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„Was verdienst du eigentlich?“ – Tabuthema Gehalt: Pro & Contra

Melanie Pölking 12.02.2015
„Über Geld spricht man nicht!“ Kommt dir dieser Satz bekannt vor? Das Thema Gehalt ist für viele nach wie vor ein absolutes Tabu. Das zeigt vor allem ein Blick in die Runde der Kollegen. Man isst gemeinsam Mittag, man beschenkt sich zu Geburtstagen, teilt Erfolge und manchmal auch Tiefschläge. Aber beim Thema Geld hüllen sich alle in bedächtiges Schweigen. Wäre es besser, Tacheles zu reden?

Andere Länder andere Sitten. In den USA wird der Umgang mit dem Gehalt deutlich unspektakulärer gehandhabt: Jobanzeigen erscheinen in der Regel gleich mit Angabe des Gehalts. Darüber reden? Warum nicht! Viele Amerikaner nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn es um die eigene Lohntüte geht. Auch in Europa gelten mitunter andere Regeln: Maximale Transparenz herrscht in Schweden. Dort kann jeder die Einkünfte von jedem einsehen. Unglaublich aber wahr: Es gibt sogar eine extra dafür vorgesehene Steuerauskunft, die präzise Angaben über steuerpflichtige Einkünfte seiner Bürger macht. Der kostenlose Service wird von den Schweden oft und gerne genutzt. Mal vor einer Kreditvergabe, mal einfach nur so zum Spaß. Wissen, was der Nachbar so verdient – in Schweden eine Selbstverständlichkeit.
 

Faire Gehaltsstrukturen 

Hierzulande sind wir noch weit entfernt von so viel Transparenz im Gehaltsgefüge. Eine Frage der Mentalität? Angst vorm Neid der anderen oder dem eigenen verletzten Ego? Wer möchte schon gerne hören, dass der Kollege von nebenan bei gleicher Arbeit 30 Prozent mehr Gehalt verdient? Dabei könnte ein offener Umgang mit dem eigenen Arbeitslohn dazu beitragen, die Gehaltsstrukturen in einem Unternehmen gerechter zu gestalten. Auch Verhandlungen über Lohnerhöhungen liefen dann anders ab. Frauen stehen in der Gehaltstabelle weit abgeschlagen hinter Männern – und das im gleichen Job.

Gesetzliche verordnete Schweigepflicht?

Manche fürchten, sie dürften per Gesetz nicht über ihr Gehalt reden. Das ist nur bedingt richtig. Wer eine Verschwiegenheitsklausel in seinem Vertrag hat, muss Stillschweigen bewahren. Allen anderen ist es selbst überlassen, ob sie über ihr Gehalt sprechen oder nicht. Dennoch haben sich die meisten Mitarbeiter einem freiwilligen Schweigegelübde verpflichtet – sehr zum Wohle manches Arbeitsgebers. Was passieren kann, wenn Gehälter aller Mitarbeiter publik gemacht werden, zeigt dieses Beispiel aus den USA:

In Kalifornien sind die Löhne von Angestellten im öffentlichen Dienst seit 2008 im Internet einsehbar. Wissenschaftler der Universitäten Berkeley und Princeton wollten wissen, wie die Betroffenen darauf reagieren. Sie befragten die Beschäftigten der Universitäten Los Angeles, Santa Cruz und San Diego kurz nach der erstmaligen Veröffentlichung: „Wie zufrieden sind Sie mit ihrem Job? Fühlen Sie sich angemessen bezahlt? Wollen Sie ihren Job wechseln?“ Das kam bei der Umfrage heraus:

Sozialer Vergleich sät Frust und Unzufriedenheit

Die Befragten interessierten sich nicht für das Gehalt des Top-Verdieners – mit 2,3 Millionen Dollar der Trainer der Football-Mannschaft der Berkeley-Universität. Am wichtigsten war, was die unmittelbaren Kollegen verdienten. Der Grad der Unzufriedenheit wuchs, je größer der Abstand zum Durchschnittseinkommen der jeweiligen Berufsgruppe war. Entsprechend oft wurde auch der Wunsch nach einem anderen Job geäußert. Umgekehrt funktionierte diese Formel allerdings nicht: Diejenigen, die überdurchschnittlich verdienten, waren dafür nicht übermäßig dankbar, zufriedener oder loyaler. Fazit der Umfrage: Der soziale Vergleich löste bei Vielen Frust und Unzufriedenheit aus.

Ein Grund dafür, besser den Mund zu halten? Fest steht: Manchmal kann es helfen, sich im Freundeskreis, unter Studenten gleicher Fachrichtung und Kollegen über das (Wunsch-)Gehalt auszutauschen. Ob und mit wem du über dein Gehalt sprichst, solltest du gut abwägen! Damit der Schuss nicht nach hinten losgeht …