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MINT-Frauen voraus – mit einem dualen Studium bei der Telekom!

Studentin Francesca über Chancen und Herausforderungen für Frauen in MINT-Berufen

Sarah Grewing 09.12.2016
Francesca D’Auria studiert seit Oktober 2015 Wirtschaftsinformatik als duale Studentin der Telekom. Die 19-Jährige stieg direkt nach ihrem Abi bei dem Konzern ein, der duale Bachelor- und Masterstudiengänge in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Telekommunikation Leipzig (HfTL) anbietet. Wir sprachen mit Francesca über ihre ersten Monate als duale Studentin und die besonderen Herausforderungen, aber auch Chancen, die sie als Frau in einem vermeintlichen Männerberuf bisher erfahren hat.

Francesca, wieso hast du dich für ein duales Studium entschieden?

Ich bin jemand, der ständig unter Strom steht und immer etwas zu tun haben möchte. Ein ausschließlich theoretisches Studium zu absolvieren, konnte ich mir gar nicht vorstellen. Die Mischung aus Theorie und Praxis ist optimal für mich – wobei mir die Arbeit bei der Telekom noch etwas lieber ist als die Uni-Phasen. Dazu auch noch das erste Geld zu verdienen, ist natürlich ein weiteres Plus des dualen Studiums.

Wie läuft das duale Studium von Telekom und HfTL genau ab?

Das Studium läuft so ab, dass man drei komplette Wochen im Semester Uni hat, beispielsweise eine Woche im Oktober, eine im November und eine im Januar. Für diese Zeit fährt man nach Leipzig und kommt in einem Hotel unter. Dann gibt es noch die Wochen im Ausbildungszentrum, von denen man etwa eine pro Semester hat. Hier treffen sich die Lerngruppen einfach zum Lernen unter sich. In der übrigen Zeit arbeitet man in seinem Bereich und hat etwa ein bis fünf eLearnings in der Woche, das sind jeweils einstündige Online-Vorlesungen.

Meine erste Praxis-Station war das Controlling. Ein sehr zahlengetriebener Bereich – was mir leider nicht besonders liegt, aber eine Erfahrung wert war. Nach acht Monaten wechselte ich in meinen derzeitigen Bereich, das Social Media Business. Hier gefällt es mir richtig gut! Ich kann meine Ideen einbringen und selbstständig arbeiten. Das Team arbeitet großartig zusammen – es wird Wert auf die Meinung jedes Einzelnen gelegt!

Wie kommen Theorie und Praxis zusammen? Kannst du von einem konkreten Beispiel berichten?

Das ist je nach Einsatzbereich ganz unterschiedlich. Im Social Media Bereich kommt es zum Beispiel eher selten vor, dass mir auf der Arbeit etwas aus der Uni begegnet ist, denn ein Marketing-Modul werden wir erst im 5. Semester haben. Wenn man allerdings im Projektmanagement eingesetzt ist, kann man aus dem ersten Semester bereits ganz viel mitnehmen.

MINT-Frauen voraus – mit einem dualen Studium bei der Telekom!
Francesca D'Auria studiert seit Oktober 2015 dual bei der Telekom.

Was ist in deinem dualen Studium ganz anders, als du es dir vorgestellt hattest?

Das hohe Maß an Eigenverantwortung und die Bedeutung von Networking haben mich anfangs überrascht. Ich hätte beispielsweise nicht gedacht, dass ein gutes Netzwerk mindestens genauso wichtig ist wie gute Noten, um weiterzukommen. Ich hätte aber auch nicht gedacht, dass ich bei der Telekom so frei und kreativ und eigenverantwortlich arbeiten könnte. Den dualen Studenten wird hier viel anvertraut, das finde ich super.

Was hat es mit dem Netzwerk Young IT Talents auf sich?

Das ist ein Programm für dual Studierende und Auszubildende, die sehr IT-affin sind und sich über den normalen Umfang hinaus noch engagieren wollen oder mit ihrer Arbeit und ihrem Studium einfach noch nicht so eingespannt sind. Nach mehreren Auswahlhürden (inklusive Empfehlung des Vorgesetzten) wird man bis zum Ende seiner Ausbildung in die Community aufgenommen und kann dort an Projekten arbeiten, auf die man Lust hat. Das Programm genießt großes Ansehen im Konzern und die Teilnahme ist freiwillig.

