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Das Bildungspaten-Programm der Commerzbank

Birgit Neff, Spezialistin für Corporate Responsibility, im Interview

Sarah Grewing 03.11.2015
Viele Menschen wünschen sich, ehrenamtlich tätig zu sein und einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Doch oft bleibt dazu zwischen Privatleben und Beruf keine Zeit. Umso besser, wenn der Arbeitgeber selbst soziale Projekte initiiert:

​Beim Commerzbank-Bildungspaten-Programm unterstützen Mitarbeiter der Commerzbank ehrenamtlich Jugendliche, die Schwierigkeiten in Schule oder Berufsausbildung haben. Birgit Neff ist seit 2012 Spezialistin im Bereich Corporate Responsibility der Commerzbank und verantwortet die Corporate Citizenship-Aktivitäten der Bank sowie Projekte der Bereiche Bildung und Corporate Volunteering – darunter auch das besagte Bildungspaten-Programm. Wir sprachen mit ihr über die Bedeutung, Erfolge und Schwierigkeiten des Programms.

Frau Neff, warum engagiert sich die Commerzbank für die Bildung von Jugendlichen?

Birgit Neff
Birgit Neff ist Spezialistin für Corporate Responsibility bei der Commerzbank.

Unser Anspruch ist es, mit dem Bildungspaten-Programm einen Beitrag zur Förderung der Bildungsgerechtigkeit in Deutschland zu leisten. Wir wollen Benachteiligungen abbauen, die einen sozialen und ökonomischen Hintergrund haben. In vielen Jugendlichen steckt oft mehr Potenzial als man denkt. Es fehlt ihnen lediglich an Orientierung, Motivation oder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Zudem wollen wir unseren Mitarbeitern die Möglichkeit geben, sich durch freiwilliges, ehrenamtliches Engagement für die Gesellschaft einzubringen und dabei neue Kompetenzen zu erwerben.

Welche Aufgaben hat ein Bildungspate?

Der Bildungspate begleitet seinen Schützling ein Jahr lang als Mentor auf dem Weg zum Schulabschluss oder ins Berufsleben. Er hilft ihm dabei, sich seiner Stärken bewusst zu werden, motiviert ihn, erarbeitet gemeinsam mit dem Jugendlichen Ziele und hilft ihm bei der Berufsorientierung. Der Bildungspate unterstützt mit seiner Tätigkeit immer die Aktivitäten einer Initiative auf lokaler Ebene, durch die der Jugendliche bereits betreut wird. Die Intensität der Begleitung hängt dabei von der individuellen Situation der Jugendlichen ab und kann in dem Jahr der Patenschaft auch durchaus variieren.

Wie werden die Paten auf ihre Aufgabe vorbereitet?

Die Paten werden in Trainings mit externen Fachleuten auf ihre Aufgabe vorbereitet. Sie werden auf die Lebenswelt der Jugendlichen eingestimmt und erhalten Tipps, wie sie die Jugendlichen erreichen und deren Eigenmotivation fördern können. Die Commerzbank stellt die Mitarbeiter für die Qualifizierung frei. Während der aktiven Phase stehen den Bildungspaten zudem kontinuierlich Unterstützungsangebote – zum Beispiel in Form von kollegialer Beratung, moderiertem Erfahrungsaustausch oder Arbeitsmaterialien − zur Verfügung.

Wie werden Pate und Mentee zusammengebracht?

Zunächst können sich interessierte Kollegen bei uns für das „Amt“ des Bildungspaten bewerben. Wir reichen die Bewerberprofile dann an die lokalen Initiativen weiter und dort wird geprüft, welcher Bewerber zu welchem Jugendlichen passen könnte, zum Beispiel aufgrund ähnlicher Interessen. Schlussendlich entscheiden Pate und Mentee nach dem ersten Treffen, ob die Chemie stimmt und sie ein Tandem bilden wollen. Das Programm wird von den Jugendlichen übrigens sehr gut angenommen. Viele sind es gar nicht gewohnt, dass sich jemand „einfach so“ Zeit für sie nimmt und ein offenes Ohr für ihre Themen und Probleme hat.

Wie gestalten sich die Treffen zwischen Paten und Mentees?

Ganz unterschiedlich. Meistens werden definierte Aufgaben für die Schule, den Ausbildungsplatz oder die Freizeitgestaltung besprochen. Man lernt zum Beispiel für einen Aufnahmetest, hilft bei der Suche nach einem Praktikumsplatz oder beim Bewerbungsschreiben. Manchmal verbringen Pate und Mentee aber auch einfach Freizeit miteinander und unterhalten sich darüber, was es in Sachen Schule, Familie und Freundeskreis für Neuigkeiten gibt.

Was berichten die Bildungspaten über Erfolge und Schwierigkeiten? Profitieren die Paten auch von dem Programm?

Vor dem ersten Treffen sind die Bildungspaten oft genauso aufgeregt wie die Jugendlichen. Manchmal kann es eine Herausforderung sein, ein Vertrauensverhältnis zu seinem Mentee aufzubauen oder ihn zum Durchhalten zu motivieren. Geduld ist auch gefragt, wenn vereinbarte Absprachen oder Aktivitäten nicht eingehalten werden. Schlussendlich empfinden die Paten ihre Patenschaft aber immer als persönliche Bereicherung. Das liegt daran, dass sie Einblick in eine meist fremde Lebenswelt erhalten und wissen, dass sie durch ihren Einsatz die Entwicklung eines jungen Menschen positiv beeinflussen. Es gibt mittlerweile sehr viele schöne Erfolgsgeschichten: Es wurden Schulabschlüsse geschafft, Praktikumsplätze beschafft und Ausbildungen begonnen. Besonders schön ist, dass die meisten Bildungspaten mit ihren Mentees auch nach Ende des offiziellen Patenjahres in Kontakt bleiben und darüber hinaus neue Patenschaften übernehmen.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Neff!