DE EN

E.ON :agile – Interview mit WMOOVE-Gründer Jürgen Resch

E.ON unterstützt Start-up, das mobile Ladekraftwerke entwickelt und aus Abfall Strom macht

Christian Focken 20.11.2017

Im ersten Teil unserer dreiteiligen Serie haben wir dir das E.ON :agile Programm vorgestellt. Seit Oktober 2014 fördert der Energiekonzern und careerloft-Partner externe Start-ups. Aktuell werden 24 Start-ups von E.ON :agile unterstützt. Auch WMOOVE gehört dazu, das wir dir in Teil 2 unserer Serie jetzt vorstellen. Dazu sprachen wir mit WMOOVE-Gründer Jürgen Resch.

Ein WMOOVE Ladekraftwerk als Grafikansicht
Ein WMOOVE Ladekraftwerk (Grafik).

Was ist WMOOVE, Herr Resch?

Jürgen Resch, Nikolaus Donner und Thomas Buchegger vom Start-up WMOOVE von E.ON
WMOOVE-Gründer Jürgen Resch (hinten rechts) mit seinen Kollegen Nikolaus Donner (l.) und Thomas Buchegger.

WMOOVE widmet sich zwei zentralen Fragestellungen unserer Gesellschaft: Erstens, wie man Müll vernünftiger verwerten kann und zweitens, wie wir die so dringend notwendige Infrastruktur für das Laden von Elektrofahrzeugen bereitstellen können. Unsere Lösung ist, dass wir Abfälle von Unternehmen als Rohstoff zur Produktion von Strom benutzen, um damit Elektrofahrzeuge laden zu können.

WMOOVE hilft Unternehmen nicht nur Abfälle ökologisch zu entsorgen, sondern eliminiert die damit verbunden Kosten - zur Gänze! Gleichzeitig wird Energie produziert. Mit den eingesparten Kosten bauen die Unternehmen netzunabhängige Ladestationen für Elektro-Fahrzeuge. Dort wird die Energie an Kunden verkauft.

Die WMOOVE-Ladekraftwerke sind dabei mobil und können unabhängig von Stromnetzwerken errichtet und betrieben werden. So transformieren wir Unternehmen vom Müllverursacher zum Energieprovider.

Oder wie es der CFO eines interessierten Unternehmens kürzlich formuliert hat: “Toll, Ihr verwandelt unsere Kostenstelle Müllentsorgung in das Profitcenter Energieproduktion!”

Warum haben Sie WMOOVE gegründet?

Vor der Gründung von WMOOVE haben wir uns schon länger mit dem technischen Verfahren der thermischen Mikrotransformation beschäftigt und an einem Prototypen zum Einsatz im Industrieumfeld geforscht. Dabei haben wir festgestellt, dass unser Einsatzszenario mit den mobilen Ladekraftwerken eine noch größere Wirkung für alle Beteiligten hat.

Wollten Sie schon immer ein Start-up gründen?

Ich wollte nie ein Unternehmen gründen, nur damit ich ein Unternehmen gegründet habe. Ich wollte aber schon immer viel bewegen. Die Gründung eines Unternehmens war für mich einfach der nächste logische und notwendige Schritt.

Welche Eigenschaften braucht man, um diesen Schritt zu gehen?

Antrieb und Leidenschaft. Daneben muss ein Start-up-Gründer in der Lage sein, eine gute Idee zu identifizieren und sie in ein funktionierendes Business-Modell zu transferieren.

Ging Ihr Berufswunsch als Kind schon in die heutige Richtung?

Nein, ich wollte erst Astronaut werden – und neue Welten entdecken. Dann Raketenforscher – weil es mit den vorhandenen Antriebstechnologien nicht klappt neue Welten zu entdecken. Das mit dem Entdecken neuer Welten wird jetzt wohl nichts mehr. Das finde ich aber nicht so schlimm, da ich mit meinem Team jetzt dafür die Zukunft der Mobilität auf unserem Planeten mitgestalten kann. Weil unser Ansatz der Müllverwertung um so viel ökologischer ist, als alle jetzigen technischen Standards, heisst das aber tatsächlich auch noch, dass wir aktiv mithelfen unsere Welt ein Stückchen besser zu machen. Und solange es auf unserer Welt gut läuft, braucht man ja nicht unbedingt eine neue zu entdecken.

Welche Ausbildung bringen Sie mit, um die Welt ein bisschen besser zu machen?

Ich möchte der Frage nicht ausweichen, darum: Ich bin Ingenieur mit einer wirtschaftlichen Ausbildung. Aber welche Rolle spielt das? Eine Person allein kann eine Unternehmung wie WMOOVE nie zum Fliegen bekommen. Das ist eine Mannschaftssportart. Wobei weder ein Spieler, noch die Mannschaft, sondern einzig das Ziel der Star sein muss. Wichtig ist, dass man die notwendigen Skills und das notwendige Know-how dann zur Verfügung hat, wenn sie gebraucht werden. Ob im Team oder bei einem Partner.

Warum haben Sie sich mit WMOOVE bei E.ON :agile beworben?