Wie stehst du in der (noch) Männerdomäne Wirtschaftsinformatik deine Frau? Welche Erfahrungen hast du in dieser Hinsicht gemacht?

Nun ja, ich muss schon sagen, dass ich Sexismus öfter erlebt habe, aber eher bei den Kommilitonen als bei meinen Kollegen. Es ist leider immer noch so, dass Männer eher in Führungspositionen gesetzt werden. Aber ich glaube auch, dass die Frauen, die es zum Beispiel in den Vorstand geschafft haben, auch dementsprechend Respekt und Anerkennung bekommen.

Warum ist die Wirtschaftsinformatik gerade für Frauen ein spannendes Feld?

Ich denke nicht, dass die Wirtschaftsinformatik mehr oder weniger spannend für Frauen ist als etwa BWL oder Kunst oder jedes andere Fach. Klar, in meiner Studiengruppe von 20 Leuten sind wir nur drei Frauen, aber im darauffolgenden Jahrgang sind es schon sieben. Es geht nicht darum, Frauen in die Wirtschaftsinformatik zu bekommen, sondern ihnen zu verdeutlichen, dass sie wählen können, was immer sie möchten. Die Wirtschaftsinformatik ist spannend. Aber für jeden!

Welche Karriereperspektiven siehst du für Frauen in MINT-Berufen?

Sehr gute! Frauen in MINT-Berufen werden gut gefördert. Seit dem Beginn meines Studiums habe ich schon öfter gehört, dass ich bessere Chancen habe, in ein Programm oder Ähnliches zu kommen, weil ich weiblich bin.

Wie schon gesagt, ist der Männeranteil in diesem Bereich noch deutlich größer. Deshalb wollen Firmen sich vielleicht damit „schmücken“, dass sie Frauen besonders fördern. Doch zu wirklicher Gleichberechtigung ist es noch ein weiter Weg! Ich denke, junge Frauen werden im Moment sehr gepusht, wenn sie in MINT-Berufen sind. Was ich auch gut finde, aber Frauen sollten sich nicht darauf verlassen, sondern ihre Karriere selbst in die Hand nehmen.

Was ist deiner Meinung nach die größte Herausforderung beim dualen Studium?

Das Studium! Die Arbeit im Büro ist abwechslungsreich und vergleichbar einfach – da fällt es mir schon mal schwer, mich wieder voll und ganz aufs Studium zu konzentrieren. Man muss guten Kontakt zu seiner Lerngruppe halten und dran bleiben. Insgesamt hat sich ein gutes Zeitmanagement für mich bewährt, um genügend Zeit für andere Aktivitäten zu haben. In meiner Freizeit gebe ich zum Beispiel Fitnesskurse, tanze oder schaue Filme und Serien. Diesen Ausgleich zu haben, ist mir sehr wichtig.

Wie sehen deine kurzfristigen und langfristigen Pläne aus?

Kurzfristig liegt mein Fokus auf den Auszubildenenvertretungs-Wahlen im Dezember und den Prüfungen im Januar. Dann habe ich schon die Hälfte meines Studiums hinter mir und kann mich im nächsten Jahr schon auf Stellen der Telekom bewerben. Wenn ich in meinem jetzigen Bereich bleiben könnte, wäre das toll! Aber falls es keine Stelle gibt, die mir zusagt, kann ich mir auch vorstellen, mich außerhalb der Telekom umzuschauen. Ich glaube daran, dass sich schon etwas findet.

Welchen Rat möchtest du den weiblichen careerloft-Mitgliedern in Sachen MINT-Karriere geben?

Wenn ihr etwas gefunden habt, das euch Spaß macht und ihr bereit seid, etwas dafür zu tun, stehen euch alle Türen offen. Und falls doch mal eine verschlossen ist, findet denjenigen, der den Schlüssel hat – oder knackt das Schloss. ;) Ihr könnt machen, was ihr wollt, nur macht etwas! 

Vielen Dank für das Interview, Francesca!

Übrigens: Die Telekom sucht für März 2017 neue Masterstudenten für den dualen Studiengang Wirtschaftsinformatik. Bewirb dich noch bis zum 13. Januar 2017 und starte beim renommierten Telekommunikationsunternehmen durch!