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Quereinstieg nach dem Studium

Bewerbung, Weiterbildung und Co – so gelingt der Quereinstieg

Viktoria Lindl 14.08.2017
Juristen arbeiten in Kanzleien, Naturwissenschaftler gehen in die Forschung, Ingenieure sind in der Industrie tätig – für viele Studiengänge existieren in den Köpfen klar vorgezeichnete Berufswege, die viele nach dem Studium auch einschlagen werden. Was aber, wenn der Arbeitsmarkt nicht alle Absolventen aufnehmen kann oder die Berufseinsteiger keine Lust auf diese ausgetretenen Pfade haben? Dann heißt es: umdenken und quereinsteigen– wie aber gelingt der Karriere-Quereinstieg?
#RichtigBewerben: Quereinstieg nach dem Studium
Quereinsteiger: Die Suche nach beruflichen Alternativen ist oft schwierig.

Die Suche nach beruflichen Alternativen nach dem Studium ist oft schwierig und vielleicht kennst du es, mit Informationen überhäuft zu werden – und trotzdem keine zufriedenstellenden Antworten zu bekommen. Häufig endet die Suche mit der quälenden Frage, was mit dem eigenen Abschluss überhaupt machbar ist: Was nutzt schließlich der beste Master oder Bachelor, das tollste Staatsexamen, wenn der Titel nicht die Kenntnisse bescheinigt, die anderswo gefragt sind? Und woher bekomme ich Informationen dazu, was gefragt ist? Und was kann ich mir auch ohne Studium oder passende Ausbildung selbst noch aneignen?

Die Weichen für den Quereinstieg stellen

Um realistische Perspektiven für einen Quereinstieg zu entwickeln, musst du dich mit den Möglichkeiten am Arbeitsmarkt auseinandersetzen und weitere Informationen beschaffen. Vor allem aber musst du dich mit dir selbst befassen: deinen Kompetenzen und deinen Erwartungen. Es bringt nichts, einfach blind eine Bewerbung nach der nächsten zu schreiben, nur weil du unbedingt einen Job bekommen möchtest. So schaffst du nicht den Einstieg, sondern nur Frust.

Möglichkeiten für berufliche Alternativen zum quereinsteigen

Am Anfang jeder Berufsorientierung nach dem Studium steht also die Beschaffung von Informationen: Nimm Kontakt zu Beratungsstellen von Hochschulen und der Arbeitsagentur auf. Sie sind nicht nur deine Ansprechpartner für berufliche Alternativen oder einen möglichen Quereinstieg. Sie geben dir auch wertvolle Hinweise, was du mit deiner Ausbildung alles anstellen kannst – und wie du den Einstieg ins Berufsleben meisterst. Sie können dir helfen, eine passende Weiterbildung zu finden, falls das für Quereinsteiger gefordert wird oder ersten Kontakt zu anderen spezifischen Beratungsstellen herstellen.

Oder du recherchierst selbst. Erste Anlaufstellen und Quellen zum Thema quereinsteigen findest du bei den klassischen Suchmaschinen, wo Schlüsselwörter wie „Quereinstieg Jura“ oder „Alternativen Biologie“ zu interessanten Treffern führen, die du anschließend vertiefen kannst. Gut für die Suche zum Thema Quereinstieg geeignet sind auch soziale Netzwerke wie LinkedIn und XING, bei denen du dich zum Beispiel mit Absolventen deines Fachs austauschen kannst, um zu erfahren, in welchen Positionen sie nach ihrer Ausbildung arbeiten.

Ergänzend zur Online-Recherche solltest du dich auch in der realen Welt umhören: Sicher hat deine Fakultät noch Kontakt zu Absolventen früherer Jahrgänge (Alumni) und kann dir sagen, in welchen Bereichen sie arbeiten oder ob sie selbst über einen Quereinstieg ihren Traumjob fanden. Vielleicht hat dein Professor auch noch Kontakt zu Personen, die er früher im Studium betreut hat. Frage die ehemaligen Studenten höflich per E-Mail oder Telefon, wie sie das geworden sind, was sie heute sind.

Auch wenn es ein bisschen Mehraufwand bedeutet: Grundsätzlich solltest du so viele Gespräche wie möglich mit ehemaligen Studenten führen. So bekommst du das beste Gespür dafür, was in der Praxis nach dem Studium möglich ist – und was du dafür brauchst. Womöglich bringt es dich aber auch auf Ideen, auf die du sonst nicht gekommen wärst – denn Quereinstieg bedeutet auch querdenken.

Hindernisse für Quereinsteiger

Jetzt kommt der einschränkende Aspekt bei der Suche nach alternativen Berufswegen: die Voraussetzungen für einen Quereinstieg. Es beginnt zuerst bei dir – und mit einigen zentralen Fragen:

  • Was willst du erreichen? Das geht weit über den Querstieg hinaus und umfasst deine grundsätzlichen Vorstellungen und Wünsche.
  • Was sind deine Werte, was deine Ziele?
  • Was inspiriert dich, um kreativ zu sein?
  • Was brauchst du, um dich als Mitarbeiter gefordert zu fühlen und glücklich zu sein?
  • Reicht es dir aus, viel Geld zu verdienen, oder suchst du Sinn in den Dingen, die du tust?
  • Bist du bereit, Verantwortung zu übernehmen?

