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Sieben Mythen der modernen Arbeitswelt: Was steckt dahinter?

Pauschalaussagen nicht einfach glauben

Melanie Pölking 22.04.2013
Die Arbeitswelt ist voller moderner Mythen darüber, was für die Karriere entscheidend sei und welcher Weg nun definitiv ins Abseits führe. Oft genug handelt es sich dabei aber um Einzelmeinungen, die es sich lohnt, zu hinterfragen. Denn schließlich kann man gerade in der Arbeitswelt nicht alles über einen Kamm scheren und erst Recht nicht Pauschalaussagen dazu machen.

Wenn du all diese Arbeitsweltmythen zur modernen Arbeitswelt für bare Münze nimmst, blockierst du damit vielleicht deinen beruflichen Werdegang. Besser also, du informierst dich vorab, welche Aussagen  wirklich stimmen. Die sieben populärsten Karriereleitsätze haben wir für dich genauer unter die Lupe genommen:

1. Ohne Vitamin B keine Karriere

Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat gezeigt, dass rund 40 Prozent der offenen Stellen über Beziehungen vergeben werden. Damit ist das Netzwerken zwar die erfolgreichste Einzelstrategie, der Großteil der offenen Stellen wird aber nach wie vor über die klassischen Kanäle - Stellenanzeigen, Jobmessen, Jobbörsen und Personaldienstleister - vergeben. Es besteht also kein Grund zur Verzweiflung, wenn du keine passenden Kontakte hast, die dich bei der Stellensuche unterstützen. Die kannst du in aller Ruhe nebenbei aufbauen, während du die anderen Bewerbungskanäle nutzt.

2. Allein die Leistung zählt

Glück in der modernen Arbeitswelt
Geld macht nicht glücklich? Eben doch!

Personaler wollen uns und sich selbst manchmal glauben machen, dass sie sich bei Einstellungen und Beförderungen nur von den Erfolgen des Aspiranten leiten lassen. Ganz so ist es aber nicht: Sympathie und Chuzpe spielen oft die entscheidende Rolle. So gibt forsches Auftreten im Vorstellungsgespräch, wie Laurie A. Rudman herausgefunden hat, oft den Ausschlag. Auch Schönheit und markant-männliches Aussehen – zum Beispiel eine Glatze – sind dem Aufstieg förderlich. Einmal mehr wird hier die These bestätigt, dass man (und frau) nicht nicht kommunizieren kann. 

3. Geld macht nicht glücklich

Aber sicher doch! Zumindest bis zu einem Nettoeinkommen von 5000 Euro im Monat steigt die Arbeitszufriedenheit parallel zum Einkommen an, wie der Glücksforscher Karlheinz Ruckriegel bei seinen Studien festgestellt hat. Und bis zu diesem Monatsgehalt ist bei den meisten Menschen noch viel Luft. Einfluss darauf, ob Geld glücklich macht, hat außerdem die Religiosität der Umgebung: Je geringer die ausgeprägt ist, desto mehr trägt Reichtum zum Wohlbefinden bei, wie wiederum ein Forscherteam der Humboldt-Universität um Jochen Gebauer zeigen konnte.

4. Arbeit ist nicht zur Selbstverwirklichung da

Da ist was dran. Wer sich (nur) über seinen Job definiert und womöglich sogar das Hobby zum Beruf macht, riskiert eine tiefe Sinnkrise, wenn er seine Stelle verliert. Obendrein sorgt der sogenannte Korrumpierungs-Effekt dafür, dass die Freizeitbeschäftigung entwertet wird, wenn plötzlich Geld fließt. Das liegt daran, dass die intrinsische Motivation durch einen extrinsischen Anreiz ersetzt wird, wie David Mac Raney in seinem Blog schreibt. Hat die Arbeit allerdings gar nichts mit den eigenen Werten und Zielen zu tun, wird sie also als sinnfrei erlebt, sinken Zufriedenheit, Motivation und Produktivität der Betroffenen ebenfalls, wie Gallup herausgefunden hat. Hier ist der beste Rat, die goldene Mitte zu finden.

5. Stress im Job macht krank

Das ist nur die halbe Wahrheit: Ob Stress krank macht, hängt in erster Linie davon ab, wie er empfunden wird, schreibt der Management-Professor Timothy Judge in seiner Studie. Tatsächlich gesundheitsschädlich ist in der modernen Arbeitswelt der sogenannte Distress, der von den Betroffenen als belastend empfunden wird. Die Folgen davon sind chronische Verspannungen, Bauch- und Kopfschmerzen bis hin zu ernsthaften Herz-Erkrankungen, Depressionen oder einem Burn-Out, wie die DAK in ihrem Gesundheitsreport schreibt. Motivierend dagegen ist der sogenannte Eustress, der Menschen zu immer neuen Höchstleistungen motiviert. Dank des Flow Konzepts des Psychologieprofessors Mihály Csíkszentmihályi wissen wir, dass Menschen immer dann optimal arbeiten, wenn sie genau zwischen Über- und Unterforderung arbeiten – steigen Fähigkeit und Anforderung gleicher Maßen, wird das eigene  Potenzial dadurch ausgebaut.

6. Kein Aufstieg ohne Weiterbildung

Balanceakt
Am besten arbeiten Menschen im Bereich zwischen Überforderung und Unterforderung.

Einer Studie der Deutschen Universität für Weiterbildung (DUW) zufolge glauben 56 Prozent der Deutschen, dass Fortbildung zwingend notwendig ist, um beruflich weiterzukommen. De facto rentiert es sich aber nur, jene Fähigkeiten auszubauen, die sich direkt im Job einsetzen lassen – und das auch nur, wenn du eine Fachkarriere anstrebst, bei der die jeweils nächste Karrierestufe an Wissenszuwachs gekoppelt ist. Falls du eine Führungskarriere anstrebst, musst du eigentlich „nur“ lernen, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu fällen, Menschen mitzureißen – und Aufgaben zu delegieren. Vollkommen für die Katz sind Weiterbildungen, die weder die Fach- noch die Führungsqualitäten trainieren, sondern allein vom tristen Job ablenken sollen oder dem Selbstzweck dienen.

7. Ein Bruch im Lebenslauf bedeutet das Karriere-Aus

Zu diesem Punkt existieren noch keine Studien, weil die Entwicklung einfach noch zu neu ist. Fakt ist dennoch: In der modernen Arbeitswelt nähern sich selbständige und abhängige Beschäftigung rapide an. Weil sich die Arbeitsbedingungen rapide verändern, wird es künftig notwendig sein, sich immer wieder neu zu erfinden, um am Arbeitsmarkt gefragt zu bleiben. Dazu gehört auch, gelegentlich Neues auszuprobieren – verbunden mit dem Risiko, daran zu scheitern. Zum Glück sitzen mittlerweile Menschen in den Führungsetagen, die aus eigener leidvoller Erfahrung die Schwierigkeiten beim Berufseinstieg kennen – und entsprechend souverän mit abrupten Wechseln in den Karrieren der Bewerber, sogenannten Brüchen, umgehen können.

Bei all diesen Mythen der Arbeitswelt lässt sich eines aber offensichtlich nicht wegleugnen: die mangelnden Soft Skills mancher High Potentials. Laut Unternehmensberatung Kienbaum neigen viele Talente zur Selbstüberschätzung, die einhergeht mit einer nicht vorhandenen Fähigkeit zur Selbstkritik – fast schon logisch, dass manch ein Überflieger daran scheitert.

Was ist deine Meinung dazu? Bist du persönlich kritikfähig oder wird das Thema überbewertet?