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Win-win-Situation

Ein Gastbeitrag von Markus Leick, Consultant bei ClimatePartner, zum Thema Klimaschutz

Seit dem Einstieg ins Berufsleben werden mir häufig zwei Fragen gestellt. Die erste ist, wie üblich: Was machst du eigentlich?

Ich bin seit Januar 2013 Consultant bei ClimatePartner, einer Unternehmensberatung für unternehmerischen Klimaschutz. Unser Ziel ist, Klimaschutz so in die Wertschöpfungskette zu integrieren, dass unsere Kunden damit ökonomisch erfolgreich sind. Die Aufgaben sind dabei ganz unterschiedlich, von der Erstellung von CO2-Bilanzen von Unternehmen, ihren Produkte oder Dienstleistungen über die Kommunikation des Engagements mit dem Kunden bis zur Markteinführung klimaneutraler Produkte. Das bedeutet, die CO2-Emissionen wurden berechnet, reduziert und die unvermeidbaren Emissionen über Investitionen in international anerkannte Klimaschutzprojekte ausgeglichen.  

Gastautor Markus Leick von ClimatePartner
Markus Leick von ClimatePartner

Das finden viele spannend. Die zweite Frage, die der Zuhörer dann jedoch hat, ist: Was treibt Unternehmen an, Klimaschutz zu betreiben?

Klimaschutz als Wert für sich

Es gibt sie. Unternehmen und Unternehmer, die Klimaschutz als Selbstverständlichkeit mitdenken und praktizieren. Solche Unternehmen geben Studien in Auftrag, die Klimawirkung von Mehrweg- vs. Einwegflaschen in Glas oder Plastik zu ermitteln und halten sich an die Ergebnisse. Sie investieren in erneuerbare Energien, auch wenn damit keine unmittelbaren Kostenvorteile verbunden sind. Sie sensibilisieren und motivieren ihre Mitarbeiter zu klimaschonenderem Verhalten, sei es durch die Förderung von ÖPNV-Jobtickets oder die Zahlung einer Kilometerpauschale, wenn Mitarbeiter mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen. Sie investieren in Wiederaufforstungsmaßnahmen und den Ausbau regenerativer Energien weltweit, um ihre unvermeidbare Emissionen auszugleichen.

Natürlich ist solch ein Engagement nicht komplett uneigennützig: Richtig kommuniziert, profitiert das Unternehmen von einem positiven Image, bindet seine Kunden und motiviert seine Mitarbeiter. Doch Unternehmen in dieser Gruppe sehen Klimaschutz nicht als reines Kosten-Nutzen-Kalkül, sondern als Stück ihrer Unternehmensphilosophie an.

Klimaschutz als Chance

Die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen ist in den letzten Jahren stetig gestiegen, ebenso wie die Bereitschaft ganzer Kundensegmente, für einen nachhaltigen Mehrwert gerne tiefer in die Tasche zu greifen.

Ein Unternehmen, das von diesem Bewusstseinswandel profitieren will, muss Substanz vorweisen können. Es setzt zum Beispiel ökologisch sinnvolle Rohstoffe und emissionsarme Materialien ein, es produziert weitgehend emissionsfrei mit Ökostrom, es verfügt über eine effiziente Warendistribution, seine Produkte setzen Effizienzstandards und unvermeidbare Emissionen werden für jeden nachvollziehbar ausgeglichen. Auch eine jährlich aktualisierte CO2-Bilanz für die Geschäftstätigkeiten, mit der Fortschritte transparent dargestellt werden, kann dazu gehören.

Mann treibt einen Esel vor sich her
Mit grünen und klimafreundlichen Produktlinien erweitern Unternehmen ihr Angebot.

