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Stilberatung für Männer – ein Besuch beim Herrenausstatter

Der Gentleman. Sein bestes Schwert: überzeugende Rhetorik. Sein bestes Pferd: tadellose Manieren. Sein Siegestrunk: Lagavulin, 16 Jahre. Seine beste Rüstung: der maßgeschneiderte Anzug. Und wo gibt es die perfekte Stilberatung? Beim Herrenausstatter! 

Bei diesem besonderen Gefährten auf meinem Weg zum Gentleman war ich zu Besuch – was sich folgendermaßen ereignete:

Benjamin und Sam stehen nebeneinander.
Benjamin (links): Store Manager, Schneider und Stilberater.

In einer der weiter hinten gelegenen Winkel der Hackeschen Höfe stieß ich an einem milden Sommerabend auf eine Boutique mit dem Namen „Herr von Eden“. Ein schöner Name, dachte ich bei mir und betrat mit hohen Erwartungen an eine perfekte Stilberatung für Herren in den Laden, um zu schauen, welcher Anzug als meine Rüstung taugen könnte.

Benjamin empfing mich herzlichst. Er ist Store Manager, Schneider und Stilberater für Herren in einem. Nach einem kurzen Blick auf die neuen Stoffe und Schnitte empfahl er drei Anzüge in Olivgrün, dunklem Rot und klassischem Blau – völliges Neuland für mich. Bisher hielt ich nur Schwarz und Grau für eine kluge Wahl. Ein Fehler, wie sich zeigen sollte.

Benjamin rückt Sam die Weste zurecht.
Die Weste? Passt!

Anzüge passen selten auf Anhieb perfekt. Meist müssen sie gestrafft, verkürzt, verlängert, verschmälert oder auch geweitet werden. Nicht jedoch hier. Benjamin stellte mir sogar verschiedene Hemden und Hosenträger in Ermangelung eines Gürtels zu Verfügung, schließlich war ich unvorbereiteter Anfänger. Die erste Anzugkombination aus Jackett und Hose saß auf Anhieb ohne Nachschneiderei oder sonstige Anpassungen – keine Falten am Rücken, keine hängenden Schultern, nichts.

Der geschulte Blick des Ausstatters entspannte sich jedoch nicht. Hier ein wenig gezupft, dort eine Falte weggestrichen. Etwas an der Fliege gerückt und ein Fussel entfernt. Schließlich gab es ein zufriedenes Nicken von Benjamin und da stand ich nun: Sam der Gentleman.

 

Benjamin bindet Sam eine Fliege.
Benjamin weiß genau, wie man eine Fliege bindet.

Herrenausstatter wissen, was Mann braucht. So werden Kunden möglichst viele Mühen abgenommen – wie etwa das Suchen passender Einstecktücher. Dieses Schauspiel vollzog sich bei jedem der anderen Anzüge, inklusive mehrerer Variationen aus Westen, Hemden, Hosenträgern, Fliegen, Krawatten und tatsächlich auch Mützen. Bei der Wahl jedes einzelnen Stücks hilft der stilsichere Herrenausstatter, wo es nur geht: Sei es das Aufschneiden der Brusttaschen, um dem Einstecktuch Platz zu machen, oder das richtige Schnüren der Fliege (ein Glück) – der Herr von Eden wusste, was er tat.

Sam nimmt sich ein Getränk
Den Kunden erwartet eine große Auswahl an Erfrischungen.

Als Erfrischung werden nebst Wasser auch ausgewählte Spirituosen angeboten. An Stelle von langweiliger Fahrstuhlmusik gab es klassischen Hip-Hop, der wunderbar zum Ambiente beitrug.

 

 

 

Jacket auf Kleiderbügel mit dem Schriftzug "Herr von Eden".
Die Boutique trägt den Namen „Herr von Eden“.

Herr von Eden - vielmehr ein Erlebnis als eine Schneiderei, wie ich feststellen musste. Jetzt muss ich nur noch mein Selbstbewusstsein dazu bringen, dass ich die Anzüge im Alltag auch gebührend trage – eine Vorstellung die mich fesselt. 

 

 

An dieser Stelle reicht es zu wissen, dass die Rüstung bereit liegt, der treue Compagnon bereitsteht, und Zweifel am Stil die seine Sorge sein lässt.