DE EN

Welche Werte sollten Führungskräfte haben?

Melanie Pölking 21.05.2013
Werte von guten Führungskräften
Welche Werte sollten gute Führungskräfte haben?
Fachwissen, strategisches Denken, praktische Erfahrungen – daran mangelt es heute kaum einem Berufseinsteiger. Schon vor Jahren haben sich die Universitäten den Wünschen der Wirtschaft angepasst, haben mehr Praxisstudien, Pflichtpraktika und Analysen in ihre Studienpläne integriert. Wichtig auch für künftige Führungskräfte.

Aus den Hörsälen heraus kommen nun brillante Analytiker und kühl kalkulierende Strategen, die gelernt haben, ihre Ziele geradlinig zu verfolgen, zur Not auch über Widerstände hinweg. Das macht sie enorm durchsetzungsstark, aber auch gefährlich. Je höher ein Mitarbeiter als Führungskraft aufsteigt, desto wichtiger werden andere Fähigkeiten: Konzepte moderieren, Abläufe modernisieren, Mitarbeiter motivieren. Wer an der Uni reüssiert, kann im Team dennoch scheitern, wenn er Konflikten mit 08/15-Strategien begegnet.

So lange alles glatt geht, reicht vielleicht auch eine „glatte Figur" als Führungskraft. Sobald aber Spannungen auftauchen, zählt Substanz. Und die zeigt sich in der Persönlichkeit: Was Unternehmen erfolgreich macht, sind eben nicht hoch bezahlte Arbeitstiere und im Windkanal optimierte Mutanten, sondern Menschen, die nicht nur mit dem Verstand führen, sondern auch mit Empathie und mit Herz. Manager, die Vorbild sind, Werte haben und diese leben.

Führungskraft mit Werten

„Wer nicht für sich selbst seine Werte definiert hat, kann nie eine gute Führungskraft sein“, warnt zum Beispiel Dieter Wagner vom Institut für wertorientierte Unternehmensführung (IWU).

Wer seine Werte nicht gefunden habe, sei nicht in der Lage, Menschen mitzunehmen – und genau darauf komme es nun mal beim Führen an. Tempi passati - die Moderne steht im stetigen Wandel. Das ist gut so. Aber um bei so viel Bewegung dennoch einen Kurs zu bestimmen, braucht es ein paar Konstanten – Werte eben. Darunter auch Klassiker wie Verantwortung, Vertrauen und Integrität. Die klingen zwar altbacken, garantieren aber seit Jahrhunderten ein funktionierendes Miteinander. Wer sie beherzigt, kann auch im Wandel für Kontinuität und Verlässlichkeit sorgen.

Wenn auch du künftig Führungsaufgaben übernehmen willst, solltest du dich fragen, ob du bereits Werte hast, für die du einstehen willst und die für dich und deine künftigen Mitarbeiter Konstanten bilden und dir Orientierung geben – vor allem wenn die Zeiten unsicherer werden. Im Folgenden haben wir hierzu ein paar Anregungen und Werte, die sich in vielerlei Hinsicht bewährt haben.

Zuverlässigkeit

Eine Führungskraft, die nicht zu ihren Entscheidungen steht, verliert das Vertrauen ihrer Mitarbeiter. Vertrauen ist der Anfang von allem, vor allem aber zwingende Voraussetzung für Respekt und Glaubwürdigkeit, die Führungskräfte brauchen, damit ihnen andere bereitwillig folgen.

Mut

Vorgesetzte müssen manchmal Entscheidungen in Ungewissheit treffen. Vollständige Informationen besitzen die wenigsten. Also müssen Manager bereit sein, Risiken einzugehen. Nicht blind – das wäre töricht. Aber mutig.

Verantwortung

Ebenso müssen Führungskräfte bereit sein, die Konsequenzen ihres Handels zu (er)tragen. Dazu zählt auch, Fehler einzugestehen und sie zu korrigieren, wenn es sein muss.

Vertrauen

Ein guter Chef lässt seinen Mitarbeitern denr Feiraum, den sie brauchen. Er behandelt sie wie intelligente Menschen und manipuliert sie nicht durch Zuckerbrot und Peitsche. Misstrauische Chefs, die ihre Untergebenen ständig kontrollieren und gängeln, verspielen deren Engagement und degradieren sie zu Befehlsempfängern. So schaffen sie nur eine Kultur von "command & control".

Offenheit

Wer weiß, dass er irren kann, ist empfänglich für Anregungen und neue Ideen. Führungskräfte, die den Vorschlägen ihrer Mitarbeiter offen gegenüber treten, nutzen deren Potenziale und Erfahrungen und sichern sich auch künftiges Engagement. Obendrein fördern sie die Innovationskraft – die wichtigste Ressource eines Unternehmens.

Interesse

Offenheit ist die Basis, seine Mitarbeiter kennen zu lernen. Wer ihnen gegenüber echtes Interesse zeigt und dies nicht nur auf berufliche Dinge beschränkt, fördert deren Aufmerksamkeit und Loyalität. Das dient dem Betriebsklima – und damit auch dem Unternehmenserfolg.

Wertschätzung

Wer seinen Mitarbeitern den Respekt zollt, den sie aufgrund ihrer persönlichen und fachlichen Kompetenzen verdienen, sichert sich ebenfalls ihre Loyalität. Das gilt selbst dann, wenn Kritik zu üben ist: Gute Chefs transportieren sie so, dass ihre Mitarbeiter daran.

Integrität

Wer die Einhaltung hoher moralischer Standards fordert, muss diese Werte auch selbst leben, um glaubwürdig zu bleiben. Ein Chef, der die eigenen Grundsätze ignoriert, schwächt sich selbst – und die Moral aller, für die er Vorbildfunktion übernimmt. Die Liste der über ihre Doppelmoral gefallener Konzern- und Staatenlenker ist zu lang, als dass man sie übersehen könnte.

 

Buchtipp: Neu als Führungskraft. So werden sie ein guter Vorgesetzter von Uwe Gremmers.

Karrierebibel mit Melanie Pölking