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Tischmanieren: Die wichtigsten Regeln auf einen Blick

Mit diesen Benimmregeln meisterst du jedes Geschäftsessen

Christian Focken 28.04.2017
Tischmanieren und Benimmregeln – klingt wie von gestern. Tatsächlich sind nur die Wörter ein wenig angestaubt. Ihre Bedeutung haben sie bis heute nicht verloren. Vom kleinen Knigge-Fehler bis zum großen Fauxpas: Mit schlechten Tischmanieren kannst du dich mächtig blamieren und im schlimmsten Fall sogar deiner Karriere schaden. Deshalb hier die wichtigsten Regeln für einen gelungenen Auftritt – nicht nur mit Messer und Gabel.
Business-Knigge: Tischmanieren
Die wichtigsten Regeln für einen gelungenen Auftritt bei Tisch

Wer bestimmt die Tischmanieren?

Tischmanieren sind keine Gesetze, bei deren Nichteinhaltung du dich schwuppdiwupp vor Gericht wiederfindest. Sie haben sich, wie Benimmregeln allgemein, über lange Zeit entwickelt und können landes- und regionenspezifisch deutlich voneinander abweichen. So besteht heute ein allgemeiner Grundkonsens darüber, wie man sich zu welchen Anlässen angemessen verhält. Anders gesagt: Auf einer Party kannst du dich natürlich gemütlich auf jeden Stuhl fläzen, ohne die Aufforderung des Gastgebers abzuwarten. Den Teller ablecken solltest du aber auch im engsten Freundeskreis nicht.

Die folgenden Tischmanieren beziehungsweise Benimmregeln sollen dich für ein klassisches Business-Essen in Deutschland fit machen. Wenn du die Antworten schon kennst, umso besser. Es schadet aber sicher nicht, sich die eine oder andere Knigge-Regel gelegentlich ins Gedächtnis zu rufen.

Ab wann darf man sich setzen?

Bei einem hochoffiziellen Anlass bleibst du so lange stehen, bis sich der Gastgeber setzt oder er die Gäste zum Setzen auffordert. Gehst du mit deinen Kunden nach einem langen Sitzungstag noch zum Griechen um die Ecke, kannst du die Reihenfolge beim Hinsetzen getrost missachten.

Wer fängt an zu trinken?

Wenn die Kehle trocken ist oder kratzt, darfst du natürlich einen Schluck Wasser trinken. Beim Wein wartest du aber ab, bis der Gastgeber das Glas erhebt und einen Toast ausspricht oder die Gäste zum Trinken auffordert.

Wie prostet man sich über Entfernung zu?

Mit Gläsern anstoßen geht nicht, wenn der andere weit weg sitzt. Und auch ein Rundlauf um den Tisch ist in den seltensten Fällen angebracht. Wenn du weiter entfernt sitzenden Personen zuprosten möchtest, hebst du das Glas in ihre Richtung, schaust sie an, nimmst einen kleinen Schluck, hebst das Glas noch einmal in ihre Richtung und stellst es wieder ab.

Wie hält man das Weinglas richtig?

Auch wenn der Griff zum Bauch des Glases verlockend ist, solltest du das Weinglas immer am Stil festhalten. So vermeidest du Fettflecken auf dem Glas und erhältst beim Anstoßen einen schönen Ton, vor allem bei hochwertigen Gläsern. Außerdem verhinderst du, dass deine Hand über längere Zeit den Wein erwärmt, was besonders einen kühlen Weißwein beeinträchtigen würde.

Welcher Wein passt zu welchen Speisen?

Wenn du zu hellem Fleisch oder Fisch einen Weißwein wählst und zu Wild und dunklem Fleisch einen Rotwein, liegst du auf jeden Fall richtig. Diese alte Regel wird aber zunehmend aufgeweicht und ersetzt durch: Wähle den Wein, der dir schmeckt. Wäre ja auch zu schade bei den oft stolzen Preisen.

Wann kann man mit dem Essen anfangen?

