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Weggabelung: Reicht der Bachelor für den Berufsstart?

Mit Video zum Master-Studiengang BWL an der Uni Münster

Katja Mayer 29.06.2016
Berufsteinstieg mit Bachelor oder Master?

Mit dem Bologna-Prozess sollten die Bildungsabschlüsse in der EU vereinheitlicht und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Absolventen gesteigert werden. Vor allem das Bachelor Studium sollte die Studenten unmittelbar auf den Berufseinstieg in Unternehmen vorbereiten. Doch ist das in Deutschland gelungen?

Eher nicht. In Deutschland wurden Studieninhalte komprimiert statt die Curricula auszudünnen. Als Folge bleibt den Studierenden noch weniger Zeit, ihr theoretisches Wissen im Studium in der Praxis zu vervollkommnen – zum Beispiel durch Praktika. Entsprechend gering ist das Vertrauen, das Studenten in den Bachelor als Vorassetzung für den Berufseinstieg setzen: Mehr als zwei Drittel wollen lieber den Master als Abschluss drauf setzen und so auf Nummer sicher gehen bei ihrer Bewerbung. Dumm nur, dass für weniger als die Hälfte davon ein Studienplatz bereit steht. Das erhöht den Druck im Studium und nimmt die Zeit für weitere Erfahrungen in der Praxis.

Bachelor oder Master?

Loftikanten im Hörsaal
Rentiert sich der Mehraufwand für den Master überhaupt?

Bleibt die Frage: Rentiert sich der Mehraufwand für den Master überhaupt? Was sagen Arbeitgeber? Bekommt man mit ihm einen besseren Job? Untersuchungen zeigen, dass viele Personaler unsicher sind, worin sich Bachelor-Studium und Master-Studium unterscheiden. Gerade kleinere Unternehmen haben im Dschungel der verschiedenen Bachelor- und Master-Abschlüsse den Überblick verloren. Für sie zählt allein, dass bei der Bewerbung ein Studienabschluss vorhanden ist. Entsprechend werden Bachelor- wie Master-Absolventen von Arbeitgebern zu Vorstellungsgesprächen eingeladen – zu oft identischen Bedingungen. Und das bedeutet unterm Strich: Wer es schafft, als Bachelor in den Job einzusteigen, fängt zwei Jahre früher an, Geld zu verdienen.

Kolja Briedis, Forscher beim Hochschulinformationssystem (HIS), hat zudem in mehreren Studien herausgefunden, dass die Zufriedenheit der Unternehmen mit den Bachelor-Absolventen steigt, sobald sie Erfahrungen mit ihnen sammeln konnten.

Schneller Einstieg – früher Aufstieg?

Beispiel The Boston Consulting Group: Für Bachelor Absolventen aller Fachrichtungen gibt es ein spezielles Einstiegsprogramm. Die Junior Associates werden ab dem ersten Tag direkt bei Kundenprojekten als vollwertiges Teammitglied eingesetzt. Nach zwölf Monaten werden die Mitarbeiter bei entsprechender Leistung zum Associate befördert. Nach weiteren 15-24 Monaten, mit der Beförderung zum Consultant, haben die Bachelor-Absolventen die Möglichkeit, sich akademisch weiterzuentwickeln. Master, Diplom oder MBA sind mit dem Erreichen dieses Levels bei BCG Pflicht. Und hier kommt die Unterstützung ins Spiel: Die jungen Kollegen verlassen in einem sogenannten Educational Leave das Unternehmen für maximal zwei Jahre, um ein Master-/MBA-Studium an einer Top-Universität zu absolvieren. BCG unterstützt sie in dieser Zeit im Rahmen des BCG-Scholarship-Programms mit einer Freistellung sowie einer finanziellen Förderung. Das Programm sucht sich jeder selbst aus.

Welches Studium und welcher Abschluss für den Berufseinstieg und eine gute Karriere ausreicht, hängt aber wesentlich von der Fachrichtung ab. Wirtschafts-und Sozialwissenschaftler sowie Ingenieure kommen in der Regel problemlos in Jobs unter. Mathematiker und Informatiker benötigen hingegen heute fast zwingend einen Master als Abschluss, wenn sie bei ihrem Wunscharbeitgeber punkten wollen. Noch höher sind die Anforderungen zum Berufseinstieg an Naturwissenschaftler: Sie benötigen in Deutschland meist eine Promotion und damit ein langes Studium, wenn sie Karriere machen und nicht den Rest ihres Lebens im Labor verbringen wollen.

