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Wie ticken Arbeitgeber: Bewertungsportale im Internet

Katja Mayer 03.04.2012
Employer Branding liegt voll im Trend. Personaler lassen sich immer aufwändigere Werbekampagnen einfallen, um die begehrten Top-Leute ins Unternehmen zu locken. Da ist dann oft die Rede von der Kultur des Unternehmens, Leitbildern zur Mitarbeiter-Entwicklung sowie hervorragenden Verdienst- und Karrierechancen. Klingt super! Wo muss ich unterschreiben? 
Unternehmensbewertungen im Internet
Wie zuverlässig sind Internet-Portale zur Bewertung von Arbeitgebern?

Aber halten diese vollmundigen Botschaften auch, was sie versprechen? Aufklärung können da eher spezielle Internet-Portale zur Bewertung von Arbeitgebern. Ihre Grundlage sind oft Bewertungen und Kommentare von aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern.

Bewertungsportale: Risiken und Nebenwirkungen

Das süddeutsche Sprichwort - nicht geschimpft ist genug gelobt - bringt die Problematik solcher Portale auf den Punkt: Natürlich machen eher frustrierte (Ex-)Mitarbeiter in Bewertungsportalen ihrem Zorn und ihrer Enttäuschung Luft. Zufriedene Mitarbeiter dagegen hüllen sich in vornehmes Schweigen: Es stimmt ja alles, was soll man dazu noch sagen? 

Dem begegnen die Betreiber der Seiten zwar mit Feedback-Regeln oder sie bieten Kommentarfunktionen, mit denen andere Arbeitnehmer und auch die betroffenen Unternehmen selbst das entstandene Image zurechtrücken können. Verzerrt bleibt es aber auch so.

Das andere Risiko bei Bewertungsportalen ist, dass geschickte Firmen selbst für gute Noten sorgen, indem sie die Ergebnisse frisieren – mit falschen Mitarbeiter-Accounts, Prämien für positive Kommentare und so weiter. Um solchen Missbrauch vorzubeugen, muss man sich bei den meisten Bewertungsportalen registrieren. Viele Seiten erlauben auch nur eine Unternehmensbewertung pro Account innerhalb eines gewissen Zeitraums. Aber echte kriminelle Energie hält auch das nicht ab.

Und dann ist da noch die Finanzierung: Die kostenlose Nutzung der Angebote wird durch Anzeigen der Unternehmen ermöglicht, die auf der gleichen Seite vielleicht massiv kritisiert werden. Obwohl alle Seitenbetreiber betonen, niemals für eine Anzeigenschaltung negative Bewertungen zu löschen, ist die Möglichkeit natürlich niemals ganz auszuschließen. Überhaupt dürften Beschwerden von Unternehmen dazu wohl selten sein. Die Option, solche Seiten zur Selbstdarstellungund intensiv für das Employer Branding zu nutzen, ist einfach zu lukrativ.

Qualitätskriterien für seriöse und authentische Bewertungen 

  • Anzahl der Bewertungen – Je mehr Unternehmens-Bewertungen vorhanden sind, desto größer ist der Nutzen für Bewerber. Zusätzliche Kommentare ermöglichen die Einordnung ins eigene Bezugssystem: Beklagt sich einer über viel Arbeit, weil er lieber eine ruhige Kugel schiebt – oder weil die Belastung tatsächlich immens ist? 
  • Aktualität der Bewertungen – Gute Ideen ziehen Nachahmer an – doch nicht allen ist durchschlagender Erfolg beschert. Wenn die letzte Bewertung eines Unternehmens zwei Jahre zurück liegt, wirft das kein gutes Licht auf die entsprechende Seite.
  • Anzahl der Bewertungskriterien – Kann der Bewerter nur zwischen „gut“ und „schlecht“ wählen oder stellt die Seite eine ganze Reihe Fragen zu verschiedenen Bewertungskriterien? Differenzierte Beobachtungen machen natürlich bessere Urteile möglich.
  • Suchfunktion – Ist die gezielte Suche nach Unternehmen möglich? Und gibt es die Möglichkeit, Ergebnisse auch nach Branche oder Region zu filtern?
  • Information über Arbeitgeber – Finden sich Informationen zu Branche, Produktpalette und Größe des bewerteten Unternehmens? Bestenfalls ergänzt durch Links zur Firmenseite – oder gar zu aktuellen Stellenangeboten und dem Bewerbungsformular? 
  • Arbeitgeber-Ranking – Genügt ein Blick in die Rangliste, um zu sehen, welcher Arbeitgeber besonders gut abschneidet? 
  • Benutzerfreundlichkeit – Wie gut ist die Seite aufgebaut? Findet der Nutzer schnell die Informationen, die er benötigt, oder ist mühevolle Suche nötig? Sind die Informationen frei zugänglich oder muss erst ein Account angelegt werden? Lädt die Seite schnell oder dauert der Aufbau ewig?

