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Sabbatical - ich bin dann mal weg! Teil 2

Bastian Steubing von der Commerzbank gibt Einblicke!

Melanie Pölking 06.02.2014
Laut einer Forsa-Umfrage wünschen sich 38 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland ein Sabbatical. Unter den Führungskräften sind es sogar 70 Prozent. Tatsächlich setzen gerade mal drei Prozent ihr Vorhaben in die Tat um.
Sonnenuntergang hinter Palmen
38 Prozent aller Arbeitnehmer wünschen sich ein Sabbatical.

Auszeit = Karrierekiller?

Zum einen, weil sie es nicht können: Manche Unternehmen bieten keine Sabbaticals an. Zum anderen wird der Austritt auf Zeit oft kritisch gesehen. Zu groß ist die Furcht vor beruflichen Nachteilen, zum Beispiel bei der nächsten Beförderung nicht berücksichtigt oder als Faulpelz abgestempelt zu werden. Bastian Steubing ist dennoch überzeugt vom Auszeit-Konzept. Der Senior Projektmanager bei der Commerzbank hat mittlerweile vier Sabbaticals à drei bis vier Monate gemacht. 

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet er bei der Bank. 2007 wurde für ihn zum Jahr der Wende: „Ich kam an einen Punkt, an dem ich mit meinem Leben in der bestehenden Form schlicht unzufrieden war. Und das, obwohl ich alles hatte, was ich wollte. Einen guten Job, Freunde, genug Geld, Freizeit. Das kam mir selbst etwas komisch vor und so kam die Idee, eine Auszeit zu nehmen. Auf diese Weise konnte ich die Richtung, in der ich bislang unterwegs war, überprüfen.“ Eineinhalb Jahre arbeitete er vor, dann nahm er drei Monate frei. Kollegen und der Vorgesetzte übernahmen seine Aufgaben. Themen wurden priorisiert und umverteilt. Ein bisschen sei es wie „aus dem Unternehmen ausscheiden“ gewesen, erinnert sich der 38-Jährige.

Nicht ohne Skepsis betrachteten die Kollegen das Vorhaben. Eine Führungskraft, einfach weg? Geht das? Manche fanden es klasse. Andere hatten Zweifel, dass das „oben“ wirklich gern gesehen wird. Bastian Steubing ist sich sicher: „Es kommt auf die Arbeitsverteilung an. Und auf die Absprache mit dem Vorgesetzten.“ Dann könne eine berufliche Pause nicht zum Karrierekiller werden. Er behielt seine Gruppenleiterposition. In den darauffolgenden Jahren war ihm und seinem Vorgesetzten klar: Das geht! Trotz Führungsposition.

Klarheit in Indien

Alle vier Sabbaticals verbrachte der Bankangestellte in Indien, genauer gesagt in Goa. Dort nutzte er diverse Trainingsangebote, um „zur Ruhe zu kommen“. „Ich habe mich in dieser Zeit besser kennengelernt und mal wieder von einer anderen Seite erlebt, komplett frei von äußerlichen Zwängen. Da zeigt sich schnell, was interessant ist und Spaß macht – und was nicht. So habe ich viel in meinem Leben neu sortiert und Klarheit bekommen darüber, was passt und was nicht.“ 

Als er zurückkam, erlebten die Kollegen eine Überraschung. Bastian Steubing erinnert sich: „Alle freuten sich, waren aber zugleich verwundert darüber, dass irgendwie ein Anderer zurückgekommen war. Da galt es, wieder neu zueinander zu finden. Ich habe mein Verhalten in vielerlei Hinsicht geändert und bin heute sehr viel konsequenter als vorher.“

Du bist am Thema Sabbatical interessiert? Lies hier unseren ersten Teil der "Ich bin dann mal weg"-Reihe von Oliver Mross von Linklaters.