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main incubator: Digitalisierung in der Bankenwelt

Interview mit Christian Hoppe und Matthias Lais über die Nr. 1 für Visionäre im Banking

Sarah Grewing 22.03.2017
Trends erkennen, an Trends partizipieren und Trends gestalten – main incubator, eine Tochtergesellschaft der Commerzbank, möchte den Finanzdienstleistungsbereich fit machen für die Zukunft. Wir sprachen mit Christian Hoppe und Matthias Lais, Gründer und Geschäftsführer des main incubators, über Ziele und Herausforderungen der Digitalisierung von Banken und Banking.
#JobEinstiegIT Digitalisierung von Banken und Banking
#JobEinstiegIT: Christian Hoppe und Matthias Lais vom main incubator im Interview

Auf den Punkt gebracht: Was genau macht der main incubator eigentlich und in welcher Verbindung steht er zur Commerzbank?

FinTech als Abkürzung für Finanztechnologie ist ein Sammelbegriff für moderne Technologien im Bereich der Finanzdienstleistungen.

Christian: Der main incubator steht für Innovationen im Finanzdienstleistungsbereich, er ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Commerzbank. Im März 2014 hat er sein operatives Geschäft aufgenommen und war damals der erste Inkubator für FinTechs (Finanztechnologien) einer Großbank in Kontinentaleuropa. Als Think and Do Tank ist er Analyst, Ideengeber und Gestalter im Finanzdienstleistungsbereich.

Der main incubator verfolgt drei Ziele im Banking: Trends erkennen, an Trends partizipieren und Trends gestalten. Dafür investieren wir in FinTechs, setzen eigene Company Building-Projekte um und fördern eine innovationsfreudigere Unternehmenskultur. Gemeinsam mit der Commerzbank und starken Partnern gestalten wir so das Banking der Zukunft.

Digitalisierung ist das Buzzword in der gesamten Bankenbranche. Was kann man sich als Laie darunter vorstellen? Inwiefern wird die Digitalisierung die Branche tatsächlich verändern?

Matthias: Die Digitalisierung verändert die Banken und das Banking grundlegend: Es führt zu Veränderungen in der Wertschöpfungskette, in der Verarbeitung von Daten und in der Interaktion mit dem Kunden – sowohl was die genutzten Technologien angeht als auch die Angebotstiefe. Hier muss jede Bank eine Antwort für sich finden, wie sie mit dem technologischen Umbruch und den daraus resultierenden neuen Playern am Markt – den FinTechs, Google & Co – umgeht.

Die Commerzbank als Konzern hat sehr früh erkannt, dass hier eine systematische Aufstellung relevant ist und hat deshalb, als einzige deutsche Bank bisher, einen gesamten Prozess der Zusammenarbeit mit FinTechs und für das Company Building aufgebaut:

Prozess der Zusammenarbeit mit FinTechs und für das Company Building
Christian Hoppe, main incubator
Christian Hoppe

Christian: Die acht FinTechs, in die wir investiert haben, sind tolle Beispiele dafür, wie das Banking der Zukunft aussehen kann. Auf unserer Website findet man alle mit ihren spannenden Finanzlösungen im Überblick. Und wir haben den digitalen Kreditmarkt „Main Funders“ entwickelt, die erste Peer-to-Peer-Lending Plattform einer Großbank, durch die Kredite direkt von Privatpersonen an Privatpersonen vergeben werden können.

Ihr investiert in und arbeitet eng mit Start-ups zusammen, die innovative Lösungen für das Banking und die Kunden entwickeln. Inwiefern holt man sich nicht damit den Feind ins eigene Haus? Immerhin gibt es erste FinTechs mit Bankenlizenz.

Matthias: Es gibt drei Wege, die man in Zeiten des Umbruchs gehen kann: das Neue ausblenden, auf Konfrontation mit den neuen Playern gehen oder kooperieren. Dass die Digitalisierung den Banken wehtun wird, ist klar. Daher lieber jetzt vorbereitet sein und den Markt mitgestalten. Also haben wir uns für Letzteres entschieden, weil das für beide Seiten – FinTechs und Banken – den meisten Mehrwert bietet.

Was diese jungen Player oft brauchen, ist eine Banklizenz, Banking-Know-how und Kundenzugang, vor allem im B2B-Bereich. Das können Banken liefern. Im Gegenzug erhalten Banken neue Produkte, Services oder Prozesse, die einen Mehrwert für ihre Kunden bieten oder interne Abläufe effizienter gestalten. Es profitieren also beide Seiten.

