DE EN

Von der Statistikerin zur Start-up-Gründerin

E.ON Mitarbeiterin Irit Eser im Interview

Irit Eser ist leidenschaftliche Stepptänzerin, liest gerne, hört die Einstürzenden Neubauten und Maria Callas gleichermaßen und betreibt ihren eigenen Beautyblog. Beruflich geht es bei der 50-Jährigen ähnlich bunt zu: Irit Eser ist seit vielen Jahren bei E.ON beschäftigt und seit Kurzem auch angehende Unternehmensgründerin. Im Interview verrät sie mehr über ihre berufliche Laufbahn, warum sie Statistik studiert hat und was es mit ihrem Start-up „Paketstrom“ auf sich hat – für das sie übrigens Unterstützung sucht.
Irit Eser, E.ON Mitarbeiterin
Irit Eser

Frau Eser, bitte stellen Sie sich den careerloft-Mitgliedern kurz vor.

Mein Name ist Irit Eser, ich bin 50 Jahre alt, habe zwei Töchter, einen tollen Mann, eine wunderbare beste Freundin, lebe in Dortmund und arbeite seit 25 Jahren bei E.ON. Angefangen habe ich dort mit der Absatzprognose, einem klassischen Statistiker-Thema. Danach wurde es vielfältiger: Gaseinkaufsoptimierung, Trading, IT-Projekte. In den letzten Jahren war ich für die Digitalisierung im deutschen Kundenservice verantwortlich und habe mich hauptsächlich um das Thema „Online Shift“ gekümmert. Dabei geht es unter anderem darum, Kunden unser Portal sowie die Möglichkeiten des Self Service näherzubringen und so einfach und bequem wie möglich zu machen. Seit Juni 2016 entwickle ich ein Start-up für E.ON.

Wieso haben Sie sich für Statistik entschieden? Ist das nicht ein sehr trockenes Fachgebiet?

Ich war schon in der ersten Klasse begeistert von Mathematik und wollte Mathelehrerin werden. Später fand ich den Schuldienst nicht mehr so toll, Mathe schon. An Statistik hat mir gefallen, dass man das theoretisch erlernte Wissen auch praktisch anwenden kann. Und ja: wenn man sich nicht für Mathematik interessiert oder Beweise spannend findet, sollte man ein anderes Studium wählen.

Ist (Diplom-)Statistiker ein üblicher fachlicher Hintergrund bei E.ON?

Nein, bei meinem Einstieg gab es noch drei Studienkollegen – bei rund 3000 Mitarbeitern insgesamt. Statistiker sind aber auch eher eine seltene Spezies, wir waren damals circa 60 Absolventen in einem Jahrgang – und das war ein geburtenstarker Jahrgang.
Die geringe Anzahl an Absolventen in Mathematik beziehungsweise Statistik ist wohl auch der Grund für mein derzeitiges Problem: Ich suche einen Werkstudenten oder Praktikanten (w/m), der mich bei mathematischen Themen von Preisberechnung bis zu Analysen von Klickverhalten tatkräftig unterstützt.

Wie ist ihr Team aufgebaut?

An meinem Start-up „Paketstrom“ arbeiten aktuell sieben Leute mit. Jeder von uns hat sein Spezialgebiet. Die wichtigen und „großen“ Themen diskutieren und entscheiden wir zusammen. Wenn es um eher spezielle Themen geht, entscheidet der Fachmann.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Den gibt es nicht. Ich bin oft jeden Tag in der Woche an einem andern Standort und rede mit vielen Menschen, die mit Paketstrom „verbandelt“ sind. Das können ganz unterschiedliche Themen von Vertragsgestaltung über Preisberechnung bis hin zu Webtexten sein. Denkintensive Arbeiten mache ich im Homeoffice in aller Ruhe.

Irit Eser E.ON Mitarbeiterin
Irit Eser

Was genau hat es mit Ihrem Start-up „Paketstrom“ auf sich?

Wir verkaufen Strom an Privathaushalte, die es einfach haben und die Transparenz über ihre Kosten beziehungsweise ihren Verbrauch haben wollen. Oder die jeden Monat die Stromkosten zwischen den Mitbewohnern aufteilen müssen und das demnächst ganz einfach können, ohne komplizierte Rechnungen. Der Clou dabei: Man kauft eine feste Menge Strom ein und kann beim nächsten Kauf wieder frei entscheiden, ob man lieber günstigen Strom, Ökostrom, viel oder wenig kaufen möchte. Je nach persönlichem Bedarf.

Wie kam es zu dem Entschluss, ein Start-up zu gründen?

Ich fand Stromverträge schon immer zu kompliziert. Außer den Fachleuten versteht niemand die Tarifsystematik mit schwer verständlichen Vertragsbedingungen. Das wollte ich ändern und mit der Einführung von Smart Metern in Deutschland gab es die Chance für die Umsetzung.

Wie werden Sie dabei von E.ON unterstützt?

Vielfältig. Zum einen bekomme ich von unserem :agile accelerator fachkundigen Rat in Sachen Start-ups. Zum anderen habe ich einen Mentor, Tony Cocker, CEO E.ON UK, mit dem ich schwierige Punkte diskutieren kann, der mir weiterhilft und kritische Fragen stellt. Und nicht zuletzt: die Startfinanzierung kommt auch von E.ON.

Was war dabei die bisher größte Herausforderung? Was bereitet Ihnen besondere Freude?

Die größte Herausforderung ist der komplexe Prozess für den Stromverkauf. Wir wollen es so einfach und günstig wie möglich gestalten – und das auch noch 100 Prozent digital und in Übereinstimmung mit der umfangreichen Gesetzgebung in diesem Bereich. Die größte Freude ist es, als Unternehmerin unterwegs zu sein, Entscheidungen selbständig treffen zu können und die eigene Idee voran zu treiben. Unbezahlbar!

Welchen Rat würden Sie Ihrem 15-jährigen Ich geben?

Ich würde mir raten, authentisch zu sein. Sachen in Frage zu stellen und selbst zu entscheiden. Und eigene Wertmaßstäbe zu entwickeln zum Thema: Was ist wichtig im Leben? Dinge zu tun, weil „man“ sie so macht, ist totaler Unsinn.

Vielen Dank für das Interview, Frau Eser!

Du hast Interesse an der Stelle in Frau Esers Team? Nimm einfach Kontakt zu ihr auf unter irit.eser@paketstrom.de