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Quereinstieg: Warum machen, was alle machen?

Katja Mayer 28.03.2012
Juristen wechseln in die öffentliche Verwaltung, Naturwissenschaftler bleiben in der Forschung, Ingenieure gehen in die Industrie... Für viele Studiengänge existieren in den Köpfen klar vorgezeichnete Berufswege, die von vielen Absolventen auch eingeschlagen werden. Was aber, wenn der Arbeitsmarkt nicht alle Absolventen aufnehmen kann oder die Berufseinsteiger keine Lust auf diese ausgetretenen Pfade haben? Dann heißt es: umdenken, variieren, improvisieren – und quereinsteigen. Nur wo?
Ist der Quereinstieg eine Option für dich?
Quereinsteiger: Die Suche nach beruflichen Alternativen ist oft schwierig.

Die Suche nach beruflichen Alternativen ist oft schwierig. Häufig endet sie mit der Frage, was mit dem eigenen Abschluss überhaupt machbar ist: Was nutzt schließlich der beste Master oder Bachelor, das tollste Staatsexamen, wenn der Titel nicht die Kenntnisse bescheinigt, die anderswo gefragt sind? Und da ist auch gleich die nächste Hürde: Was ist überhaupt gefragt? Und kann ich mir das aneignen?

Grundlagen für den Quereinstieg schaffen

Es führt leider kein Weg dran vorbei: Um realistische Perspektiven für einen Quereinstieg zu entwickeln, musst du dich mit den Möglichkeiten am Arbeitsmarkt auseinandersetzen. Und mit dir selbst: Deinen Potenzialen – und deinen Erwartungen.

Möglichkeiten für berufliche Alternativen

Am Anfang jeder Berufsorientierung steht die Informationsbeschaffung. Erste Ansprechpartner für berufliche Alternativen und Quereinstiege sind die Beratungsstellen von Hochschulen und die Arbeitsagentur. Sie geben dir wertvolle Hinweise, was du mit deinem Abschluss alles anstellen kannst – und welche Perspektiven sich aktuell bieten.

Oder du recherchierst selbst. Gute Ansätze findest du bei den klassischen Suchmaschinen, wo Schlüsselwörter wie „Quereinstieg Jura“ oder „Alternativen Biologie“ zu interessanten Anfangstreffern führen, die du anschließend vertiefst. Gut für die Suche geeignet sind auch soziale Netzwerke wie Google+LinkedIn und XING, bei denen du Absolventen deines Fachs findest und siehst, in welchen Positionen sie aktuell arbeiten. Bei Interesse nehme dort direkt Kontakt auf und hole dir so persönliche Tipps aus der Praxis.

Am Besten aber ist immer noch die Suche in der realen Welt (die die Recherche im Cyberspace natürlich auch ergänzt): Sicher hat deine Fakultät noch Kontakt zu Absolventen früherer Jahrgänge (Alumni) und kann dir sagen, was die heute so treiben. Vielleicht hat dein Professor auch noch Kontakt zu Personen, die er früher betreut hat. Frage Sie höflich per E-Mail oder Telefon, wie sie das geworden sind, was sie heute sind.

Auch wenn das ein bisschen Arbeit macht: Grundsätzlich solltest du so viele Gespräche mit Praktikern führen wie möglich. So bekommst du das beste Gespür dafür, was möglich ist – und was du dafür brauchst. Womöglich bringt es dich aber auch auf Ideen, auf die du sonst nicht gekommen wärst.

Voraussetzungen für einen Quereinstieg

Jetzt kommt der einschränkende Aspekt bei der Suche nach alternativen Berufswegen: die Voraussetzungen. Es beginnt zuerst bei dir – und mit einigen zentralen Fragen:

- Was willst du erreichen?
- Was sind deine Werte, was deine Ziele?
- Was inspiriert dich, um kreativ zu sein?
- Was brauchst du, um dich im Job gefordert und glücklich zu fühlen?
- Reicht es dir aus, viel Geld zu verdienen, oder suchst du Sinn in den Dingen, die du tust?
- Bist du bereit, Verantwortung zu übernehmen?

Keine Bange, es gibt dabei keine richtigen oder falschen Antworten, nur deine eigenen. Und je ehrlicher du zu dir selbst bist, desto besser orientierst du dich später.

