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Raus aus der Komfortzone! Warum es sich lohnt, was Neues zu wagen

Melanie Pölking 04.07.2013
Zugegeben, die Bologna-Studiengänge lassen nur wenig Raum für individuelle Gestaltung. Doch das hat Konsequenzen: Personaler klagen unisono über „gesichtslose“ Absolventen, die oftmals alle die gleichen Kurse belegten und sich dank stromlinienförmiger Studienoptimierung allenfalls marginal unterscheiden. Dem kannst du vorbeugen.

Komfortzone adé

Fast scheint, als strebe die Generation Y durch die Bank eine Laufbahn im öffentlichen Dienst an, wo vorschriftsmäßiges Verhalten alle paar Jahre mit einer Beförderung honoriert wird, Strebsamkeit dagegen mit Misstrauen geahndet wird. Fehler! Da hilft es auch nicht, dass die Demografie den Absolventen der nächsten Jahre in die Arme spielt und der aufziehende Arbeitskräftemangel es zunehmend leichter macht, mit durchschnittlichen Abschlüssen und wenig Ambition in Unternehmen zu landen. Eines gilt weiterhin: Wer Karriere machen will, muss die eigene Komfortzone verlassen.

Profilierung gelingt nicht durch Anpassung

Zunächst mal deswegen, weil durchs Überschreiten von Grenzen ein einzigartiges Profil, ein Alleinstellungsmerkmal entsteht. Das klingt jetzt vielleicht etwas hochtrabend, basiert aber auf einer einfachen Tatsache: Menschen benötigen Gründe, um eine Entscheidung treffen zu können. Deswegen wird von 100 ausstattungsidentischen Autos zuerst jenes verkauft, das wenigstens farblich abweicht.

Das heißt: Indem du etwas mehr tust als Studien- und Prüfungsordnung von dir verlangen, stichst du aus der Masse der Absolventen hervor, die eben nur das Notwendigste tun. Weil du dem Personaler mit dem Verlassen der Komfortzone eine Gelegenheit bietest, sich für dich zu entscheiden, erhöhst du deine Chancen auf eine Einstellung. Das ist vielleicht nicht die beste Möglichkeit, aber sicher die, die am einfachsten zu bewerkstelligen ist.

Noch besser ist es allerdings, wenn du echten Mehrwert schaffst, indem du gezielt dein Wissen in Bereichen ausbaust, die für deinen Beruf wichtig sind, und – etwa durch Praktika und Ferienjobs – für zusätzliche Erfahrung sorgst. Indem du zeigst, dass du dich mit den Erwartungen des Berufslebens auseinandersetzt, dich exponierst und Verantwortung für deine Entwicklung übernimmst, wirst du für Unternehmen interessant. 

Grenzen erfahren und Perspektiven entdecken

Raus aus der Komfortzone!
Die eigenen Grenzen zu überwinden, ist manchmal unerlässlich.

Nebenbei nutzt du so die Gelegenheit, dich selbst besser kennen zu lernen. Du wirst dabei Grenzen erfahren – und manche von ihnen akzeptieren müssen. Das ist mit Sicherheit der unangenehmste Teil beim Verlassen der Komfortzone, denn er ist mit Unsicherheit und Frust verbunden: Dennoch gehört er notwendig zur persönlichen Entwicklung, denn er bietet dir auch die Gelegenheit, deine eigenen Grenzen zu überschreiten.

Auf der anderen Seite entdeckst du vielleicht Talente, die du nie gefunden hättest, wenn du auf der sicheren Seite geblieben wärst. Weil sie die Grundlagen deiner persönlichen Entwicklung sind, solltest du sie ausbauen und für deine Karriere nutzen. Je früher du damit anfängst, desto grundlegender kannst du Deine Möglichkeiten entwickeln. Deine Hochschule bildet dafür ein optimales Umfeld: Du findest jede Menge Studiengänge, in die du auch als Fachfremder einfach reinschnuppern und deinen Horizont erweitern kannst. Dazu existieren jede Menge Zusatzangebote, Initiativen und Arbeitsgruppen, in denen du dich engagieren und deinen Horizont erweitern kannst. Gleichzeitig lernst du viele neue Menschen – und mit ihnen Perspektiven – kennen, wenn du dich nur hinterm Ofen hervor wagst. Sie werden Teil deines Netzwerks, das dich beim beruflichen Fortkommen unterstützt.

Motivation entsteht durch Herausforderung

Der US-Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi beschreibt in seinem Flow-Konzept, dass Menschen an der Grenze zwischen Über- und Unterforderung am Besten arbeiten. Nur: Der Fluss, der sie mitreißt, ihre Effizienz und Konzentration fördert, fließt nicht direkt auf der Grenze, sondern ganz leicht darüber: Wenn Menschen Anforderungen bewältigen müssen, die ihre Fähigkeiten ein kleines bisschen übersteigen, können sie daran wachsen und aus dem erzielten Erfolg Motivation für ihre weitere Entwicklung ziehen.

Durchs Verlassen der Komfortzone sorgst du dafür, nicht im Mittelmaß zu versacken. Schließlich ist das Curriculum nicht mehr als eine Vorgabe, die mindestens erreicht werden muss – Exzellenz dagegen verlangt mehr: Vor allem die Bereitschaft, immer und immer wieder über dich selbst hinauszuwachsen. Die Herausforderung an sich wird dabei zur Motivation, die dich weiter bringt.

Dazu trägt sicher auch bei, dass du selbst bestimmen kannst, womit du deinen Horizont erweitern willst. So schaffst du dir ein intrinsisches Motiv, das dich bei der Zielerreichung deutlich besser antreibt als das Erfüllen fremder Vorgaben. Diese Motivation wirkt sich ganz konkret auch auf dein übriges Leben aus, weil sowohl deine Zufriedenheit als auch dein Leistungsvermögen wachsen.

Wer weiter kommen will, muss Grenzen überschreiten

Last but not least trainierst du durchs Überschreiten deiner Grenzen auch genau jene Eigenschaften, die Führungskräfte benötigen:

Das ist neben Leistungswillen und Verantwortungsbewusstsein insbesondere auch die Bereitschaft, im Interesse des Unternehmens den entscheidenden Schritt nach vorn zu wagen, alte Zöpfe abzuschneiden und sich dafür dem Druck der Erwartungen zu widersetzen.

Diese Gabe kommt nicht von selbst – und sie ist auch nicht angeboren: Sicher bringen manche Menschen mehr von ihr mit und scheinen deswegen zur Führungspersönlichkeit geboren, doch allen anderen bleibt immer noch die Möglichkeit, die entscheidenden Persönlichkeitsmerkmale auszubauen. Durch kontinuierliches Training werden sie sogar oft besser als die sogenannten Talente, die sich auf ihrer Begabung ausruhen.

Die Gelegenheit fürs Ausprobieren und gezielte Training deiner Stärken ist im Studium günstig – und kommt so nie wieder. Deswegen solltest du sie nicht ungenutzt verstreichen lassen.