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Von Alles-Anna bis zu Helfer-Hannes

Neue Studie „Karriere trifft Sinn“ stellt fünf Berufseinsteiger-Typen vor

Das alleinige Denken in Fachrichtungen im Karrierekontext ist überholt. Das ist das klare Ergebnis der neuen Studie „Karriere trifft Sinn“. Der Medienfabrik-Geschäftsbereich embrace befragte die careerloft-Mitglieder nach spezifischen Werten, Einstellungen und Zielen. Dabei ging es um die Aspekte, an denen sich Nachwuchstalente orientieren, um Lebenstiefe und Sinn in ihrem Berufsleben zu erfahren.
Die fünf Karriere-Typen der Studie "Karriere trifft Sinn"
Die fünf Berufseinsteiger-Typen der Studie "Karriere trifft Sinn"

Gero Hesse, Mitglied der Geschäftsleitung der Medienfabrik und Leiter der Studie, erklärt: „Unser Ziel war es, herauszufinden, inwiefern Studenten unterschiedlicher Fachrichtungen andere Wertevorstellungen im Kontext Sinn und Karrierehaben. Das Ergebnis hat mich absolut überrascht, denn es gibt keine nennenswerten Unterschiede im Denken angehender Wirtschaftswissenschaftler, Juristen, Ingenieure oder Informatiker.“

Stattdessen identifiziert die Studie fünf trennscharfe Karriere-Clustertypen. Diese fünf Clustertypen sind über die verschiedenen Fachrichtungen hinweg gleichmäßig verteilt, unterscheiden sich aber deutlich in Bezug auf Wertemuster und Motivationstreiber.

Karriere-Kai

Personen aus diesem Cluster sind persönlicher Erfolg und materielle Werte besonders wichtig, ebenso Führungspositionen und Einfluss. Das Privatleben wird auf Platz 2 eingeordnet. Über ein Viertel ist bereit, mehr als 60 Stunden pro Woche zu arbeiten. Sie verkörpern die klassische Karriereorientierung, wie sie sie bei den Baby-Boomern kennengelernt haben.

Sucher-Simon

Personen in diesem Cluster haben keine herausragenden Spitzen. Ihnen ist eher alles egal oder sie sind noch auf der Suche. Es ist ihnen nicht so wichtig, zum Erfolg des Arbeitgebers beizutragen, aber auch die Lust auf Selbstverwirklichung und die materielle Orientierung sind niedrig ausgeprägt.

Familien-Franzi

Die Familien-Franzis (wichtig: sowohl weiblich als auch männlich) legen besonderen Wert auf Work-Life-Balance. Außerhalb der Arbeit wollen sie viel mit ihrer Familie unternehmen, halten Traditionen hoch und setzen die Familie an die erste Stelle. Beim Arbeitgeber ist eine langfristige Perspektive wichtig.

Alles-Anna

Personen in diesem Cluster ist alles wichtig: sowohl die Selbstverwirklichung als auch das Engagement für Umwelt und Gesellschaft. Ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Job und Privatleben ist essenziell, aber auch beruflich wollen sie vorankommen: Einfluss und eine langfristige Perspektive sind wichtig, auch Geld spielt eine übergeordnete Rolle. Dazu sollte der Arbeitgeber idealerweise als Marktführer attraktive Produkte anbieten und gleichzeitig ein Familienunternehmen sein.

Helfer-Hannes

Personen in diesem Cluster engagieren sich vor allem für andere und wollen einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen. Auch in ihrer Freizeit engagieren sie sich in Projekten und Hilfsorganisationen. Die Selbstverwirklichung steht bei ihnen hoch im Kurs, materielle Werte zählen aber deutlich weniger als bei den anderen Clustertypen.

Denk- und Handlungsweisen unserer Arbeitswelt auf dem Prüfstand

HR-Experte Gero Hesse empfiehlt Unternehmen, in Zukunft über die Fachrichtung hinauszudenken: „Unternehmen müssen – wollen sie mittelfristig weiter erfolgreich sein – nicht nur die fachlich Kompetenten einstellen, sondern insbesondere diejenigen, deren Wertevorstellungen und Motivationstreiber am besten zum Unternehmen passen. Sie müssen sich diesen Forderungen stellen und ihre Firmenkultur ändern, wenn sie junge Talente für sich gewinnen wollen.“

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit spielt eine immer größere Rolle bei der Arbeitgeberwahl. Prof. Dr. Christoph Beck von der Hochschule Koblenz erklärt, dass der Unterschied zwischen den Generationen gar nicht so groß ist wie oft angenommen. „Auch wenn Work-Life-Balance erst mit der jüngeren Generation ein Thema für die Unternehmen wurde, lässt sich heute feststellen, dass es zunehmend ein generationsübergreifendes Thema ist. Es ist das Ergebnis eines Lernprozesses mit der Eltern-Generation, verbunden mit einer eigenen Standortbestimmung und Zielprojektion.“

Doch die Generation Y ist die erste Generation, die tatsächlich Änderungen bewirken kann, denn sie hat Macht. „Nicht allein Work-Life-Balance steht in der Diskussion. Es geht vielmehr um ein generelles Werteverständnis und eine Werteorientierung unserer Gesellschaft, die nun die bisherigen Denk- und Handlungsweisen unserer Arbeitswelt auf den Prüfstand stellen. Und es ist der absehbare Fachkräftemangel, der der jungen Generation ‚Gehör‘ bei Arbeitgebern verschafft und Umdenkprozesse zumindest anstößt“, meint Prof. Beck, der die Studie wissenschaftlich begleitet hat.

Umdenken heißt auch, individueller auf die Bedürfnisse und Gewohnheiten der (potenziellen) Mitarbeiter einzugehen. Die Studie zeigt Trends, die – sofern sie im Unternehmensalltag integriert werden – auch direkt in der Bewerberansprache genutzt werden können. Facebook ist z. B. eher als Imagefaktor geeignet und wird für Karrierethemen von Studenten weniger genutzt. Karriereevents sind dagegen besonders bei Informatikerinnen beliebt, während Natur- und Geisteswissenschaftler dort eher selten anzutreffen sind.

Vertreter der Generation Y stellen im Jobkontext althergebrachte Systeme zur Disposition: Sie fordern Gleichwertigkeit von Beruf und Privatleben, flachere Hierarchien, mehr Autonomie. Die Ergebnisse der embrace-Studie beweisen, dass diese Forderungen über Geschlechts- und Fach-grenzen hinweg gelten und damit die Kraft besitzen, bisherige Arbeitsstrukturen gewaltig ins Wanken zu bringen.

Weitere Ergebnisse der Studie „Karriere trifft Sinn“:
Die junge Generation verlangt Revolutionierung der Arbeitswelt: Die embrace-Studie „Karriere trifft Sinn“ prognostiziert einen Paradigmenwechsel auf dem Arbeitsmarkt.