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Streetfood-Märkte: ein Business-Modell der besonderen Art

Warum man sich den Besuch eines solchen Marktes nicht entgehen lassen sollte

Kim kostet sich durch den Streetfood Markt
Kim kostet sich durch den Streetfood Markt
Im vergangenen Jahr haben Streetfood-Märkte langsam die deutsche Hauptstadt erobert. Geprägt sind sie von einer ganz speziellen Atmosphäre. Auf abgelegenen Industriegeländen fühlt man sich in das längst vergangene industrielle Zeitalter zurückversetzt und hat die Möglichkeit, Essen aus aller Welt zu probieren. Doch dahinter steckt auch ein kluges Geschäftsmodell.  Was macht Streetfood-Märkte so besonders, und warum sollte man sich den Besuch eines solchen Marktes nicht entgehen lassen?

Ein Markt – ein Lebensgefühl

Knapp einen Monat bin ich nun in Berlin und von Beginn an fasziniert von den vielen unterschiedlichen Restaurants und Kulturen, die das Straßenbild in Kreuzberg prägen. Während meiner ersten Erkundungstour verschlug es mich zu dem Gelände der Neuen Heimat. Betritt man diesen noch eher neuen Markt, der jeden Sonntag von 12 bis 22 Uhr geöffnet ist (Ideale Uhrzeit, wenn man die Nacht vorher Mal wieder lange feiern war!), so ist es, als beame man sich zurück in eine andere Zeit. Das alte Industriegelände liegt ein wenig abgelegen und wirkt etwas abgeranzt. Stände mit internationalen Gerichten und solche, die mit ihren Second Hand Angeboten an schnuckelige Flohmärkte erinnern, laden zum Stöbern und Verweilen ein. Zwischendurch erfreuen sich die Besucher einer authentischen Reggae-Darbietung oder anderer Kunstperformances. Für mich als Neu-Berlinerin, vermitteln die Leute dort ein gewisses chilliges Lebensgefühl – ein Gefühl, von dem man sich einfach treiben lassen möchte.

Die Besonderheiten des Geschäftsmodells

Neuer Trend in Berlin: Streetfood Märkte
Neuer Trend in Berlin: Streetfood Märkte

In anderen großen Städten der Welt gehören Streetfood-Märkte schon seit Längerem fest dazu: In Asien sind sie ganz normal, in den USA wurden sie vor einigen Jahren genauso Trend wie nun bei uns. Und eigentlich ist es kein Wunder, dass diese  Märkte sich in Deutschland zunächst in Berlin etablieren. Berlin ist die Stadt, in der Leute sich ausprobieren und kreative Projekte wagen. Das passt zu den Vorteilen, die das Geschäftsmodell der Streetfood-Märkte bietet.

Wer schon mal eine Wohnung in einer Großstadt gesucht hat, der weiß, dass einem bei der Miete nichts geschenkt wird – und je näher man am pulsierenden Kern leben möchte, umso teurer wird es häufig. Bei großen Geschäftsräumen, die zum Beispiel für ein Restaurant geeignet sind, reden wir da gleich von einer ganz anderen Größenordnung. Die hohen Kosten kann man durch die Wahl abgelegener, ungenutzter Industriegelände als Geschäftsstandort reduzieren, denn die Standgebühren auf einem Markt sind deutlich geringer. Dazu kommt, dass man nicht mehr tagtäglich von frühmorgens bis spätabends selbst in der Küche stehen oder Köche und Servicepersonal beschäftigen muss. Die Lebensqualität der Geschäftsführenden steigt, die Personalkosten sinken. So haben auch Menschen mit kleinem Budget die Möglichkeit, ihren Traum von einer selbstständigen Tätigkeit in der Gastronomiebranche zu leben.

Ernährungstrends

Trend in Berlin: Streetfood Markt
Allgäuer Kässpatzen auf dem Streetfood Markt

Neben Angeboten aus aller Welt findet man auf den Märkten aber auch Angebote, die aktuelle Entwicklungen in der Ernährungsweise widerspiegeln. Bio, vegan oder Slow-Food – all diese Trends sind auf den Streetfood-Märkten zu Hause – und nicht einer scheint fehl am Platz zu sein. Die Besucher sind oft auf der Suche nach dem Neuen und Ungewohnten, und stehen solchen Entwicklungen daher offen gegenüber. Somit bieten die Märkte eine ideale Plattform für junge, ausgefallene Ideen und die Etablierung neuer Ernährungstrends.

„Nur“ Markt war gestern

Wer aber denkt, dass eine außergewöhnliche Location und das vielfältige Angebot schon alles sind, hat sich getäuscht. Während tagsüber eine gemütliche Atmosphäre herrscht, geht es auf vielen Märkten gegen Abend erst richtig los. Konzerte, Partys und Jam Sessions sind keine Seltenheit. Es kann also nicht nur getrunken, gegessen und gechillt werden, sondern auch getanzt.

Diese Vielfalt wissen viele Leute zu schätzen. So muss man an einem Donnerstagabend in der Markthalle IX in Kreuzberg mittlerweile mit mehr als 10.000 Besuchern rechnen. Da dauert es schon einmal länger, bis man eine der kulinarischen Köstlichkeiten in den Händen hält. Aber das ist diese Erfahrung definitiv wert!