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Studieren in Marburg

Die Studentenstadt

Christian Focken 01.09.2017
Marburg ist eine hessische Stadt mit 74.000 Einwohnern, die stark durch das Uni-Leben geprägt wird. Über 25.000 Studenten und gut 4.500 Uni-Angestellte arbeiten und leben in Marburg. Zu einem geflügelten Spruch wurde deshalb: „Andere Städte haben eine Universität – Marburg ist eine“. Kein Wunder, dass die Philipps-Universität Marburg auch größter Arbeitgeber der Stadt ist.
Foto aus der Altstadt von Marburg.
In der malerischen Altstadt (Oberstadt) von Marburg findest du viele Kneipen.

Historische Altstadt

Landschaftlich haben Marburg und das Umland einiges zu bieten. Die Stadt liegt in einer waldreichen und hügeligen Region und so müssen Studenten in Marburg täglich einige Höhenmeter machen, wenn sie im Stadtgebiet unterwegs sind. Wer es bequemer mag, nutzt  einen der Aufzüge in die Oberstadt beziehungsweise Altstadt. Dort findest du fast nur urige Fachwerk-Bauten und das historische Rathaus. Unweit davon liegt die ehemalige Kilianskapelle. Sie wurde zwischen 1180 und 1200 erbaut und gilt als ältestes erhaltenes Gebäude in der Marburger Kernstadt.

Vom Turm zum Schloss

Malerisch wirkt auch der Spiegelslustturm. Der zwischen 1887 und 1890 erbaute, 36 Meter hohe Aussichtsturm befindet sich östlich der Stadt in den Lahnbergen. Bis zur Spitze musst du 167 Stufen erklimmen. Seinen Namen verdankt der eigentlich Kaiser-Wilhelm-Turm heißende Bau der angrenzenden Gaststätte Spiegelslust, von der du einen tollen Blick auf die Stadt und das Marburger Schloss hast. Bist du abergläubisch? Dann solltest du den Spiegelslustturm nicht vor dem Ende deines Studiums in Marburg besteigen. Ein Märchen besagt nämlich, dass man sonst seinen Abschluss nicht bekommt. ;-) Neben dem Schloss zählt die Elisabethkirche zu den herausragenden Gebäuden Marburgs. Die erste rein gotische Kirche auf deutschem Boden diente sogar dem Kölner Dom als Vorbild. Im Winter kannst du rund um die Kirche einen von zwei Marburger Weihnachtsmärkten genießen.

Mit dem Bike die Lahn lang

Durch Marburg fließt die Lahn. Hier kannst du zu Füßen des Schlosses und der Altstadt eine beliebte Fahrradtour starten. Der Lahn-Radweg bis nach Braubach nahe Koblenz gilt schon als Klassiker. Auf einem sechs Kilometer langen Abschnitt liegt ein Planetenlehrpfad, der 1995 als weltweit erster seiner Art eröffnet wurde. In den nahen Lahnbergen findest du zudem zahlreiche Wanderwege und an heißen Sommertagen kannst du dich an einigen Baggerseen der Region abkühlen und erholen. Möchtest du schnell ein paar Schritte im Grünen machen, bieten sich auch die drei bekannten Parks der Stadt an, der Schlosspark, der Botanische Garten und der alte Botanische Garten.

Die Philipps-Universität

Im Botanischen Garten sind auch die naturwissenschaftlichen Fächer der Philipps-Universität zu Hause. Er zählt mit 20 ha zu den größten Anlagen seiner Art in Deutschland und beheimatet das 1.700 m2 große Tropen- und Subtropenhaus. Die Uni selbst wurde 1527 von Landgraf Philipp dem Großmütigen als erste protestantische Universität der Welt gegründet. Heute vereint sie laut eigener Aussage als traditionsreichste hessische Hochschule Spitzenforschung mit beispielhafter Nachwuchsförderung und attraktiven Studiengängen. Die wissenschaftlichen Schwerpunkte bilden Infektions- und Tumorforschung, synthetische Mikrobiologie, Materialwissenschaften, kognitive und angewandte Neurowissenschaften, die Untersuchung von Sprachdynamik, die Forschung zu Biodiversität und Klima sowie Konfliktforschung.

