprechend länger, will sagen, diese Investition zahlt sich aus. Wenn Sie auf die Gummisohle verzichten und  sich zu Ihrem Schuhwerk auch die passenden Schuhspanner anschaffen, sind Sie auf einem guten Weg.

Hemden

Kurzarmhemden bitte aus dem Gedächtnis streichen. Die sollten Sie aus der beruflichen Garderobe völlig streichen. Für den Herren mit Anzug gibt es nur ein Langarmhemd. Dunkle Hemden sind tabu. Bleus oder weiße Hemden sind für den geschäftlichen Alltag Standard!

Die Redaktion bat, die Frage, ob es international Unterschiede gibt, zu beantworten. Ja, die gibt es. Und Sie brauchen nicht in ferne Länder schweifen, um diese Unterschiede zu sehen. Der britische Gentleman ist stets distinguiert gekleidet. Man erkennt ihn an vielen, auch extravaganten Accessoires. Ob nun ein Einstecktuch im Sakko, farbig zur Krawatte harmonierende Socken oder der Akzent mit schicken Manschettenknöpfen. Während der US-Amerikaner diesen britischen Stil als zu extravagant wertet, sind die Business Men in Amerika oft in beige-farbener Chino und dunkelblauem Sakko anzutreffen – meist ohne Krawatte. Also passen Sie sich Ihrem Auditorium, Kunden und Gesprächspartner an. Finden Sie heraus, wie sich dort im Unternehmen, der Branche, der Region und dem Land gekleidet wird. So kommen Sie ein Stück besser vorbereitet zu Ihrem Kunden und haben schon das erste Thema für den Smalltalk ;).

Wem es aufgefallen ist, das sind Tipps für den Herrn. Ich hoffe sehr, dass sich jemand der Perspektive der Frauen annimmt. Ein gutes Thema für einen weiteren Blog-Beitrag!

Ich wünsche stets eine gute Wahl Ihrer Garderobe!

Marcus K. Reif