Schon halb fertig sein, wenn die anderen kaum sitzen? Das ist ausgesprochen unhöflich. Wie beim Trinken des Weins gilt auch für den Startschuss beim Essen: Der Gastgeber eröffnet das Essen offiziell, zum Beispiel mit Aufforderung: „Greifen Sie zu und lassen Sie es sich gut schmecken!“ Bei einem Menü mit mehreren Gängen, die am Tisch serviert werden, gilt das übrigens für jeden Gang. Anders sieht es bei einem Buffet aus. Hier kommt es selten so, dass alle im gleichen Tempo die Suppe, den Salat oder die Hauptspeise zu sich nehmen. Ein zeitversetzter Start ist also vollkommen normal. Allerdings solltest du darauf achten, nicht im Formel-1-Tempo durch das Buffet zu sausen und dir bereits den Nachtisch aufladen, während andere gerade den Suppenlöffel aus der Hand legen.

Wie sieht die perfekte Sitzhaltung am Tisch aus?

Schick ist in Deutschland, wenn beide Hände auf dem Tisch zu sehen sind. Wenn du mit der rechten Hand zum Beispiel eine Suppe löffelst, sollte die linke Hand bis zum Handgelenk auf dem Tisch liegen. Für das Auflegen des ganzen Unterarms oder das Aufstützen mit dem Ellenbogen gibt es bei einem peniblen Blick auf deine Haltung Punktabzüge. Anders als in skandinavischen oder angelsächsischen Ländern soll die Hand, die nicht im Essenseinsatz ist, nicht im Schoß ruhen, empfehlen die Knigge-Experten hierzulande. Deinen guten Gesamteindruck rundest du mit einer aufrechten Sitzhaltung ab. Speisen, die dir beziehungsweise deinem blütenweißen Hemd mit fiesen Flecken drohen, erlauben, dass du dich dem Teller etwas weiter mit dem Kopf näherst. Trotzdem darfst du nicht fünf Zentimeter über der Suppe hängen. Nimm lieber etwas weniger auf den Löffel, streiche ihn bei Bedarf an der Unterseite ab und führe ihn entsprechend vorsichtig zum Mund.

Was darf man mit der Serviette machen?

In erster Linie sollst du dir mit der Serviette bei Bedarf den Mund abtupfen. Das ist etwa empfehlenswert, wenn du Speiseflecken an deinem Wasser- und Weinglas vermeiden möchtest. Benutze am besten die Innenseite, so dass die Speisereste nicht sichtbar sind oder deine Hose verschmutzen, denn während des Essens liegt die Serviette teilaufgefaltet auf deinem Schoß. Die Serviette aus Angst vor der Spaghetti-Soße in den Hemdkragen zu stecken, ist zwar nachvollziehbar, aber nicht angesagt. Ebenso solltest du die Serviette nicht zum Naseputzen oder Ähnlichem zweckentfremden – außer es liegt ein „Notfall“ vor. Musst du zwischendurch aufstehen, legst du die Serviette locker gefaltet links oder rechts neben deinen Teller. Hast du das gemeinsame Essen beendet, legst du die Serviette gefaltet neben den Teller.

Wie nutzt man das Besteck richtig?

Wer Messer und Gabel mit der Faust umklammert und so Speisen zerteilt und zum Mund führt, macht keinen guten Eindruck. Mach es besser: Fasse das Besteck eher leicht auf rund zwei Drittel des Griffes an. Die Gabel gehört in die linke Hand, das Messer in die rechte – Linkshänder dürfen es entgegensetzt machen.

In welcher Reihenfolge wird Besteck benutzt?

Immer von außen nach innen. Steht als Erstes eine Suppe auf dem Menüplan, liegt der Löffel also rechts außen vom Messer. Links vom Teller befinden sich die Gabeln, oberhalb das Dessertbesteck. Ist der Hauptgang beendet und befindet du dich in einem „besseren“ Restaurant, kann es sein, dass der Kellner das Dessertbesteck beim Servieren des Desserts links und rechts davon neu anordnet. 

Was bedeutet die „20 nach 4“-Stellung?

Den Teller leer zu essen, ist gut. Dabei laute Kratzgeräusche zu machen, nicht. Bist du noch nicht fertig, legst du das benutzte Besteck in der Stellung „20 (Gabel) vor 4 (Messer)“ auf den Teller. Bist du mit dem Essen fertig, legst du das Besteck parallel in der Stellung „20 nach 4“ ab. Bei einem Buffet beendest du so auch die verschiedenen Gänge. Das alte Besteck sollte in der Zwischenzeit abgeräumt werden, während du für die nächsten Speisen einen neuen Teller und neues Besteck holst. Wie schon gesagt: Hier geht es um formelle Business-Anlässe. Auf einer Party darfst oder solltest du natürlich den Geschirr- und Besteckeinsatz nicht in die Höhe treiben.

