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Wie erkenne ich Talente? So findest du heraus, was du wirklich kannst

Katja Mayer 09.11.2016
Der eine kann gut zeichnen oder zuhören, Dinge konstruieren oder Menschen anleiten. Andere können das nicht – und schauen voller Bewunderung (oder Neid) zu dem auf, der dieses Talent besitzt. Nur: Wer da gerade Respekt oder Ablehnung erfährt, weiß oft gar nicht, warum ihm das geschieht.
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#RichtigBewerben: Fähigkeiten und Talente entdecken

Hast du ein Händchen für gewisse Aufgaben?

Das Besondere an Talenten ist, dass sie für ihren Besitzer selbstverständlich sind. Seine Stärken sind für ihn normal. Dass das, was ihm so gut und einfach gelingt, für andere eine große Leistung ist, kommt ihm oft nicht in den Sinn. Entsprechend ratlos schaut er drein, wenn er nach seinen Begabungen gefragt wird: „Talente? Hab ich keine!“

Viele Talente bleiben deswegen ungenutzt oder fristen ein Nischendasein, statt gefördert und weiterentwickelt zu werden. Oft sogar bemüht sich ihr Besitzer stattdessen, sich irgendwelche anderen Dinge anzueignen, die für den Job vermeintlich wichtiger sind. Besonders beliebt dabei: das Ausmerzen angeblicher eigener Schwächen. Dabei fällt die zu nennen den meisten auch nicht leichter.  

Entdecke deine Stärken und Talente!

Suchst du deine eigenen Talente, dann hilft es, wenn du zuerst Menschen fragst, die dich gut kennen:

  • Was kann ich aus deiner Sicht besonders gut?
  • Was macht mich aus?
  • Was macht mich einzigartig?

Sicher wird dir nicht alles gefallen, was du zu hören bekommst. In der Regel wirst du aber überrascht sein, was dabei alles zu Tage tritt! Manches hast du vielleicht schon geahnt. Aber das wird durch die Bestätigung von außen erst wirklich relevant. So findest du übrigens nicht nur deine Fähigkeiten, sondern auch deine wesentlichen Eigenschaften. Was ist denn da der Unterschied?

Ganz einfach: Gut rechnen zu können, ist eine Fähigkeit, die zum Beispiel ein Physiker besitzen sollte, um seine Versuche berechnen zu können. Das Gute daran: Die meisten Fähigkeiten kann man lernen.

Sorgfalt dagegen ist eine Eigenschaft, die derselbe Physiker benötigt, um die Messergebnisse hinterher korrekt zu dokumentieren. Weil solche Eigenschaften beschreiben, wie ein Mensch grundlegend an Dinge herangeht, sind sie mindestens so wichtig wie Fähigkeiten. Vor allem Eigenschaften wie Gewissenhaftigkeit, Offenheit, Neugier oder Extraversion machen eine Persönlichkeit überhaupt erst aus.

Berufswahltest

Eine andere Option, deine Talente zu entdecken, ist ein Test. Damit kannst du insbesondere herausfinden, wo deine Stärken liegen. Die Klassiker sind sogenannte Berufswahl- oder Einstellungstests. Sie zeigen, was die eigenen Stärken sind, aber auch, wo noch Defizite und Verbesserungsmöglichkeiten bestehen.

Tests zu diesem Thema findest du in großer Zahl – auch kostenlos – im Internet. Es lohnt sich durchaus, einen oder zwei von solchen Tests zu absolvieren. Eigentlich kann man ja nie genug darüber wissen, wo eigene Stärken und Schwächen liegen ... Selbstverständlich findest du im Netz auch Persönlichkeitstests, die allerdings ein gewisses Niveau besitzen sollten, um aussagekräftig zu sein. Die meisten, die du im Internet findest, sind entweder Murks oder kosten richtig viel Geld. Ein Test, der recht gut ist, ist der sogenannte Myers-Briggs-Typenindikator (MBTI) – den gibt es allerdings nicht für lau.

Üben, üben, üben!

Eigene Talente zu kennen, ist vor allem deshalb sinnvoll, weil du auch beruflich davon profitieren kannst. Schließlich fällt dir das, was du tust, umso leichter und macht Spaß, wenn du dazu besonders begabt bist. Ein Meister ist deswegen aber trotzdem noch nie vom Himmel gefallen. Ohne Übung geht da gar nichts. Bestes Beispiel hierfür sind Musiker, die üben, bis die Saiten glühen oder die Finger blind über die Klaviertasten huschen. Ebenso Sportler, die ihre Bewegungsabläufe so lange trainieren, bis diese praktisch automatisch abrufbar sind.

Rund 10.000 Stunden, heißt es, muss man eine Sache üben, bis man sie wirklich beherrscht. Dieser Einsatz macht den entscheidenden Unterschied, schreibt zum Beispiel der US-Autor Malcolm Gladwell in seinem Bestseller „Überflieger“. Seinen Recherchen zufolge haben die besten Solisten in ihrer Kindheit und Jugend mindestens 10.000 Stunden geübt; wer dagegen nur 4000 Stunden übte, wurde allenfalls Musiklehrer – obwohl beide Personengruppen ursprünglich annähernd gleich talentiert waren.

Klar, ganz ohne Begabung stellt sich Erfolg vermutlich trotzdem nicht ein. Aber Fleiß, Ausdauer und Engagement schlagen häufig sogar Talente. Oliver Kahn war beispielsweise als Torwart anfangs nur mäßig begabt. Weil er aber ein Torwart der Spitzenklasse werden wollte, hat er sich im Training entsprechend reingehängt – und damit manch hochgelobte Nachwuchshoffnung verdrängt, die sich auf ihrem Talent ausgeruht hat.

Volle Kraft voraus!

Wenn du dich in eine bestimmte Richtung entwickeln willst – sagen wir beispielsweise Softwareentwickler –, musst du zunächst wissen, welche Fähigkeiten du dafür brauchst. Am besten fragst du dazu Softwareentwickler selbst, was sie für ihren Job können müssen – in deinem Bekanntenkreis, Online-Foren oder bei unserem Partner SAP. Je mehr Praxis-Stimmen und Tipps du einholst, desto besser weißt du, worauf es wirklich ankommt. Im zweiten Schritt schaust du, welche Stärken du bereits besitzt. Hier kommen die oben schon genannten Tests ins Spiel. Sie geben dir Tipps, was du noch trainieren oder gar von Grund auf lernen musst, um Erfolg zu haben. Und dann hängst du dich richtig rein!

Gleiches gilt für die Eigenschaften. Auch die lassen sich bis zu einem gewissen Grad trainieren – jedoch deutlich schwieriger. So kann ein introvertierter Mensch lernen, offener zu werden und mehr auf Menschen zuzugehen. Eine sprichwörtliche Rampensau wird so jemand aber nur in Ausnahmefällen. Entscheidender ist, wie konsequent du dein Ziel verfolgst. Dazu gehört auch Frustrationstoleranz, um dich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. Vor allem aber musst du wirklich wollen, was du tust. Das Ziel, das du verfolgst, muss dein eigenes sein. Erst dann hast du die nötige Energie, um es erreichen zu können – oder gar darüber hinaus zu wachsen.

Buchtipp: „Niederlagen sind wichtig … Keine Karriere verläuft immer steil nach oben,“ sagt Peter Olsen, der ein Buch zum Thema „Erkenne dein Talent – Was wir von Spitzensportlern und Top-Managern lernen können“ geschrieben hat.

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