Weil sie echten Mehrwert über die reine Bewertung hinaus versprechen, finden sich auf den meisten Bewertungsportalen mittlerweile auch diese Funktionen: 

  • Forum – Ein Forum erweitert den Nutzen solcher Seiten um wertvolle Zusatzinformationen durch die Nutzer. Hier können Tipps ebenso ausgetauscht werden wie persönliche Erfahrungen. Voraussetzung: es wird gepflegt und bestenfalls moderiert.
  • Blog – Ein gut gepflegtes Weblog ist das Aushängeschild der Seite. Schließlich bietet es zeitnah Nützliches und Informatives rund um Portal, Firmen und Arbeitsmarkt.
  • Zusatzinformationen – Gibt es Bewerbungstipps, Expertenratschläge oder Berichte aus den Unternehmen? 

Die wichtigsten Bewertungsportale im Überblick

Bizzwatch: Ansprechendes Design, zwei verschiedene Bewertungsoptionen (Firma und Chef) mit unterschiedlicher Fragenanzahl, Newsticker, Firmenranking, Unternehmensinfos, Karrieretipps, eigenem Fernsehkanal: ein gutes bis sehr gutes Angebot. Manko: Es gibt keine Angaben zur Anzahl der bewerteten Unternehmen – und man muss sich erst registrieren, um alle Funktionen nutzen zu können. 

Companize: Sehr ansprechend gemacht, ebenfalls zwei unterschiedlich ausführliche Fragenkataloge zur Bewertung, zusätzlich eine Kommentarmöglichkeit. Umfassender geht’s kaum. Informationen gibt’s nicht nur für Deutschland, sondern auch für Österreich und die Schweiz. Üppige Zusatzangebote wie Rankings, News, Blog, Firmeninfos und Gehaltsvergleiche runden das Angebot ab. Bewertungen finden sich für gerade Mal 50 Firmen.

Jobvote: Reines Bewertungsportal ohne Zusatzfunktionen. Einfache Bedienung, zwei unterschiedlich umfangreiche Wertungsfunktionen, Kommentarmöglichkeit. Leider ein recht überschaubares Angebot an bewerteten Firmen mit viel Luft nach oben.

Jobvoting: Einigermaßen übersichtliches Design, ausführliche Bewertungsmöglichkeiten mit Kommentarfeld. Dazu viele Firmeninfos, Gehaltsvergleich, Community und Ratgeber. Mit Bewertungen zu über 100.000 Firmen ein sehr großes Angebot.

Kununu: Mit fast 170.000 Bewertungen der Platzhirsch unter den Anbietern. Übersichtliches Layout, angemessene Bewertungsmöglichkeiten, Bitte um Verbesserungsvorschläge bei schlechten Bewertungen, Kommentarfunktion, ausführliche Suchkriterien, aktuelle Stellenangebote bei den bewerteten Firmen - so bleiben fast keine Wünsche offen. Allein das Zusatzangebot ist mit Blog und Forum etwas mager ausgefallen.

MeinChef: Übersichtliche Seite, ausführliche Bewertungsmöglichkeiten, verschiedene Rankings und der Gehaltsvergleich stehen auf der Haben-Seite. Die Soll-Spalte ist allerdings auch ansehnlich: die Suchfunktion ist sehr mager, die Liste der beschriebenen Unternehmen lang, aber in weiten Teilen mit wenigen oder gar keinen Bewertungen versehen. Ebenfalls wünschenswert wären mehr Zusatzangebote wie Blog oder Forum. 

Alternativen

Wer nach Alternativen zu Bewertungsportalen für Arbeitgeber sucht, wird in Nachrichtenkanälen wie Google News fündig. Dort findet man zwar keine Innenansichten, doch aber aktuelle Entwicklungen beim jeweiligen Unternehmen. Allein die Ansicht der Überschriften gibt eine Tendenz bezüglich des Images in der Medienwelt. Eine aufschlussreiche Quelle bietet auch die Recherche bei XingLinkedIn und Facebook: Diese Seiten publizieren zwar keine internen Unternehmensinformationen, ermöglichen aber durch ihre Suchfunktion die Kontaktaufnahme zu aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern, die Sie dann direkt zu Arbeitsbedingungen und Tätigkeitsinhalten befragen können. Womöglich glaubhafter und mit Sicherheit persönlicher als in den Bewertungsportalen.

Redakteurin: Katja Mayer in Kooperation mit Karrierebibel