Einer meiner Co-Founder ist Österreicher. Er kam eines Tages mit einem ehrlich gesagt nicht uninteressanten Kooperationsangebot eines österreichischen Energieversorgungsunternehmens (EVU) an. Da hat uns aber die internationale Perspektive gefehlt. Als dann auch ein holländisches EVU Interesse an einer Zusammenarbeit signalisiert hat, hat mich das darauf gebracht mich umzusehen, welche Kooperations-Chancen es im EVU-Umfeld in Deutschland geben könnte. So bin ich auf E.ON :agile gestoßen.

Wie wichtig ist die Unterstützung durch E.ON?

Als Start-up müssen wir zu 100% fokussiert und in der Lage sein schnell zu lernen und gegebenenfalls schnell zu korrigieren, wenn wir mal nicht gleich den richtigen Weg finden. In der Zusammenarbeit mit dem E.ON Accelerator :agile werden wir laufend kritisch hinterfragt. Dieses Feedback hilft uns sehr dabei, den richtigen Fokus zu halten.

Vielleicht entsteht aus der Zusammenarbeit mit :agile ja auch eine langfristige Zusammenarbeit mit E.ON. E.ON verfügt über die notwendigen Ressourcen, um die Zukunft der Mobilität mitgestalten zu können. Wir haben den Eindruck, dass bei E.ON der Wille und vor allem auch der notwendige Drive im Unternehmen gegeben ist, diese PS auch auf die Straße zu bringen. Mit den Ressourcen ist es bei einem Start-up wie uns natürlich immer so eine Sache. Aber den Drive, die Zukunft der Mobilität mitzugestalten, den haben wir zu 100%. Da passen wir schon mal ganz gut zusammen.

Wo lagen die größten Herausforderungen bei der Gründung?

Die technische Lösung für die Aufgabe, die wir uns gestellt haben, zu finden, war schon herausfordernd. Einer bahnbrechenden Technologie wohnt dann noch nicht zwangsläufig ein bahnbrechendes Geschäftsmodell inne. Das muss erst herausgearbeitet werden. Auch das war eine Herausforderung. Aktuell stehen wir vor der Herausforderung, die richtigen Partner zu finden, um uns möglichst schnell am Markt beweisen zu können und erfolgreich zu sein. Das Wichtigste dabei ist aber: Wir können den Herausforderungen, die wir überwunden haben und die sich uns noch stellen werden, die Chancen gegenüberstellen und sagen: Das war/ist es uns wert.

Wie wird WMOOVE in seiner Entwicklung besonders durch E.ON profitieren?

Wir hatten den technischen Proof schon, bevor unsere Zusammenarbeit mit E.ON gestartet hat. Könnte man das geballte E.ON-Know-how anzapfen, wäre das für weitere Entwicklungsschritte für uns sicher genauso unschätzbar wie der Schub, den uns die Marktstellung und Finanzkraft von E.ON geben könnte.

Gehört WMOOVE ganz oder teilweise zu E.ON?

Weder noch. WMOOVE ist momentan in einem „Accelerator-Programm“ bei E.ON. Das gibt uns die Chance, über mehrere Monate gemeinsam zu arbeiten und herauszufinden, wie gut wir zusammen passen.

Wo steht WMOOVE heute? Wie wird das Produkt am Markt angenommen?

Die Idee wird am Markt sensationell gut angenommen. Wir mussten unsere Vertriebsaktivitäten sehr stark zurückfahren, weil wir zunächst dafür sorgen müssen, dass wir auch lieferfähig sind. Dazu fehlen noch ein paar kleine, aber sehr wesentliche Schritte.

Und wie geht’s nun weiter?

Unsere Roadmap ist sehr klar. Wir bringen unser Produkt in „Serienreife“ und starten zunächst mit einer kleineren Roll-Out-Phase. Dies wird uns dabei helfen, noch offene Fragen zu beantworten und gibt uns wichtige Rückschlüsse für die Weiterentwicklung. Parallel haben wir noch alternative Einsatz-Szenarien unseres Verfahrens in der Betrachtung, wie zum Beispiel die Verarbeitung von Biomasse zu Bio-Karbon, das dann in der biologischen Landwirtschaft eingesetzt werden kann.

Denken Sie zwischendurch daran, ein neues Start-up zu gründen?

Nein, zum Glück plagen mich diese Gedanken im Moment nicht. Ich bin sehr froh, dass WMOOVE die beste Idee ist, die wir haben. Daher können wir uns mit voller Aufmerksamkeit darauf konzentrieren. Alles andere wäre eine unnötige Ablenkung und wäre wenig hilfreich.

Vielen Dank für das Interview, Herr Resch.

Für den dritten Teil unserer Serie über E.ON :agile haben wir die E.ON-Trainees Jens Weymann und Matthias Brückner interviewt. Beide sind im Rahmen des International E.ON Graduate Program bei einem der 24 Start-ups des E.ON :agile-Programms im Einsatz.

Become a careerloft member and apply for the online Scholarship Program

Benefit from attractive support services and make valuable contacts with top international employers! At careerloft you’ll be able to find the perfect job and employer for you.

Register for free Icon careerloft Icon arrows