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Wie wird man Jugendbotschafter am Bosporus?

careerloft-Mitglied Oliver war Delegationsleiter beim G20-Jugendgipfel in Istanbul

Oliver Rieche 29.01.2016
Vom 16. bis 21. August 2015 nahm ich am Y20-Summit, dem offiziellen Jugendgipfel der G20, in Istanbul teil. Sinn des Ganzen: Jungen Menschen aller G20-Staaten eine entscheidende Stimme auf einer internationalen Plattform zu geben. Was ich dabei gelernt habe und warum auch ihr über die Teilnahme an einem der kommenden Jugendgipfel nachdenken solltet, erfahrt ihr in meinem Gastbeitrag.
Oliver Rieche und weitere Teilnehmer des y20-Summit in Istanbul
Oliver Rieche und weitere Teilnehmer des y20-Summit in Istanbul

Auswahl und Vorbereitung

In Deutschland ist die NGO Policy Innovation für die Auswahl und Unterstützung der Delegierten zuständig. Eine Jury aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft wählt anhand einiger Fragen zur Motivation und möglicher Ideen zum Gipfel sowie bisheriger internationaler Erfahrung fünf Delegierte im Alter von 18 bis 30 Jahren aus. Vor der Bewerbung solltet ihr euch jedoch bewusst machen, dass ihr mindestens 15 Stunden Vorbereitungszeit pro Woche vom Auswahlzeitpunkt bis zum Gipfel einkalkulieren müsst. Wir waren im letzten Jahr zudem während eines Vorbereitungsworkshops in Berlin bei verschiedenen Bundesministerien zu Gast, um uns in Expertengesprächen mit Bundes- und Europapolitikern vorzubereiten. Außerdem erhielten wir eine Rhetorikschulung, welche die Verhandlungen auf dem Gipfel erleichtern sollte. 

Die türkische Agenda

Y20-Summit 2015: die Jugend-Botschafter
Die Jugend-Botschafter kurz nach der Lesung der Abschlusskomuniqués

Beim Jugendgipfel in Istanbul wurden drei Themen diskutiert: „Youth’s Contribution to Peace” (im direkten Bezug auf die syrische Flüchtlingskrise und die Beziehungen zwischen G20-Ländern und LDC (Least Developed Countries)), „Youth and Education in the 21st Century” und „Impact of Technology and Innovation on Youth Unemployment”. 

Die Verhandlungen

Wir nutzten jede Kaffeepause, jedes Mittagessen und so ziemlich jede Abendstunde, um zu diskutieren, zu debattieren, zu protestieren. Einen gemeinsamen Nenner zu finden, war selbst unter jungen Leuten schwierig. Im Allgemeinen war es interessant festzustellen, wie sehr doch die eigene Meinung dem Standpunkt des eigenen Landes ähnelt. Kulturen prägen eben doch mehr als man denkt! 

Zwischendurch wurde uns immer wieder etwas geboten: eine Rundfahrt auf dem Bosporus auf einer Privat-Yacht, ein 5-Gänge-Gala-Abendessen und eine Tanzeinlage der fliegenden Derwische. Langeweile stand nun wirklich nicht auf dem Programm! 

Die Verhandlungsergebnisse

Team Germany beim Y20-Summit in Istanbul
careerloft-Mitglied Oliver (r.) und das "Team Germany"

Die G20-Jugendgipfel sind keine Simulation wie beispielsweise Model United Nations, sondern Realpolitik. Die Empfehlungen wurden auf dem G20-Gipfel wenige Monate später in Antalya vorgestellt. Außerdem teilten wir unsere Ergebnisse mit der Außenhandelskammer und der Friedrich-Ebert-Stiftung in Istanbul sowie mit Bundesministerien in Berlin.

Fazit: Lohnt sich der Aufwand?

Auf jeden Fall! Beginnend mit der Auswahl als Delegationsmitglied muss man wirklich aus sich herausgehen und seine Komfortzone im Schrank lassen, um von solchen Verhandlungen später zu profitieren. Abgesehen vom Abschlusskommuniqué muss man sich stets vor Augen halten, dass es besonders um den Findungsprozess geht. 

Daneben ging es aber auch um die Begegnung mit anderen jungen Menschen, die sich aktiv für ihre Zukunft einsetzen. Alle Delegierten wiesen nicht nur beeindruckende Lebensläufe vor, sondern strahlten auch ein Charisma aus, das Hoffnung auf eine bessere Welt weckte. 

Lust bekommen?

Ab Februar werden voraussichtlich wieder neue Delegierte für den Y20-Summit in China gesucht. Haltet auf Policy Innovation Ausschau. Bei Fragen stehe ich euch gerne zur Verfügung (oliver.rieche@gmail.com).

Euer Oliver

Oliver Rieche lebte mit 15 Jahren zum ersten Mal im Ausland – bei einer Maori-Familie in Neuseeland. Seitdem ist die Welt sein Zuhause: Nach dem Zivildienst in Bolivien studierte er in Manchester und Cambridge Völkerrecht und nahm an zahlreichen internationalen „Youth Leadership”-Konferenzen teil. An der Deutschen Botschaft der Dominikanischen Republik, bei UNHCR in Malaysia und bei der Friedrich-Naumann-Stiftung in Washington sammelte er erste Arbeitserfahrungen. Es folgte ein Traineeship beim Europäischen Auswärtigen Dienst in Brüssel. Zurzeit arbeitet Oliver in einer Londoner Anwaltskanzlei.