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Wohnungssuche, Studienplan, Orientierung – Erste Hilfe für Erstsemester

Katja Mayer 15.10.2012
Für viele Studienanfänger sind die ersten Tage an der Uni der blanke Horror: Zig Dinge sind zu erledigen, und alleine schon herauszufinden, wohin sie sich mit welchem Anliegen wenden müssen, ist eine Herausforderung für sich – und dann tauchen auch noch für jedes gelöste Problem mindestens zwei neue auf. 
Loftikant Philipp
Planlos im ersten Semester? Vernetze dich mit Leidensgenossen!

Aber den anderen Studienanfängern geht es genauso. Wichtig ist deswegen, dass du dich gleich mit ihnen vernetzt. Vielleicht hat einer Deiner Leidensgenossen gerade das Problem gelöst, das sich vor dir aufbaut – und du kannst dich für die Hilfe mit einem Tipp zu seiner drängenden Frage revanchieren.

Außerdem kennen die Hochschulen die Probleme der Erstis und bieten nicht nur spezielle Einführungsprogramme, sondern beantworten auch jederzeit bereitwillig deine Fragen – egal, wie blöd sie dir vielleicht vorkommen. Dumm ist eigentlich nur, wer sich nicht zu fragen traut.

Erst mal unterkommen

Glücklich diejenigen, die in ihrer Heimatstadt einen Studienplatz gefunden haben und deswegen weiter im Hotel Mama wohnen können. Für alle anderen ist die Wohnungssuche das erste drängende Problem, denn gerade am Anfang des Studienjahrs ist der Wohnungsmarkt in den meisten Universitätsstädten so gut wie leergefegt. Und weil die Stiftung für Hochschulzulassung den künftigen Studienort spät genug zuweist, kommt noch der Zeitdruck obendrauf.

Trotzdem solltest du Ruhe bewahren und erst mal die folgenden Fragen beantworten:

  • Kommt für dich ein Wohnheimplatz infrage – auch auf die Gefahr hin, dort das Zimmer mit einem Mitstudenten teilen zu müssen? Wenn ja, wendest du dich am besten ans örtliche Studentenwerk oder die Hochschulgemeinden.
  • Möchtest du gern in einer Wohngemeinschaft leben? Dann wirst du am ehesten auf Internet-Plattformen wie WG-gesucht.de oder Vierwaen.de fündig. Und natürlich, indem du dich vor Ort umschaust – viele WGs hängen freie Zimmer am Schwarzen Brett der Hochschulen aus.
  • Oder hast du am liebsten eine Wohnung für dich allein? Neben den Immobilienbörsen im Internet, in denen meist Makler inserieren, wirst du bei der Wohnungssuche am besten in den Kleinanzeigen der Lokalzeitung fündig.
  • Privatzimmer sind eine weitere Möglichkeit, erst Mal ein Dach überm Kopf zu finden. Und für manche ist das früher ganz normale Untermietverhältnis bei einer Familie auch heute noch ideal. Falls das für dich gilt, wendest du dich am besten an die Privatzimmervermittlung des örtlichen Studentenwerks.

Stell dich aber auf jeden Fall darauf ein, dass deine erste Bleibe vielleicht nur eine Übergangslösung ist! Gerade in den wirklich angesagten Vierteln findest du nur mit viel Glück oder Beziehungen eine passende Unterkunft – die Kontakte dafür musst du aber erst vor Ort knüpfen.

Orientierung finden

In Einführungsvorlesungen erfährst du, worauf es in deinem Studium wirklich ankommt. Weil du dich so besser orientieren kannst, solltest du diese Veranstaltungen unbedingt besuchen. Ganz nebenbei lernst du so DozentenFachschaftsvertreter und andere Erstis kennen – das erleichtert den Start ins Studentenleben. Hochschulrundgängeund Bibliotheksführungen dienen der Orientierung an der Hochschule. Hier lernst du,

  • wo die zentralen Einrichtungen der Hochschule wie Mensa, Bibliothek und Studienberatungen liegen,
  • welche sportlichen und kulturellen Angebote deine Hochschule für dich bereithält,
  • wo du Bücher und anderen Medien deines Studienfachs findest und wie du sie ausleihst,
  • in welchen studentischen Initiativen du dich engagieren könntest.

Stadtrundgänge geben dir zudem einen Überblick, wo du welche Aufgaben erledigen kannst. Denn zumindest die Anmeldung beim Einwohnermeldeamt steht dir bevor, wenn du den Wohnsitz an deinen Studienort verlegst. Hast du ein Auto, musst du auch das ummelden. Vielleicht noch ein Konto einrichten. Und ganz sicher preiswerte Einkaufs- und angesagte Ausgehmöglichkeiten finden. Und so weiter.

Für die Orientierung im sozialen Leben bieten die Fachschaften Kneipenrundgänge und/oder Ersti-Partys an. Oft sind das die besten Gelegenheiten, Freundschaften zu schließen und das Nachtleben deiner neuen Heimat zu erkunden.

