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„Freundlicher Strom“ für Afrika

Christian Focken 06.03.2018
Weltweit leben 1,2 Mrd. Menschen ohne Strom. Für Daniel Becker kein akzeptabler Zustand. 2013 gründete er deshalb die E.ON-Tochter Rafiki Power, die seitdem mit Mini-Grids abgelegene Regionen im afrikanischen Tansania mit Strom versorgt. Im Interview spricht der Geschäftsführer über sein Projekt und die nächsten Ziele von Rafiki Power.
Foto zeigt zirka 20 Fuß großen Container mit Solarpanels auf dem Dach in Tansania. Ist eines von mehreren Mini-Grids von Rafiki Power.

Was ist Rafiki Power?

Rafiki Power ist einer der größten Mini-Grid-Betreiber in Afrika. Wir elektrifizieren seit 2014 ländliche Gebiete, die nicht an das nationale Stromnetz angeschlossen sind, mit Solarstrom. Acht Netzwerke sind schon installiert. Basis für alle Mini-Grids ist jeweils ein 20-Fuß großer Container, auf dessen Dach sich die Solarpanels befinden. Im Inneren ist das technische Equipment wie z.B. Batterien untergebracht und es gibt zusätzlich eine kleine Ladenfläche. Viele Dorfbewohner haben sich beworben, um hier eigene Geschäftsideen umzusetzen. In unseren acht Dörfern gibt es nun unter anderem einen Frisörsalon, einen Waschsalon und mehrere Kioske, die von Handys bis Kühlschränken eine Bandbreite von Produkten verkaufen.

Wie profitiert die Bevölkerung vor Ort davon?

In Tansania haben wir schon mehr als 950 Haushalte an unsere dezentralen Mini-Stromnetze angeschlossen. So erhalten auch Menschen in abgelegenen Gebieten sauberen und zuverlässigen Strom. Rafiki Power klärt zudem über den sicheren Umgang mit Strom auf und fördert durch Trainings den produktiven Gebrauch: Dazu bieten wir energieeffiziente Produkte wie Kühlschränke, Fernseher, Bohrer, Brutmaschinen für Eier oder Stichsägen an. Die Produkte verbessern einerseits den Lebensstandard unserer Kunden und kurbeln gleichzeitig die wirtschaftliche Entwicklung im Dorf an. Zusammen mit Partnerorganisationen (z.B. Energy4Impact, GIZ) fördern wir auch die Ausbildung von lokalen Unternehmern und die Entwicklung größerer Anlagen. In Chang‘ombe haben wir z.B. im September 2017 die erste Wasserpumpe in Betrieb genommen, die das Dorf mit sauberem Trinkwasser versorgt.

Wofür steht der Name Rafiki Power?

Rafiki ist Swahili und heißt „Freund“. Unser Name drückt unseren Geschäftsansatz aus, dessen Ziel es ist, eine Win-Win-Situation für unsere Kunden und uns zu kreieren und den Kunden als Partner zu behandeln.

Warum haben Sie Rafiki Power gegründet?

Frisörin wäscht Kundin in einem Frisörsalon die Haare, der sich in einem Mini-Grid von Rafiki Power in Tansania befindet.
Die Mini-Grids bieten Platz für kleine Unternehmungen wie etwa einen Frisörsalon.

Afrika hinkt bei der Elektrifizierung hinterher und weniger als 50% der 1 Mrd. Afrikaner haben Zugang zu Strom. Dies hindert die Entwicklung massiv. Auf dem Weg zur Elektrifizierung sollte Afrika nicht den Weg einschlagen, den man in Europa oder den USA gegangen ist, sondern sich die heute verfügbaren Technologien zunutze machen. Die Idee, auf der grünen Wiese mit moderner Telekommunikationstechnik, IT und dezentraler erneuerbaren Energie Alternativen zu schaffen, die günstiger und langfristiger angesetzt sind als einfach das nationale Stromnetz auszubauen, hat mich von Anfang an am meisten gereizt. Wir setzen hierbei auf digital gemanagte AC Mini-Grids, da sie sehr kosteneffizient sind: Bei der Installation spart man über die Hälfte der Kosten, die für den Ausbau des nationalen Stromnetzes anfallen würden. Hinzu kommt, dass Mini-Grids schnell betriebsbereit und über 20 Jahre lang einsetzbar sind. Mini-Grids entsprechen den internationalen Standards und können zu einem späteren Zeitpunkt ganz einfach ins Netz integriert werden. Gleichzeitig dienen sie von Tag 1 an als strategische Anlaufstelle in ländlichen Gebieten, um wirtschaftliche Aktivitäten durch Maschinen (z.B. Mühlen, Schweißgeräte) voranzutreiben.

Was unterscheidet die Arbeit bei Rafiki Power von der klassischen Konzern-Arbeit bei E.ON?

