DE EN

Mut, Flexibilität, Humor – das Abenteuer „Familie UND Karriere“

Donata Gräfin von Plettenberg, Commerzbank, im Interview

Melanie Pölking 24.07.2015
Stets top gestylt und mit einem Lächeln bringt die moderne Frau Familie, Karriere, Haushalt und Freizeit ohne Weiteres unter einen Hut – so das Klischee. Tatsächlich stecken hinter der Organisation von Job und Familie viel Arbeit, Disziplin, Flexibilität und vor allem ein unterstützender Arbeitgeber.

Donata Gräfin von Plettenberg, Corporates & Markets, Commerzbank, erzählte uns von ihrem Leben als berufstätige Mutter von drei Söhnen und zwei Töchtern.

Gräfin Plettenberg, wie alt sind Ihre Kinder?

Unsere Söhne sind 19, 17 und 14 Jahre alt, die Töchter 12 und 9.

Was ist Ihnen wichtiger: Kinder oder Karriere?
Ich werde immer in erster Linie Mutter bleiben. Sicher nimmt das Berufsleben mehr Raum ein, je selbstständiger die Kinder werden. Aber bei allen Entwicklungsmöglichkeiten, die sich mir bei der Commerzbank bieten, steht die Frage im Vordergrund, was das für die Familie bedeutet. Das heißt nicht, dass ich Chancen nicht nutze. Es heißt auch nicht, dass ich nie eine berufliche Entscheidung treffen würde, die für die Kinder schwierig oder für ihr Empfinden nachteilig ist. Aber ich hinterfrage sehr kritisch und entscheide im Wissen um eventuelle Konsequenzen.

Donata Gräfin von Plettenberg
Donata Gräfin von Plettenberg, Commerzbank

Welche Möglichkeiten bietet die Commerzbank, um Beruf und Familie zu vereinbaren?

Ich habe das Glück gehabt, nach meiner Rückkehr aus der Elternzeit auf Vorgesetzte zu treffen, die das organisierte Führen eines Haushalts mit vielen Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen als „Mehrwert“ sehen konnten. Von Anfang an habe ich akribisch darauf geachtet, pünktlich und zuverlässig zu sein und Zusagen einzuhalten. Die ersten Monate waren extrem anstrengend: Ich wollte unbedingt den Eindruck vermeiden, ich sei weniger oder anders belastbar als andere. Heute genieße ich sehr viel Freiraum. Ich plane meine Anwesenheit im Büro selbständig und kann sie so an die Bedürfnisse hier und zu Hause anpassen. Zusätzlich habe ich ein recht großzügiges Kontingent an Home Office Stunden, dass ich ebenfalls nach Bedarf verplane. Dieses Vertrauen habe ich mir über die Jahre erarbeitet. Heute sind die Möglichkeiten, die sich jungen Eltern bieten, sehr vielseitig. Kinderbetreuung im Betrieb, Teilzeitmodelle mit geringer Präsenz im ersten Jahr etc. Am Ende des Tages sollte eine Win-win-Situation für beide Seiten stehen.

Welche Art der Unterstützung ist darüber hinaus nötig, um einen reibungslosen Familienalltag zu ermöglichen?

Grundvoraussetzung für ein funktionierendes Miteinander sind klare Regeln und Strukturen. Geld für Kinderbetreuung oder Hilfe im Haushalt ist in der Regel gut angelegt, da es regelmäßige Entlastung schafft. Auch Absprachen mit anderen Eltern (zum Beispiel bei Fahrdiensten) können sinnvoll sein. Generell muss bei Unterstützung darauf geachtet werden, dass sie zuverlässig ist. Nur dann habe ich den Kopf frei und kann im Beruf ebenso zuverlässig meine Leistung erbringen.

Haben Sie zwischendurch pausiert oder waren Sie immer berufstätig?

Nach der Geburt unseres ältesten Sohnes habe ich meine Berufstätigkeit erst einmal aufgegeben. Einen Rechtsanspruch auf Teilzeittätigkeit gab es Mitte der 90er Jahre nicht und die Wahrnehmung verantwortungsvoller Tätigkeiten am Kunden auf Teilzeitbasis war im Investment Banking seinerzeit undenkbar. In den Jahren danach hat sich mit der stetig steigenden Kinderzahl mein Kontakt zur Bank auf den Kontoauszugsdrucker und den Geldautomaten reduziert. Insgesamt habe ich mich zwölf Jahre ausschließlich unserer wachsenden Familie und ihren Bedürfnissen gewidmet. Erst mit Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank – die zeitlich genau auf das Ende meiner letzten Elternzeit fiel – habe ich mich noch einmal mit dem Gedanken an eine erneute Berufstätigkeit auseinandersetzen müssen.

Hat es Phasen gegeben, in denen Ihre Kinder Sie gerne mehr daheim gehabt hätten?

Die gab und gibt es immer noch. Wir wechseln uns ab zwischen „Musst du morgen arbeiten gehen?“ und „Wieso bist duheute zu Hause?“ Mein Mann und ich achten darauf, dass wir unseren Kindern eine Infrastruktur „mit Eltern“ bieten – wenn’s wichtig ist, ist einer von uns da. An Tagen, an denen ich arbeite, frühstückt mein Mann vor der Schule mit den Kindern und kommt auch zum Mittagessen nach Hause. Dafür lege ich mir meine Bürotage so, dass ich Wandertage, Krankheit oder Teile der Schulferien zu Hause abdecken kann. Manchmal sind die Kinder aber auch ganz froh, wenn niemand da ist und sie in Ruhe einen Ferientag vergammeln können …

Was würden Sie jungen Studierenden raten, die gerne eine Familie gründen möchten und Karriere machen wollen?

Familie ist ein Abenteuer. Es erfordert Mut, Flexibilität, Humor, Durchsetzungskraft und Beständigkeit. Man wächst täglich daran. Mein Rat an junge potenzielle Eltern ist, mit weniger Planung und mehr Selbstvertrauen in dieses Abenteuer zu gehen. Der beste Karriereweg ist nicht immer der gerade, steile. Auch die kurvigen führen zum Ziel. Manchmal muss man innehalten und sich neu orientieren. Nehmen Sie sich Zeit für eine Bestandsaufnahme. Was kann ich realistisch darstellen, was ist mir wichtig? Kinder müssen kein Karriereknick sein, höchstens ein Umweg. Ich habe nach der Familienphase ganz bewusst nicht mehr den Weg ins operative Geschäft gesucht, sondern völlig neu angefangen. Heute bin ich wahrscheinlich glücklicher im Berufsleben als je zuvor – weil’s passt und weil’s funktioniert.

Nennen Sie bitte drei Eigenschaften, die man Ihrer Meinung nach braucht, um Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen!

  • Zuverlässigkeit: Nur Zusagen machen, die auch eingehalten werden können. Stellen Sie die Ansprüche an sich selbst nicht zu hoch. Scheitern erzeugt nur Frustration.

  • Flexibilität und Großzügigkeit: Kein Tag ist wie der andere und die meisten entwickeln sich nicht so, wie sie geplant waren. Großzügigkeit in kleinen Dingen ist angebrachter als Perfektionismus.

  • Belastbarkeit: Wenn ich „beides“ will, muss ich einen höheren Aufwand betreiben, als wenn ich mich für „entweder oder“ entscheide. Das wird sich bei bester Organisation nicht vermeiden lassen.

Vielen Dank für das Interview!