16 Fachbereiche, 123 Studiengänge

Du hast die Wahl zwischen 16 Fachbereichen und 123 Studiengängen, darunter u.a. 29 Bachelor- und 58 Master-Studiengänge. Die Unigebäude verteilen sich über das Stadtgebiet, einen klassischen Campus gibt es nicht. 360 Professoren und 2.465 wissenschaftliche Mitarbeiter kümmern sich aktuell um das akademische Wohl der über 25.000 Studenten. Im Sommersemester 2017 stellten die Mediziner (3.190) das größte Kontingent, gefolgt von den Mathematikerin/Informatikern (2.920) und den Studenten aus dem Fachbereich Gesellschaftswissenschaften/Theologie (2.477). Die Philipps-Universität unterhält zur University of Kent (Vereinigtes Königreich) sowie den Hochschulen in Zhejiang Daxue und  Tongji Daxue (beide China) strategische Partnerschaften, zudem ERASMUS+-Kooperationen zu Hochschulen in 27 Ländern Europas.

Die Mensa von Marburg

Hast du mal nicht nur Hunger auf Bildung, stehen dir zwei Mensen und einige Cafeterien offen, die das Studentenwerk unterhält. Dabei ist die Menü-Linie „mensaVital“ „ganz speziell auf den Energiebedarf eines Erwachsenen mit sitzender Tätigkeit“ zugeschnitten. Vegetarier kommen auch auf ihre Kosten und aktuell steht mittwochs auch ein veganes Gericht auf dem Speiseplan. Salat aus der Region, hausgemachtes Dressing, saisonales Gemüse sowie die Absage an Convenience-Schnitzel zeigen laut Studentenwerk, dass hier Kochen noch echte Handarbeit ist.

Essen und Feiern in Marburg

Sonja studiert in Marburg
Sonja

Außerhalb der Uni findest du zahlreiche Cafés, Kneipen und Restaurants, um deinen Heißhunger zu stillen. Vom Kneipenduo Delirium und Frazzkeller genießt du einen tollen Blick auf den Botanischen Garten. Das Hinkelstein besticht durch sein legendäres Kellergewölbe. Im Auflauf gibt’s – neben Aufläufen – auch Unterhaltung auf einer Kleinkunstbühne im Keller. Und wenn du auf Torten stehst, solltest du unbedingt die Konditorei Vetter besuchen, meint Sonja, die für uns den Marburg-Fragebogen ausgefüllt hat. Feiern kannst du auch in Marburg gut auf den Partys der Fachbereiche. Reichlich Platz zum Tanzen bieten zudem das Trauma beim Donnersdance (jeden Do.) sowie der Nachtsalon am Bahnhof.  Zum Entspannen und Picknick zieht es viele Studenten auf die Lahnwiesen, besonders im Sommer. Auch Grillen ist dort erlaubt.

Shoppen und Kultur in Marburg

Sonja über ihre Uni-Stadt Marburg

Name: Sonja Schröder

Studienort, Uni, Fach: Marburg, Philipps-Universität Marburg, B.A. Sprache und Kommunikation

Wieso hast du dich für Marburg entschieden? Ich habe mich überall in Deutschland beworben, aber so richtig Lust auf eine Großstadt hatte ich nicht. Meine Eltern haben beide in Marburg studiert, daher wusste ich, dass man hier alles für das perfekte Studentenleben findet – und alles, was fehlt, findet man in Gießen oder Frankfurt.

Wo treffen wir dich an, wenn du nicht in der Uni bist? In den Cafés und Kneipen, in meiner WG oder den WGs meiner Freunde.

Welchen Hotspot würdest du uns zeigen? Zu Semesterzeiten hat man das Gefühl, ganz Marburg ist ein einziger Hotspot. Ich würde eine Kneipen-Tour durch die Oberstadt vorschlagen. Da sieht man viele kleine, schiefe Fachwerkhäuser, lustige Gesichter und lernt meistens auch irgendwen kennen.

Wo gehst du am liebsten essen oder Kaffee trinken? In der Konditorei Vetter. Klingt oldschool, ist es auch. Aber da gibt es einfach die beste Tortenauswahl.

Wie bewertest du eure Mensa? Ist OK. Die Tagesgerichte sind preiswert, die Portionen sind groß und die Beilagen kann man selber wählen.