Da wir kleiner sind, können wir schnellere Entscheidungen treffen und diese zeitnah umsetzen. Dies ermöglicht uns viele Dinge schnell auszuprobieren und dann entweder einzustellen, oder wenn Sie erfolgreich sind, umzusetzen und live weiterzuentwickeln. Unsere Mitarbeiter arbeiten mit großen Freiheiten und hoher Verantwortung und können sich schnell weiterentwickeln. Das ist manchmal mit einem hohen Workload verbunden, erspart uns häufig aber auch zeitraubende PowerPoint Präsentationen und Analysearbeiten. Stattdessen gehen wir die Dinge sehr praktisch an, setzen Ideen schnell um und können so direkte Erfolge verbuchen oder auf entsprechendes Kundenfeedback reagieren.

Was ist noch Start-up-typisch bei Rafiki Power?

Wir sind agil und haben keine festgefahrenen Unternehmensprozesse. Wir wachsen sehr schnell und machen dabei auch Fehler, aus denen wir aber die richtigen Schlüsse ziehen, um es künftig besser zu machen. Die Arbeitsatmosphäre ist entspannt und Sitzsäcke und Kicker haben wir auch. Das „Wir-Gefühl“ ist zudem sehr ausgeprägt und jeder kann sich mit neuen Ideen einbringen, sie offen mit Kollegen diskutieren und dann einfach umsetzen.

Gibt es auch besondere Info-Formate?

Ja, die „Rafiki Talks“: Alle drei Monate stellen zwei unserer Kollegen in Kurzvorträgen von 10 bis 15 Minuten aktuelle Projekte aus dem Arbeitsalltag vor. Oder sie teilen ihr Wissen zu anderen unternehmensrelevanten Themen, das sie bei früheren Stationen oder Fortbildungen erworben haben. So weiß jeder Kollege, woran in anderen Abteilungen gearbeitet wird. Zudem kann man über den Tellerrand schauen und neue Perspektiven und Ideen sammeln.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem Job bei Rafiki Power?

Die Tatsache, dass ich aktiv mitgestalten kann wie sich ein neuer Bereich entwickelt und wie wir damit unseren Kunden neue und bessere Lebensverhältnisse ermöglichen. So können zum Beispiel viele kleine Betriebe nur durch unseren Strom arbeiten und wenn man nach einem Jahr in ein Dorf zurückkehrt, ist es faszinierend die Veränderungen zu sehen. Das macht uns stolz. Ich mag zudem die Arbeit in einem bunt gemischten Team (mit Leuten aus neun Nationen), in dem jeder durch seine individuellen Stärken (und Charaktereigenschaften) hervorsticht. Alle sind mit Herz und Leidenschaft dabei und überraschen immer wieder mit kreativen und innovativen Ideen, von denen die Kunden profitieren und alle Teammitglieder lernen können. Auch das gefällt mir sehr.

Inwieweit profitiert Rafiki Power von der Kooperation mit E.ON?

Rafiki Power ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der E.ON SE. Diese ist ein starker Rückhalt für uns, denn wir profitieren von ihrer jahrzehntelangen Erfahrung in den Themenfeldern Energie und Unternehmensführung.

Wie läuft das Geschäft und wie sehen die Pläne für die Zukunft von Rafiki Power aus?

Wir sind seit der ersten Installation im Dezember 2014 stetig gewachsen und planen, 2018 in Tansania zu skalieren und weitere Mini-Grids auch außerhalb von Tansania zu installieren. In Sierra Leone sollen bis 2020 39 Mini-Grids für über 10.000 neue Stromanschlüsse sorgen. Insgesamt wollen wir in den nächsten fünf Jahren über 100 weitere Dörfer elektrifizieren.

Was würden Sie heute bei der Gründung von Rafiki Powers anders machen?

Fast alles. Oder auch nicht. Ich habe viele Fehler gemacht und daraus extrem viel gelernt. Würde ich neu anfangen, würde ich versuchen, noch mehr Fehler noch schneller zu machen. Ich würde aber auch zusehen, diese Erfahrungen konzentrierter zu machen. Zum Beispiel würde ich bei der Projektiteration etwas langsamer vorgehen, da wir zu schnell zu viele Mini-Grids gebaut haben und dies unser kleines Team extrem ans Limit gebracht hat. Wären wir die Sache damals etwas langsamer angegangen und hätten uns mehr Iterationsschleifen erlaubt, hätten wir unser Grid-Management, auf das wir heute sehr stolz sind, wohl schon früher ausreifen können.

Vielen Dank für das Interview, Herr Becker.

Daniel Becker
 

Der E.ON-Experte für unabhängige Mini-Stromnetze blickt auf mehr als zehn Jahre Erfahrung in den Bereichen Finanzen und Investment, Medien und erneuerbare Energie zurück. Er studierte International Business, Finance and Investments sowie Renewable Energy Management. Im Juli 2013 gründete er im Rahmen des E.ON Start-Up Programms :agile accelerator die E.ON Off Grid Solutions GmbH. Seitdem ist das Unternehmen stetig gewachsen und zählt mittlerweile zu den größten Mini-Grid Betreibern in Afrika. An den beiden Unternehmenssitzen in Düsseldorf und Arusha (Tansania) arbeiten derzeit über 25 Mitarbeiter aus neun verschiedenen Nationen.

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