Zudem erhältst du von den Fachschaften nützliche Tipps zur Studienorganisation. Dazu gehören beispielsweise:

  • welches Seminar du am besten bei welchem Prof besuchst,
  • wie viele Veranstaltungen du realistisch pro Semester schaffen kannst,
  • was du bei der Prüfungsvorbereitung beachten musst und
  • mit welcher Frage du dich wohin wenden musst.

Deswegen sind die studentischen Selbstverwaltungen neben der Studienberatung dein wichtigster Ansprechpartner.

Ordentlich lernen

Die verschulten Bachelor-Studiengänge haben sicher den Vorteil, dass du dich wenig darum kümmern musst, in welchem Semester du welche Pflichtveranstaltung besuchst – denn das ist dir vorgeschrieben. Trotzdem musst du herausfinden,

  • welche Vorlesungen und Seminare du tatsächlich belegen musst,
  • wann und wo diese stattfinden und wie lange sie dauern,
  • welche Prüfungsleistungen du ablegen musst,
  • bis wann du dich für Lehrveranstaltungen und Prüfungen anmelden musst. 

Dafür solltest du die Studien- und Prüfungsordnung sowie das Veranstaltungsverzeichnis kennen – alle drei erhältst  du im Sekretariat deines Instituts oder Fachbereichs.

In den Lehrstuhlsekretariaten findest du raus,

  • was der jeweilige Prof voraussetzt, damit du die Prüfung bei ihm ablegen kannst,
  • welche Lektüre er oder sie für die Teilnahme an der Lehrveranstaltung erwartet,
  • welche Referatsthemen vergeben werden und
  • wann die Sprechzeiten sind.
Loftikanten auf dem Campus
Ganz wichtig vom ersten Semester an: gute Zeitplanung und Selbstdisziplin.

Bei manchen Fächerkombinationen ist es schwierig, alle Prüfungsleistungen zur vorgesehenen Zeit zu absolvieren, weil beispielsweise Lehrveranstaltungen parallel stattfinden. Dann gilt, es Alternativen zu entwickeln oder durch Verhandeln das Unmögliche doch möglich zu machen – dabei hilft dir neben den Fachschaften vor allem die Studienberatung.

Ganz wichtig sind allerdings von vornherein eine gute Zeitplanung und viel Selbstdisziplin. So kommst du trotz der Menge des Lernstoffs nicht ins Schwimmen und dir bleibt genügend Zeit zur Erholung.

Selbständig wirtschaften

Viele Studenten sind ganz allein dafür verantwortlich, für die alltäglichen Kosten aufzukommen. Deswegen musst du grundsätzlich klären,

  • wie viel Geld du für Miete, Lebensunterhalt und Bücher benötigst. Das erfährst du zum Beispiel bei Fachschaft und Studienberatung,
  • ob deine Eltern oder andere Verwandte etwas zuschießen können. Das fragst du Sie natürlich am besten direkt – aber da wärst du jetzt vermutlich auch selbst drauf gekommen,
  • welche weiteren Geldquellen wie BAFöG, Stipendien oder Studienkredite du beanspruchen kannst. Diese Informationen erhältst du beim Bafög-Amt, den Vertrauensdozenten der Studienstiftungen und auch bei den Fachschaften und der Studienberatung,
  • wie viel Zeit du bei Bedarf fürs Geldverdienenabzweigen kannst. Dazu beraten dich Fachschaften – oder ältere Mitstudenten.

Falls du selbst Geld fürs Studium verdienen musst, findest du offene Stellen bei der Studentenjobvermittlung, in Studi-Zeitungen, Online-Börsen oder am Schwarzen Brett.

Da gerade die lukrativen Studentenjobs allerdings häufig unter der Hand vergeben werden, ist Netzwerken angesagt. So lange du noch keine entsprechenden Kontakte besitzt, hilft allerdings auch Klinkenputzen: Je mehr potenzielle Arbeitgeber du direkt nach einem Job fragst, desto besser stehen deine Chancen.

Freundschaften knüpfen

Zu den schönsten Dingen im Studium gehört, interessante Leute kennenzulernen und neue Freundschaften zu schließen. Deswegen solltest du dich auch dann aufs Studentenleben einlassen, wenn du in deiner Heimatstadt studierst.

Alles was du mitbringen musst, ist Offenheit gegenüber Deinen Mitstudenten. Und Gelegenheiten fürs Kennenlernen gibt es mehr als genug: Jeder Kontakt bei einer Party, in der Mensaschlange oder der Vorlesung kann der Beginn einer Freundschaft sein.

Schließlich verbindet dich ja gerade mit den anderen Erstis ganz viel: Weil ihr alle ähnlich planlos und auf der Suche nach Kontakten seid, könnt ihr euch anfangs bestens unterstützen und Erfahrungen austauschen. Und bereits nach ein paar Wochen werdet ihr gemeinsam über eure Anfängerprobleme lachen.

Lesetipps zum Start ins Uni-Leben:

Survival-Guide für Erstis von Anna Barney und Geraldine Price Pat Maier

Ratgeber: Studium: Willkommen im Studentenleben von Mayir Aras

Das Studium: Vom Start zum Ziel: Lei(d)tfaden für Studierende von Barbara Messing