Sind Unternehmen früh dran mit ihrem Engagement, sind sie Vorreiter. Sie erhalten dadurch Wettbewerbsvorteile und erschließen sich neue Kundengruppen. Mit grünen und klimafreundlichen Produktlinien etwa erweitern sie ihr Angebot. Gerade in hart umkämpften Märkten mit gleichartigen Produkten bietet sich die Chance zur Differenzierung und dazu, Verhandlungen nicht mehr nur über den Preis zu führen, sondern mit dem Thema Klimaschutz einen Mehrwert zu bieten. Auch im Onlinehandel sehen wir derzeit, dass der Kunde die Option klimaneutraler Angebote etwa in den Bereichen Druck, Reisen und Event goutiert. Bis zu 20% der Kunden sind heute schon bereit, einen Aufpreis von ca. 1% des Warenwerts für den CO2-Ausgleich zu bezahlen.

Zu guter Letzt werden bei vielen Unternehmen durch die Bilanzierung der Emissionen auch Kosteneinsparmöglichkeiten festgestellt. Klassischerweise geschieht dies in Bereichen der Energieeffizienz, eines sprit-sparenderen Fuhrparks, einer Änderung der Reisekostenrichtlinie hin zu mehr Videokonferenzen und weniger Flügen sowie einer Anpassung der Beschaffungsrichtlinien, die nicht nur die reinen Anschaffungs-, sondern auch die Lebenszykluskosten mit betrachtet.

Ein „Weiter-So“ als Risikofaktor

Eine dritte Gruppe von Unternehmen wird von außen angestoßen. Klimaschutz hat bei ihnen bislang keine Priorität, die Chancen eines freiwilligen Engagements werden als gering eingeschätzt. Was bewegt solche Unternehmen dazu, trotzdem im Klimaschutz aktiv zu werden? Vor allem: äußerer Druck. Denn sieht ein Unternehmen Wettbewerbsnachteile im business as usual, wird es aktiv.

Das kann zum einen eine (sich abzeichnende) staatliche Regulierung sein. Zum anderen – und viel interessanter – ist es, wenn sie von Investoren, dem Handel, Kunden oder Wettbewerber in die Pflicht genommen werden.

Kokosnüsse auf dem Feld
Unternehmen profitieren von ökologisch sinnvollen Rohstoffen und emissionsarmen Materialien.

Ein gutes Beispiel mit Hebelwirkung ist hier das Umwelt-Reporting des CDP (ehemals Carbon Disclosure Project), dem weltweit größten Erheber von Umweltdaten. Die gemeinnützige Organisation wurde aus der Idee heraus gegründet, Unternehmen über das explizite Interesse von Investoren dazu zu bringen, sich mit Carbon-Management und der Integration von Klimaschutz in Geschäftsprozesse zu beschäftigen. Mittlerweile berichten über 80% der 500 größten börsennotierten Unternehmen dem CDP, darunter 29 der DAX-30 Unternehmen. Da oftmals über 80% der Emissionen vor dem Werkstor, also durch Zulieferer entstehen, wurde im nächsten Schritt das CDP Supply Chain Program aufgesetzt: Großunternehmen müssen möglichst umfassend ihre Klimadaten berichten und befragen systematisch ihre Lieferketten nach deren CO2-Bilanzen und Vorschlägen zur Emissionsminderung. Manche Unternehmen gehen sogar dazu über mit ihren Zulieferern feste Reduktionsziele zu vereinbaren. Viele Zulieferer werden durch diese konkreten Anfragen dazu gebracht, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen: im letzten Jahr berichteten insgesamt mehr als 2.800 Unternehmen dem CDP.

Insgesamt gibt es also viele gute Gründe. Klimaschutz schafft Wachstumschancen – je fester der Klimaschutz in die Wertschöpfungskette und in den Prozessen eines Unternehmens integriert ist, desto besser. Letzten Endes ist die Motivation eines Unternehmens auch eher zweitrangig, solange die richtigen Ergebnisse im Sinne des Klimaschutzes erzielt werden. Eine Win-Win-Situation für das Unternehmen und das Klima. 

Zur Person:

Markus Leick hat Politikwissenschaft (BA) und Public Policy (MA) in Berlin und Genf studiert. Seit Januar 2013 arbeitet er bei ClimatePartner im Bereich Consulting. Stationen vor seiner Tätigkeit bei ClimatePartner waren die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Äthiopien, die adelphi research gGmbH in Berlin sowie das Europäischen Parlament in Brüssel.