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Vitamin B: Heute nötiger denn je?

Katja Mayer 02.07.2012
Früher ging beim Berufseinstieg ohne Vitamin B, also Beziehungen, nicht viel. Insbesondere die aussichtsreichen Positionen waren ohne Empfehlung kaum zu erreichen. Heute hofieren Unternehmen jeden Bewerber, damit ihnen ja keine Nachwuchshoffnung durch die Lappen geht. Lohnt sich da Beziehungspflege für die berufliche Entwicklung überhaupt noch?

Gute Frage! Der Aufbau und Pflege eines Netzwerks ist schließlich ganz schön aufwändig: Da müssen Mitglieder nicht nur ausgewählt und eingeladen werden, du musst ihnen auch Aufmerksamkeit widmen und Nutzen bringen, damit sie dir gewogen bleiben.

Vitamin B und Netzwerken

Zehn Gründe, warum es sich unbedingt lohnt, zu netzwerken: 

Netzwerken gewinnt immer mehr an Bedeutung
Netzwerken gewinnt in der Arbeitswelt zunehmend an Bedeutung
  1. Jobvergabe
    Die richtig guten Jobs werden weiterhin bevorzugt unter der Hand vergeben, auf dem sogenannten versteckten Arbeitsmarkt. Und nicht nur die: Etwa zwei Drittel aller Stellen werden noch immer nur über persönliche Kontakte besetzt. Damit du auf sie Zugriff hast, musst du zur rechten Zeit am rechten Ort sein. Die Information, wo und wann das der Fall ist, kann dir nur ein gutes Netzwerk liefern.
  2. Echte Einblicke
    Über Dein Netzwerk erfährst du, wie es in den Unternehmen wirklich zugeht – bevor du dich bewirbst. So siehst du besser als auf jeder Bewertungsplattform hinter die Fassade des Personalmarketings und kannst feststellen, ob das Unternehmen wirklich das hält, was es verspricht.
  3. Zeitlicher Vorsprung
    Weil sich die technische Entwicklung weiter beschleunigt und wirtschaftliche Zyklen immer kürzer werden, entstehen immer mehr Stellen kurzfristig, wenn Angebot und Nachfrage zusammenpassen. Dass diese Stellen nicht von Dauer sein werden, versteht sich fast von selbst.
  4. Vertrauen wichtig
    In den schnelleren ökonomischen Zyklen kommt es auf die richtigen Menschen am richtigen Ort an. Nur, wer wirklich auf seine Mitarbeiter vertrauen kann, wird am Markt bestehen. Wenn du dann einem Unternehmer empfohlen wirst, verbessern sich deine Chancen deutlich.
  5. Gut informiert
    Dank deiner Kontakte bleibst du über die aktuellen Trends auf dem Laufenden, erfährst, wohin die Entwicklung in deiner Branche und deinem Unternehmen geht. So verpasst du nicht nur keine Chance zur Weiterentwicklung, sondern bekommst auch rechtzeitig mit, wenn die Zeit zum Abschied gekommen ist, weil dein Unternehmen die Trends verschläft.
  6. Nehmen und Geben
    Da Aufgaben immer komplexer werden, müssen Teams sich zunehmend gegenseitig unterstützen. Schließlich ist ein Team nur so stark wie sein schwächstes Glied. Damit hängt auch dein Erfolg davon ab, dass du andere bei ihrer Arbeit unterstützt. Gleichzeitig bindest du sie so in dein Netzwerk ein.
  7. Wichtig im Privaten
    Das gilt in zunehmendem Maße auch für das Zwischenmenschliche: Weil in wechselnden Projekten Menschen nur vorübergehend aufeinander treffen, wird gegenseitige Unterstützung – etwa bei der Suche nach Einkaufsmöglichkeiten oder der Unterstützung bei Behördengängen –  immer wichtiger. Das trainiert du übrigens nebenbei auch im Netzwerk.

Wir behaupten sogar, dass die Soft Skills künftig zu den bedeutendsten Eigenschaften für eine erfolgreiche Karriere gehören werden. Nur, wer sich (auch) für andere einsetzt, wird selbst weiterkommen. Einzelkämpfer dagegen sind zum Untergang verdammt.

Das steht jetzt natürlich im krassen Gegensatz zum Bild des Karrieristen, der in erster Linie seine Ellbogen einsetzt, um nach oben zu kommen. Nur: Dieser muss dann einen Löwenanteil seiner Zeit dafür aufwenden, seine Position zu verteidigen, wenn er oben angekommen ist. Und dafür bleibt angesichts der Beschleunigung in Zukunft keine Zeit mehr. Das macht diesen Typus zum Auslaufmodell.

Netzwerkpflege leicht gemacht  

Unterm Strich ist erfolgreiches Netzwerken gar nicht aufwändig: Vieles geht fast schon nebenbei und unterscheidet sich vom Aufwand her kaum von dem, was du mit deinen Freunden anstellst: Gemeinsame Zeit verbringen, reden, unterstützen.

Was du übrigens unbedingt auch weiterhin tun solltest. Denn deine Freunde und Kommilitonen sind ein optimaler Ausgangs- und Mittelpunkt deiner Netzwerk-Aktivitäten. Ebenso wie Profs, Arbeits- und Praktika-Kollegen bringen sie ihre aktuellen, aber auch alle künftigen Kontakte in dein Netzwerk ein – und dienen dir so als Multiplikatoren.

Wenn du diese Kontakte nachhaltig erschließen möchtest, solltest du diese Punkte beachten: 

  • Sei präsent: Egal ob in virtuellen Welten oder im realen Leben – zeige dich! Je aktiver du am Netz mitknüpfst, desto besser wirst du wahrgenommen. So schaffst du die Grundlage deiner beruflichen Entwicklung.
  • Pflege dein Netzwerk: Sei aufmerksam, zuvorkommend und höflich. Oft reicht es schon, wenn du Geburtstagsgrüße schickst, zu beruflichen Entwicklungen gratulierst oder dich nach dem Befinden erkundigst – Hauptsache, du zeigst, dass du deine Kontakte wertschätzst.
  • Mache dich nützlich: Versorge deine Kontakte mit Informationen, die ihnen nützen. Was das ist, erfährst du durch Nachfragen und Interesse zeigen. Wenn du ihnen so Nutzen bringst, werden sie auch dich unterstützen.
  • Übertreibe nicht: Keiner möchte fünf Dossiers mit „nützlichen“ Informationen pro Woche erhalten. Auch, wenn du mehrmals am Tag nach dem Wohlergehen fragst, könnte das aufdringlich wirken. Akzeptiere die Grenzen deiner Mitmenschen!

Das Wichtigste am erfolgreichen Netzwerken ist aber die Ausdauer. Investiere lieber pro Einsatz wenig Zeit und Energie, dafür aber langfristig – und immer wieder. Indem du dran bleibst und deine persönliche Vitamin-B Basis ausbaust, sorgst du für Kontakte, die dir oft nach Jahren noch nützlich sind. Denn, wie gesagt: Von guten Kontakten hängt dein beruflicher Erfolg ab – auch langfristig.

Redaktion: Katja Mayer mit Karrierebibel

Buchtipps: Andreas Lutz schrieb ein Praxisbuch Networking. Einfach gute Beziehungen aufbauen – Von Adressmanagement bis Xing.com. Aber auch diesen Tipp hier vom „Networking-Guru“ Keith Ferrazzi beherzigen erfolgreiche Netzwerker: Geh nie alleine essen! - es müssen ja nicht die Pommes sein ... Wenn du mehr über Keith erfahren willst, lese seinen Blog.