Was ist deine Lieblingskneipe/dein Lieblingsclub? Klar das Sudhaus! Da kann man richtig gut versacken. Früher war es in der Nähe vom Markt in einem alten Fachwerkhaus über zwei Etagen. Schön verwinkelt und mit niedrigen Decken, richtig urig. Vor ein paar Jahren ist es in die Nähe der Elisabethkirche umgezogen. Die Räume sind größer, aber die Pommes weiterhin die besten der Stadt.

Wo sollte ein Student in Marburg wohnen? Auf jeden Fall in einer WG und zwar am besten mit Leuten, die etwas anderes machen als man selbst.

Wie und wo wohnst du? In einer 3er WG am Ende der Ketzerbach.

Welche Nebenjobmöglichkeiten bietet Marburg? Ich glaube, in Marburg hat jeder schon einmal irgendwo gekellnert. Dadurch, dass die Uni so groß ist, gibt es aber auch richtig viele SHK-Stellen.

Was zeichnet die Einwohner von Marburg aus? Die Studenten sind ein buntes Völkchen. Da findet man alles: von Normalos zu richtigen Paradiesvögeln. Von den Einheimischen bekommt man ehrlich gesagt nicht so viel mit.

Welche Erfahrung aus deinem Studentenleben in Marburg wirst du nie vergessen? Im Winter ist ein paar Mal die Heizung ausgefallen. Zur Reparatur wurde dann immer der Sohn der Vermieter gerufen. Der zwar Fachmann war, aber wenig Zeit hatte. So lagen wir so manche Nacht mit Mütze und mehreren Decken im Bett – oder haben bei Freunden übernachtet.

Beschreibe deine Uni-Stadt in wenigen Worten: klein, schief, bunt

Wieso würdest du das Studentenleben in Marburg empfehlen? Marburg bietet alles: Party, günstige Kneipen, Kultur, politisches Engagement, Natur, viele verschiedene Studiengänge, ein Semesterticket, mit dem man auch IC fahren kann, und und und … Wem das nicht reicht, der kann einfach in die nächsten Städte fahren.

Marburg ist keine Großstadt, bietet dir aber trotzdem einige Shopping-Möglichkeiten. In der Oberstadt findest du viele kleine Ladengeschäfte. Im Schlossberg-Center am Fuße des Schlossbergs sind aktuell knapp 20 Shops zuhause. Als aktive Unistadt hält Marburg viele Kulturangebote im Uniumfeld für dich bereit. Konzerte, Vorlesungen, Theateraufführungen und vieles mehr. Daneben gibt es mehrere Theater, drei Kinos sowie einige Museen.

Wohnen in Marburg

Wenn du einen der 2.100 Wohnplätze ergattern möchtest, die das Studentenwerk in verschiedenen Wohnheimen/-anlagen im Stadtgebiet unterhält, musst du dich online bewerben. Auf der Seite vom Studentenwerk findest du auch eine Privatzimmerbörse, auf der Marburger Bürger Gästezimmer für neu hinzugezogene Studenten als Übergangslösung anbieten. Ansonsten gilt wie in vielen Unistädten: freier Wohnraum ist knapp. WG-Zimmer sind die am häufigsten genutzte Wohnform. Da die Stadt nicht groß ist, du vieles fußläufig erreichen kannst und auch Nachbargemeinden über den Busverkehr gut angebunden sind, kannst du deine Suche bei Bedarf auf das ganze Stadtgebiet bzw. die nahe, umliegende Region ausdehnen. Tipp: Schau dir auch die Zimmer-Angebote unter www.marbuch-verlag.de an.

Fahrrad mieten in Marburg

Beim ÖPNV setzt Marburg auf Busse. Alternativ bietet sich das Rad an. Wegen des Terrains sollte es besser ein Bike mit vielen Gängen sein. Falls du kein eigenes Fahrrad hast, um von A nach B zu kommen: In Marburg kannst du dich über den Asta für das Fahrradverleihsystem Call a Bike registrieren lassen. Du kannst die Fahrräder eine Stunde am Stück kostenlos nutzen und zahlst erst danach 0,08 Cent pro Minute bei maximal 9 Euro für 24 Stunden. Das System finanziert sich aus dem Semesterbeitrag aller Studierenden. Fällt dir in Marburg dann mal so richtig die Decke auf den Kopf fällt, bleibt die Fahrt in die nächste Großstadt. Mit dem IC, den du mit dem Semesterticket fahren darfst, bist du in 1,5 Stunden in Frankfurt.