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„Leidenschaft kann man nicht lernen.“ – E.ON Ingenieurin Barbara Wittenberg im Interview

Barbara Wittenberg hat bei E.ON die Position mit dem Titel Head of Small Scale VPP Solutions, Virtual Power Plant & Flexibility Business Unit inne. Im Interview verrät sie, was genau sich dahinter verbirgt, welche Erfahrungen sie beim Berufseinstieg gemacht hat und wie sie in ihrer Freizeit am liebsten neue Energie tankt.
Barbara Wittenberg im Interview - E.ON

Barbara, bitte stell dich den careerloft-Mitgliedern kurz vor.

Hallo! Ich bin 29 Jahre alt und Wirtschaftsingenieurin mit dem Schwerpunkt Elektrische Energietechnik. Nach meinem Studium an der RWTH in Aachen bin ich bei E.ON im Bereich dezentrale Energien eingestiegen. Am Anfang habe ich einige eigene Projekte zum Thema „Smart Home“ durchgeführt, ehe ich in den Bereich Technology & Innovation wechselte.

Hier verantwortete ich das internationale Projektportfolio „Flexibilität“. Flexibilität im Stromsystem ist ein wichtiges Zukunftsthema: Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien wird die Stromerzeugung immer volatiler. Eine stabile Stromversorgung gibt es aber nur, wenn Erzeugung und Verbrauch jederzeit ausgeglichen sind. Virtuelle Kraftwerke sind eine Möglichkeit dies gemeinsam mit unseren Kunden sicherzustellen.

Auch privat probiere ich gern Neues aus! Seit kurzem fahre ich Cyclocross-Rad, habe im Frühjahr zwei Segelscheine gemacht, mag Bouldern und erprobe mich im Stand-up-Paddeln.

Was wolltest du werden, als du klein warst?

Ich bin in einem Dorf im Münsterland aufgewachsen. Als ich wirklich klein war, wollte ich einen Beitrag zur Dorfgemeinschaft leisten und Tierärztin werden.

Jetzt bist du Head of Small Scale VPP Solutions, Virtual Power Plant & Flexibility Business Unit bei E.ON Connecting Energies. Zur Aufklärung: Was genau machst du da?

Bei E.ON Connecting Energies erarbeiten wir integrierte Energielösungen für Kunden aus Gewerbe, Industrie und dem öffentlichen Sektor. Schwerpunkte sind die Themen Energieeffizienz, dezentrale Energieerzeugung, Flexibilität, virtuelle Kraftwerke und Batteriespeicher.

Virtuelle Kraftwerke sind IT-Lösungen zur Stabilisierung des Stromsystems: Kleinere dezentrale Anlagen wie Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen oder Wind- und Photovoltaik-Anlagen wirken zusammen mit industriellen Lasten wie Pumpen oder Schmelzöfen. Gebündelt funktionieren sie wie ein großes Kraftwerk. In diesem Bereich baue ich gerade ein neues Team auf, für das ich auch Werkstudenten suche. Wir betreiben selbst ein solches virtuelles Kraftwerk und verantworten dazu partnerschaftliche und neue technische Integrationskonzepte „kleiner Flexibilitäten“. Das sind etwa Heizungs-, Kühlungs- und Klimatechnik-Systeme. Durch das Internet of things, Smart Home etc. können wir langfristig sehr kleine flexible Erzeuger und Verbraucher aufnehmen.

Hast du Tipps für angehende Ingenieurinnen, wie sie sich in diesem vermeintlichen Männerberuf behaupten können?

Diversifikation im Beruf ergibt sich nicht allein durch das Geschlecht! Wichtig sind auch kultureller Hintergrund, individuelle Stärken und Herangehensweisen. Darum finde ich es wichtig, sich auf andere Blickwinkel einzulassen und authentisch zu sein. Davon abgesehen kann man sich unabhängig vom Geschlecht nur behaupten und andere überzeugen, an einem Ziel mitzuarbeiten, wenn man mit Leidenschaft dabei ist!

Welche Erfahrungen hast du diesbezüglich als Frau in Studium und Beruf gemacht?

Im Studium musste ich mich erst daran gewöhnen, dass ich hauptsächlich männliche Kommilitonen hatte. Grundlagenkenntnisse im Fußball waren hier essenziell. Im Beruf habe ich nicht ausschließlich in Männerteams gearbeitet – meine erste Mitarbeiterin ist eine weibliche Ingenieurin. Wenn es einen „Überraschungseffekt des Ingenieur-Backgrounds“ gibt, dann einen positiven!

Planung oder Improvisation: Was ist in deinem Job wichtiger?

Im Tagesgeschäft eindeutig Improvisation! Wenn ein Kunde anruft, hat sein Anliegen Priorität. Um sehr flexibel auf Anforderungen reagieren zu können, arbeiten wir deshalb zum Beispiel in der IT-Entwicklung nach der SCRUM Methode für agiles Projektmanagement. Die strategischen Themen verlangen natürlich Planung und Beharrlichkeit.

In welches Hobby investierst du deine private Energie am liebsten?

Momentan ins Radfahren: Mein erstes Rad mit Klickpedalen erfordert mehr Aufmerksamkeit und Übung als gedacht.

Hast du ein Lebensmotto? Welches?

“Passion is the one thing experience can’t teach”, Phil Di Bella (Gründer, Di Bella Coffee)

Welches Land, in das du gereist bist, hat dich am meisten beeindruckt?

Ich reise sehr gerne und viel. Am meisten beeindruckt hat mich Chile, vielleicht auch, weil ich dort ein halbes Jahr gelebt habe. Chile ist für mich das Land der Gegensätze: Gletscher und Wüste, Meer und Berge, Arm und Reich, Chaos und Organisation.

Dein Rat an Berufseinsteiger?

Seid ihr selbst! Findet einen Job, bei dem ihr mit Leidenschaft dabei seid, für den ihr morgens gerne aufsteht und für den ihr euch gerne einsetzt.