DE EN

„Gilt mein Kopf als Arbeitsutensil?“

Covestro Chemiker André Rittermeier im Interview

Sarah Grewing 24.03.2016

André, bitte stell dich kurz vor.

Mein Name ist André Rittermeier, ich bin 34 Jahre alt und wurde in Bochum geboren. Nach der Schule habe ich Chemie an der Ruhr-Universität Bochum studiert und dort am Lehrstuhl für Technische Chemie – Schwerpunkt Heterogene Katalyse – auch promoviert.

Meinen beruflichen Einstieg hatte ich 2010 bei Bayer Technologie Services im Bereich „Reaction Engineering und Catalysis. Im Jahr 2013 bin ich zu Bayer MaterialScience gewechselt und arbeite nun als Laborleiter und Prozessexperte für den Deacon-Prozess (heterogene Gasphasenoxidation von HCl zu Cl2) bei Covestro.

André Rittermeier, Covestro
André Rittermeier, Laborleiter und Prozessexperte für den Deacon-Prozess

Meine Freizeit verbringe ich am liebsten mit meiner Familie. Ich habe eine sechsjährige Tochter und einen vierjährigen Sohn. Ansonsten spiele ich gerne Fußball mit meinen Arbeitskollegen. Etwa alle drei Jahre besuchen wir die Schwester meiner Frau in Kanada. Für die Zukunft steht immer noch Kolumbien, die Heimat meiner Frau, auf dem Reiseplan.

Was wolltest du werden, als du ein Kind warst?

Gute Frage. Meine Mutter sagte mir, dass ich Lokführer werden wollte. Seit der Mittelstufe stand für mich jedoch ein naturwissenschaftlicher Beruf fest, der mit dem Leistungskurs Chemie endgültig festgelegt wurde.

Curious, courageous oder colorful – welche der Covestro-Eigenschaften ist bei dir am stärksten ausgeprägt?

Eindeutig „curious“. Neugier ist eine intrinsische Eigenschaft eines Forschers und Entwicklers. Jedoch bin ich nicht nur neugierig, neue Verfahren und Prozesse zu entdecken, sondern auch neue Menschen kennenzulernen und ihre Geschichten zu erfahren.

Was macht Covestro zu einem tollen Arbeitgeber für Chemiker?

Covestro ist ein weltweit agierendes Chemieunternehmen und das drittgrößte Chemieunternehmen Deutschlands. Somit hat man als Chemiker sowohl fachlich alle Möglichkeiten, sich zu entfalten, als auch die Chance, in multikulturellen Teams zu arbeiten, die auf der ganzen Welt verteilt sind.

Neben der Tätigkeit im Chemiebereich – zum Beispiel als Laborleiter – können Chemiker sich bei Covestro auch in andere Bereiche hineinentwickeln, wie Marketing, Produktion, Controlling oder Accounting.

Aber das Wichtigste ist, dass das Arbeitsklima und die Kultur in der Firma stimmen. Bei Covestro stimmt halt die „Chemie“.

Wie sieht dein Arbeitstag aus?

Sehr vielfältig. Neben der Führung meines Labors und der Planung von Labor- und Technikumsversuchen beschäftige ich mich mit Projektleitung, IP-Management, Sicherheit- und Qualitätsmanagement (HSEQ), repräsentativen Aufgaben und dem Lösen von wissenschaftlichen und technischen Problemen in meinem Fachgebiet.

Zurzeit ist ein Riesenthema bei mir die Optimierung des Deacon-Prozesses. Dabei geht es sowohl um kleine Optimierungen der World Scale Anlage als auch um komplett neue Prozessentwicklungen.

Auf welches Arbeitsutensil kannst du keinesfalls verzichten?

Gilt mein Kopf als Arbeitsutensil? Da die Chemie eine abstrakte Wissenschaft ist, stehen am Anfang jeder Arbeit immer das Generieren von Ideen, das Strukturieren von Aufgaben und das Planen der Umsetzung.

Ansonsten ist es der PC. Diesen benötige ich, um Ideen niederzuschreiben, Versuche auszuwerten, Informationen zu sammeln und mit Kollegen auf der ganzen Welt zu kommunizieren.

Arbeitest du in einem Team? Wenn ja, wie ist dieses aufgestellt?

Ich arbeite in vielen Teams. Da ist zunächst mein Labor, welches aus zwei technischen Mitarbeitern und mir besteht. Dann wären da noch die verschiedenen Projektteams, die aus technischen Mitarbeitern, Wissenschaftlern, Ingenieuren, Prozessleittechnikern, Betriebsleitern, Prozessexperten, Juristen und vielen anderen bestehen können. Zuletzt gibt es noch meine Gruppe, beziehungsweise meine Abteilung. Wir arbeiten nicht immer in gemeinsamen Projekten, jedoch an verwandten Themen, zu denen wir uns regelmäßig austauschen.

Wie würdest du deinen Job deiner sechsjährigen Tochter erklären?

Ich würde ihr sagen, dass sie sich einmal mit offenen Augen im Kreis drehen soll und alles, was sie dabei gesehen hat, aus mindestens einem Stoff besteht, der von einem Chemiker hergestellt wurde – und in vielen Fällen sogar von Covestro. Sei es ein Schrank, ein Tisch, ein Auto, ein Smartphone, ein Fernseher, ein Sportschuh oder auch ein ganzes Haus.

Du bist als Altstipendiat in der Hans-Böckler-Stiftung aktiv. Was genau sind dort deine Aufgaben und warum ist dir dieses Engagement wichtig?

Ich bin einer der beiden Altstipendiatensprecher für das Netzwerk Natur und Technik. Somit bin ich das Bindeglied zwischen den Altstipendiaten der Naturwissenschaften, Ingenieurswissenschaften, Raum- und Forstwissenschaften und der Hans-Böckler-Stiftung. Ich bin sowohl Ansprechpartner für alle Altstipendiaten aus diesen Studienrichtungen als auch Organisator des alljährlichen Altstipendiatentreffens.

Zum einen ist mir diese Aufgabe wichtig, da ich durch sie den Kontakt zu den Kollegen halte, die ich während meines Studiums kennen und schätzen gelernt habe. Zum anderen setzen wir uns immer wieder mit neuen technischen Entwicklungen auseinander (wie zum Beispiel Robotik und Schwarmintelligenz) und betrachten und diskutieren auch deren gesellschaftspolitische Relevanz.

Welche Projekte stehen demnächst bei Covestro für dich an?

Hier kann ich leider nicht aus dem Nähkästchen plaudern. Neuigkeiten zu Covestro findet man jedoch auf http://www.covestro.com

Vielen Dank für das Interview!