Matthias Lais, main incubator
Matthias Lais

Frankfurt am Main ist ja nun nicht gerade als Start-up Hub bekannt. Der main incubator zielt aber unter anderem darauf ab, das FinTech-Ökosystem zu stärken. Was versteht ihr darunter und wie genau geht ihr dabei vor? Macht ihr Frankfurt zum neuen Berlin?

Christian: Als wir den Inkubator im Herbst 2013 gegründet haben, standen wir vor der Entscheidung, uns in Berlin oder Frankfurt niederzulassen. Schaut man sich das Wort FinTech an, so ist Tech in Berlin, aber Fin definitiv in Frankfurt. Hier gibt es geballtes Banking-Know-how wie sonst nirgends in Kontinentaleuropa. Also war die Entscheidung einfach. Was Frankfurt damals fehlte, war ein aktives FinTech-Ökosystem, das sich über einen steten Austausch aller relevanten Player, also Start-ups, ITler, Banker, Investoren, Wissenschaftler, Berater, Politiker sowie Medien, weiter befruchtet, neue Ideen entwickelt, diese vorantreibt und finanziert.

Dafür haben wir bereits im Herbst 2014 die monatliche Eventreihe „Between the Towers. FinTechCity_Frankfurt“ gestartet, die sich in der Zwischenzeit zu einer der größten monatlichen FinTech-Eventreihen Kontinentaleuropas entwickelt hat. Seit dem Start ist viel passiert: Es gibt FinTech Meet-ups, FinTech Breakfasts, das FinTech Hub der Deutschen Börse, die Digitalfabrik der Deutschen Bank, einen FinTech Accelerator und seit kurzem auch das Tech Quartier, das FinTech Hub des Landes Hessen und der Stadt Frankfurt. Nun kann man sich fast täglich in Frankfurt mit Gleichgesinnten auf verschiedenen Events treffen und austauschen. Frankfurt ist damit innerhalb von 2 Jahren zum echten FinTech Hub geworden – das ist enorm.

Matthias: Und über „Between the Towers“ können wir ganz nah an den Entwicklungen am Markt sein und damit Trends und neue Player früh erkennen. Die FinTechs haben hier die Möglichkeit - zum Beispiel über Pitches - Kooperationspartner oder Investoren zu finden und unmittelbares Feedback auf Problemstellungen zu bekommen. Wir machen damit Frankfurt nicht zum neuen Berlin – das wollen wir nicht und es wäre auch nicht sinnvoll – sondern wir stärken Frankfurt in seiner DNA, dem Banking.

Euer Tipp für Absolventinnen und Absolventen: Finger weg von Jobs in der Bankenbranche oder Ärmel hochkrempeln und als Banker mitmischen?

Christian: Was es jetzt braucht sind fitte Leute, die Banking und Technologie verstehen, die kreativ sind, agil arbeiten können und Spaß an der Mitgestaltung haben. Den Umbruch im Banking können wir nur im Team schaffen, mit Querdenkern, auch Fachfremden, die eingefahrene Denkprozesse auflösen und über Transferleistungen aus anderen Branchen zukunftsfähige Lösungen für das Banking der Zukunft entwickeln. Von daher: Ran!

Zum Schluss nochmal ganz persönlich: Ihr investiert viel Zeit für den main incubator und treibt so das Banking der Zukunft voran. Welchen Tipp würdet ihr Berufsanfängern geben, die voller Ideen und Tatendrang in den Job starten? 

Matthias: An der Idee festhalten, sich die richtigen Gesprächspartner suchen, eventuell über ein Rotationsprinzip verschiedene Abteilungen und damit Sichtweisen auf die Prozesse und Produkte kennenlernen und einen Mentoren suchen. Es gibt viel zu tun. Dafür braucht es wache Köpfe. Die Digitalisierung verändert gerade alle Branchen, daher auch über eine Netzwerkbildung in andere Branchen nachdenken, um die eigene Branche voranzubringen.

Du willst gern mal einen Abend dabei sein, wenn sich Start-ups, Wirtschaft, Wissenschaft und Start-up-Financiers vernetzen? Dann schau rein: www.between-the-towers.com

Ein Abend ist dir zu wenig? Dann bleib doch länger – zu einem Praktikum bei der Nr.1 für Visionäre im Banking. Starte durch bei uns auf www.main-incubator.com