Entscheidend ist zudem die persönliche Situation: Wer vom BAföG lebt oder sein Studium durch Jobben finanzieren muss, wird sich über das erste Gehalt freuen – egal, wie viel Spielraum er dadurch verschenkt. Wer es bevorzugt, sich nach dem Studium im Job weiterzubilden, ist mit ersten Praktika und dem direkten Einstieg nach dem Bachelor sicher auch gut bedient. Wer hingegen eine langfristige Karriere in einem bestimmten Feld anstrebt, sollte seine Bewerbung mit dem Master krönen, denn der verspricht nach wie vor die höheren Weihen in vielen Jobs.

Master im Beruf machen

Allerdings – und das muss auch mal gesagt werden – ist mit dem Berufseinstieg der Master-Plan nicht zwangsläufig passé. Im Gegenteil: Schließlich wurde mit der Zweiteilung des Studiums die Möglichkeit geschaffen, eine längere Praxisphase zwischen die beiden Studienabschnitte zu schieben. Diese Chance auf den Job-Einstieg wird allerdings von vielen Studenten zu selten genutzt. Schade!

Denn du findest durchaus Arbeitgeber, bei denen beides gleichzeitig geht. Etwa, indem du im ersten Job eine Teilzeitstelle antrittst, die dir genügend Zeit fürs parallele Studium lässt. Noch besser geht es, wenn du Berufseinstieg und Master kombinieren kannst. Einige Unternehmen bieten entsprechende Unterstützung an.

Entscheidungshilfe Bachelor-Studium 

Wenn du unsicher bist, wie du deinen Berufseinstieg vorbereiten sollst, kann dir aber auch die Studienberatung oder der Career Service deiner Hochschule weiterhelfen. Oder die folgenden Fragen:

  • Hast du genug vom Lernen und möchtest lieber praktisch arbeiten?
  • Bist du bereit, auf die große Karriere zu verzichten und andere Prioritäten zu setzen?
  • Reicht es dir, Fachkraft zu sein und dich in Deinem Metier zu entwickeln?
  • Willst oder musst du so schnell wie möglich Geld verdienen?
  • Bist du mit einem Einkommen der oberen Mittelklasse zufrieden?
Loftikanten in Uni-Bibliothek
Bachelor oder Master: Wichtig ist, womit du glücklich sein wirst!

Kannst du diese Punkte mehrheitlich mit „Ja“ beantworten, ist für dich der Berufseinstieg nach dem Bachelor womöglich die bessere Option.

Entscheidungshilfe Master-Studium

Wenn du indes mit dem Master liebäugelst und das Studium fortsetzen möchtest, solltest du den folgenden Aussagen mehrheitlich zustimmen können:

  • Hast du Spaß an Theorie und Wissenschaft?
  • Möchtest du in der Forschung arbeiten?
  • Oder strebst du eine Position im Management als Führungskraft an?
  • Siehst du dich eher als Generalist denn als Spezialist?
  • Möchtest du langfristig zu den Spitzenverdienern zählen?

Wie du dich am Ende auch entscheidest: Nichts ist in Stein gemeißelt. Die wenigsten Karrieren verlaufen so linear und geplant, wie sie viele im Nachhinein darstellen. Viele persönliche Faktoren spielen eine Rolle, immer noch legen viele Unternehmen Wert auf Noten und den Ruf einer Universität. Überlege für dich, was du willst, was dich ausfüllt – und womit du glücklich sein wirst!

Buchtipps: Wenn du mal mehr über den Bologna-Prozess wissen willst, der Autor Tobias Brändle hat einen Rückblick über 10 Jahre Bologna Prozess: Chancen, Herausforderungen und Problematiken geschrieben. Qual der Wahl beim Masterfach? Insider-Dossier zum Masterstudium: Der Weg zum erfolgreichen Masterabschluss an europäischen Top-Hochschulen von Lena Salm und Hans Mengler.

Drei careerloft-Fördermitglieder haben ein Video zu ihrem Master-Studiengang BWL an der Uni Münster gedreht, um orientierungslosen Bachelor Absolventen auf der Suche nach dem passenden BWL Master zu begeistern. Schau es dir mal an, und entscheide selbst:

Redaktion: Katja Mayer mit Karrierebibel

Mehr Tipps zu deinem #JobEinstieg findest du hier:

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