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Als Jurist in den Finanzsektor – Benedikt Sedlak von der Commerzbank im Interview

Sarah Grewing 04.09.2014
Jurastudium, Erstes und Zweites Staatsexamen, Referendariat, Dissertation. Anschließend die Karriere als Rechtsanwalt, Staatsanwalt, Richter, Notar – so sieht sie aus, die von vielen angestrebte Juristenlaufbahn. Doch Rechtswissenschaftler sind auch in der Wirtschaft äußerst gefragt.
Benedikt Sedlak ist als Jurist bei der Commerzbank tätig
Benedikt Sedlak

Der Werdegang von Benedikt Sedlak verlief zunächst auch nach dem üblichen Schema: Erst schloss er in Mannheim ein Studium der Rechtswissenschaften mit dem Ersten Staatsexamen ab. Anschließend zog es ihn für ein Masterstudium in International Business Law nach Exeter, England. 2007 beendete er das Studium mit dem Master of Laws. Es folgten zwei Jahre Referendariat sowie die Dissertation im Bankaufsichtsrecht an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit 2012 ist der 33-Jährige nun in der Rechtsabteilung der Commerzbank im Fachbereich Unternehmensrecht und Aufsichtsrecht tätig. Im Interview erzählt der leidenschaftliche Sportler von seinem Weg ins Bankwesen und erklärt, was die Tätigkeit in einer Bank von der in einer Kanzlei unterscheidet.

Hatten Sie schon immer vor, als Jurist im Finanzsektor zu arbeiten?

Ich habe nicht bewusst auf eine Tätigkeit als Anwalt in einer Bank hingearbeitet. Allerdings ist rückblickend durchaus ein roter Faden zu erkennen: 2007 war ich Referendar im Bereich Bank- und Finanzrecht einer Wirtschaftskanzlei. Den Ausbruch der Finanzmarktkrise habe ich hautnah miterlebt. Diese Erfahrung gab mir den Anstoß, die wirtschaftlichen und rechtlichen Herausforderungen von Banken in meiner Dissertation näher zu beleuchten. Während der Promotion hat sich dann bei mir der Wunsch verfestigt, in diesem Bereich bei einem Unternehmen zu arbeiten. Die Commerzbank hat sich für mich dabei als ein Glücksfall erwiesen. Die Inhalte und die damit verbundenen Aufgaben passten perfekt auf meine bisherigen und gewünschten Schwerpunkte. Außerdem schätze ich die angenehme Zusammenarbeit und den fachlichen Austausch mit meinen Kollegen sehr.

Welchen Tätigkeiten und Aufgaben gehen Sie bei der Commerzbank nach?

Das Tätigkeitsfeld im Bereich Bankaufsichtsrecht ist sehr vielseitig. So arbeitet man einerseits im Rahmen von Projekten zum Beispiel an der Umsetzung verschiedener nationaler und internationaler Regulierungsvorhaben oder bei Kapitalmaßnahmen der Bank mit. Andererseits gehören zum Tagesgeschäft auch die Beantwortung von aufsichtsrechtlichen Fragen der Kollegen oder auch die Beantwortung von Anfragen der Aufsichtsbehörden.

Während Ihrer Promotion waren Sie als selbstständiger Rechtsanwalt in einer Kanzlei tätig. Was sind Ihrer Meinung nach die größten Unterschiede zwischen der juristischen Tätigkeit in einer Bank und einer Kanzlei?

Im Gegensatz zur Tätigkeit im Bankaufsichtsrecht in einer Kanzlei übernimmt man als Inhouse-Jurist eines Unternehmens sehr schnell Verantwortung. Man darf einzelne Themenkomplexe bereits nach kurzer Zeit eigenverantwortlich betreuen. Durch die flexiblen Arbeitszeiten in einem großen Unternehmen wie der Commerzbank lassen sich zudem Beruf und Familie gut vereinbaren. Als Vater eines einjährigen Sohnes ist das für mich ein wichtiges Argument. 

Wie viele Juristen gibt es bei der Commerzbank?

In der Rechtsabteilung der Commerzbank AG sind derzeit etwa 180 Juristen im In- und Ausland beschäftigt. Daneben gibt es natürlich noch Juristen in anderen Bereichen der Bank, wie zum Beispiel in der Personalabteilung, dem Risikomanagement oder der Steuerabteilung. 

Welche Aspekte Ihrer Arbeit bei der Commerzbank machen Ihnen besonders viel Spaß?

Besonders gut gefallen mir die Arbeit in interdisziplinären Teams und die Beratung der verschiedenen Bereiche der Bank, insbesondere die Verknüpfung von rechtlichen und wirtschaftlichen Fragestellungen.

Wie sehen Ihre Pläne für die nächsten Jahre aus?

Mir macht meine Arbeit bei der Commerzbank sehr viel Spaß, denn wir sind ein gutes Team. Grundsätzlich möchte ich mich gerne intern als Jurist weiterentwickeln und bin offen für neue Themengebiete.

Vielen Dank für das Interview, Herr Sedlak!