Ebenso wichtig sind natürlich auch deine Talente. Weil Menschen das, was sie gerne tun, auch besonders gut erledigen, sollten sich deine Fähigkeiten im späteren Beruf wiederfinden und zum Tragen kommen. Deine Schwächen indes, sofern du sie nicht kompensierst, sollten dort möglichst keine Rolle spielen. Sonst riskierst du, eventuell schon beim Vorstellungsgespräch zu scheitern – oder fühlst dich im neuen Beruf ständig überfordert.

Perspektiven entwickeln

Sind die Möglichkeiten und Erwartungen klar, geht es an die Entwicklung realistischer Perspektiven. Finde heraus, welche der vorab analysierten Möglichkeiten für dich für einen Quereinstieg genau in Frage kommen. Das kann ganz etwas anderes sein als das, was du bislang getan hast – muss es aber nicht. Vielleicht liegt der neue Weg nur ein bisschen ab von der geplanten Route.

Spezialisieren auf eine Nische

Oft reicht schon die Konzentration auf eine passende Nische, um ein interessantes Betätigungsfeld zu finden. Indem du dich spezialisierst, hast du auf dem Arbeitsmarkt zugleich mit deutlich weniger Konkurrenz zu rechnen. Damit steigen dann auch prompt die Chancen auf einen schnellen Berufseinstieg. Und meist verdienen Spezialisten auch deutlich mehr als Generalisten.

So könnte sich ein Jurist beispielsweise aufs Patentrecht verlegen und damit bei einem innovativen Mittelständler reüssieren, der die eigenen Produktentwicklungen schützen muss, um am Markt zu bestehen. Die Biologin wiederum konzentriert sich beispielsweise auf Allergene im Essen und wird damit Expertin bei einer Umweltschutzorganisation.

Kombinieren verschiedener Kompetenzen

Brauchbare (Aus-)Wege entstehen auch aus der Kombination des eigenen Studiums mit anderem Wissen. Vielleicht hast du ja vor dem Studium bereits eine Ausbildung absolviert und kannst auf diese Kenntnisse aufbauen? Das klappt auch, wenn Beruf und Studium auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Ein studierter Wirtschaftswissenschaftler und gelernter Kfz-Mechaniker könnte beispielsweise in der Entwicklungsabteilung eines Automobilkonzerns arbeiten, wo er die Wirtschaftlichkeit der firmeneigenen Innovationen prüft.

Kombinieren kann auch heißen, dass du deine Talente mit den Inhalten deines Studiums zusammenbringst. Ingenieure, die lieber mit Menschen arbeiten als mit dem CAD-Programm und obendrein gut erklären können, stoßen derzeit im Vertrieb auf eine sehr hohe Nachfrage. Wenn du eine gute Schreibe hast und dich schnell in neue Themen einarbeitest, kannst du als Maschinenbauer auch technischer Redakteur werden. Die Nachfrage nach Dokumentationen und Bedienungsanleitungen wächst jedenfalls mit jeder neuen Verbraucherschutzinitiative der EU.

Wechseln und einen Neuanfang wagen

Wenn dich auch Weiterbildungen und Zusatzqualifikationen deinem Ziel nach einem erfüllenden Job nicht weiterbringen, dann bleibt noch dieser Weg: Du verabschiedest dich komplett von deinem Studienfach und machst etwas ganz anderes.

Weil du zum Beispiel gemerkt hat, dass Jura zwar schön ist, du aber nicht den Rest deines Lebens damit verbringen magst, Urteile zu lesen. Vielleicht gibt es auch schon einen Plan B - etwas, das du schon lange gern tun würdest und dich einfach noch nicht getraut hast. Jetzt ist die Gelegenheit!

Mit dem Bachelor in der Tasche ist es prinzipiell leicht, auf Probe eine Trainee-Stelle anzunehmen und zu schauen, ob die gewählte Richtung wirklich die richtige ist (um bei Gefallen natürlich dabei zu bleiben). Weitere Gelegenheiten, berufliche Alternativen auszuprobieren (oder zu finden), sind Praktika, Volontariate und freie Mitarbeit. Hauptsache, du lässt nichts unversucht, was dich deinem Ziel näher bringt.

In Kooperation mit Karrierebibel

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