Sollen Spaghetti gegen den Löffel aufgerollt werden?

Kannst du gern machen und ist in Deutschland absolut üblich. Natürlich geht es auch mit der Gabel allein. So machen es die Italiener. Dabei werden die Spaghetti gern gegen den Tellerrand aufgerollt. Achte darauf, nicht zu viele zu nehmen. Sonst wird das Knäuel auf deiner Gabel zu groß.  

Darf man sein Essen nachwürzen?

Ja. Dafür stehen Salz und Pfeffer auch auf dem Tisch und die Geschmäcker sind in der Salz-Frage bekanntlich sehr verschieden. Bist du privat, aber trotzdem in einem formalen Rahmen eingeladen, zum Beispiel bei deinem neuen Chef, ist es wohl eher angebracht, das Menü zu nehmen, wie es ist. Es sei denn Salz und Pfeffer stehen auf dem Tisch und du wirst aufgefordert, bei Bedarf nachzuwürzen.

Wieviel Reste dürfen auf dem Teller bleiben?

Am besten so wenig wie möglich. Das ist ein untrügliches Zeichen, dass es dir wirklich gut geschmeckt hat. Bevor du aber etwas herunterwürgst, was du nicht magst, lass es lieber liegen. Hast du Zweifel, wie offen du sein darfst, entschuldige dich mit einem geringen Appetit. Dass man einen Teil der Speisen unberührt auf dem Teller lässt, um auszudrücken „Ich bin satt“ ist heutzutage wohl weniger angesagt und mit Blick auf die Wertschätzung von Lebensmitteln auch der falsch Weg.

Wie weit wird die Suppe ausgelöffelt?

Soweit du kommst, ohne den Suppenteller anzuheben. Wird die Suppe in einer Henkeltasse serviert, kannst du diese anheben und die Suppe austrinken. Bist du fertig, legst du den Löffel auf die Suppenuntertasse oder in die „20 nach 4“-Stellung, wenn die Unterasse wie bei einem flachen Teller fehlt.

Darf man die Kartoffel zerquetschen?

Hmmh – hat euch das eure Großmutter verboten oder hat sie es selbst gemacht, um die leckere Soße aufzunehmen? Knigge-Experten empfehlen, Kartoffel und Knödel nicht zu Brei zu mantschen. Große Kartoffeln könnt ihr aber getrost mit Messer oder Gabel zerkleinern. Ihr erhaltet so mundgerechte Stücke und könnt sie mit genügend Soße verfeinern.  

Wann isst man mit den Händen?

Schaut euch auf dem Tisch um. Stehen dort kleine Schalen mit warmen Wasser und Zitronenstücken, ist das ein untrügliches Zeichen für Fingerfood am Tisch. Lasst euch einfach überraschen, was gereicht wird.

Darf Fleisch in kleine Stücke geschnitten werden?

In Deutschland ist es nicht Usus, das Fleisch zu Beginn in mundgerechte Portionen zu zerteilen – außer man füttert kleine Kinder ;-) In einem formellen Umfeld schneidet ihr deshalb nur so viel Fleisch ab, wie er ihr jeweils mit dem nächsten Bissen verspeisen könnt. 

Darf man Soße mit Brot auftunken?

Wenn sich noch viel (leckere) Soße auf dem Teller befindet, kannst du etwas davon mit Brot auftunken. Blankputzen solltest du deinen Teller aber nicht und im Idealfall hast du den Großteil der Soße zuvor mit den Beilagen aufgenommen.

Wo steht der Brotteller?

Oft gibt es vorab oder zu einem der Gänge Brot. Ist dafür ein eigener kleiner Brotteller vorgesehen, so sollte er links von deinem Hauptteller stehen und darf entsprechend von dir in Beschlag genommen werden.

Und wie steht es mit dem Tellerablecken?

Wer noch nie seinen Teller abgeleckt hat, der möge nun die Hand heben. Macht ja auch Spaß und ist lecker. Sicher würdest du nie auf die Idee kommen, dass bei einem Geschäftsessen zu machen. Warum also dieser eigentlich überflüssige Tipp? Weil Teller ablecken einfach so herrlich schrill und total schräg wäre – allein die Vorstellung, wie dich alle anschauen ... ;-)

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