Keine Bange, es gibt dabei keine richtigen oder falschen Antworten, nur deine eigenen. Und je ehrlicher du zu dir selbst bist, desto besser orientierst du dich beruflich nach deinem Studium. Blende bei diesen Fragen aber das Thema Quereinstieg aus, um völlig frei nachdenken zu können. Du wirst sehen, es wird dich in den grundlegenden Entscheidungen für deine Karriere voranbringen.

Ebenso wichtig sind natürlich auch deine Talente. Weil Menschen das, was sie gerne tun, auch besonders gut erledigen, sollten sich deine Fähigkeiten mit denen im späteren Beruf geforderten decken. Deine Schwächen indes, sofern du sie nicht kompensierst, sollten dort möglichst keine Rolle spielen. Sonst riskierst du, eventuell schon beim Vorstellungsgespräch zu scheitern – oder fühlst dich im neuen Beruf ständig überfordert.

Perspektiven für dich und deine Karriere entwickeln

Sind die Möglichkeiten und Erwartungen klar, geht es an die Entwicklung realistischer Perspektiven. Finde heraus, welche der vorab analysierten Möglichkeiten für deinen potenziellen Quereinstieg infrage kommen. Das kann etwas ganz anderes sein als das, was du bislang getan hast – muss es aber nicht. Vielleicht liegt der neue Weg nur ein bisschen ab von der geplanten Route.

Weitere Tipps für den Quereinstieg

Oft reicht schon die Konzentration auf eine passende Nische, um ein interessantes Betätigungsfeld zu finden. Indem du dich spezialisierst, hast du auf dem Arbeitsmarkt zugleich mit deutlich weniger Konkurrenz zu rechnen. Damit steigen dann auch prompt die Chancen bei einer Bewerbung. Und meist zahlen Arbeitgeber Spezialisten deutlich mehr als Generalisten. Spätestens an dieser Stelle fragt niemand mehr, ob Mitarbeiter über eine Ausbildung oder einen Quereinstieg in das Unternehmen kamen.

So könnte sich ein Jurist beispielsweise aufs Patentrecht spezialisieren und damit bei einem innovativen Mittelständler reüssieren, der die eigenen Produktentwicklungen schützen muss. Wenn du etwa Biologe bist, könntest du dich auf Allergene in Lebensmitteln konzentrieren und Experte bei einer Umweltschutzorganisation werden.

Trick 17 für den Einstieg: Kombiniere Kompetenzen

Brauchbare (Aus-)Wege entstehen auch aus der Kombination des eigenen Studiums mit anderem Wissen. Vielleicht hast du ja vor dem Studium bereits eine Ausbildung absolviert und kannst auf diese Kenntnisse aufbauen? Das klappt auch, wenn Beruf und Studium auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Ein studierter Wirtschaftswissenschaftler und gelernter Kfz-Mechaniker könnte beispielsweise in der Entwicklungsabteilung eines Automobilkonzerns Karriere machen, wo er die Wirtschaftlichkeit der firmeneigenen Innovationen prüft.

Kombinieren kann auch heißen, dass du deine Talente mit den Inhalten deines Studiums zusammenbringst. Ingenieure, die lieber mit Menschen arbeiten als mit dem CAD-Programm und obendrein gut erklären können, stoßen zum Beispiel im Vertrieb auf eine sehr hohe Nachfrage. Wenn du eine gute Schreibe hast und dich schnell in neue Themen einarbeitest, kannst du als Maschinenbauer auch technischer Redakteur werden. Die Nachfrage nach Dokumentationen und Bedienungsanleitungen wächst jedenfalls mit jeder neuen Verbraucherschutzinitiative der EU.

Quereinsteigen um einen Neuanfang zu wagen

Wenn dich auch eine Weiterbildung und Zusatzqualifikationen deinem Ziel nach einem erfüllenden Job nicht weiterbringen, dann gibt es eine weitere Möglichkeit: Du verabschiedest dich komplett von deinem Studienfach und machst durch einen Quereinstieg etwas ganz anderes.

Wenn du zum Beispiel gemerkt hast, dass Jura zwar schön ist, du aber nicht den Rest deines Lebens damit verbringen möchtest, Urteile zu lesen, kann der Quereinstieg eine Karriere in einer viel spannenderen Branche ermöglichen. Vielleicht hast du ja auch schon einen Plan B – etwas, das du schon lange gern tun würdest und dich einfach noch nicht getraut hast. Jetzt ist die Gelegenheit, die Bewerbung für deinen Traumjob abzusenden! Teste aus, wie die Arbeitgeber auf deine Bewerbung reagieren – vielleicht kannst du einfacher quereinsteigen als du denkst.

Mit dem Bachelor in der Tasche ist es prinzipiell leicht, ein Praktikum oder eine Trainee-Stelle anzunehmen und zu testen, ob die gewählte Richtung wirklich die richtige ist, bevor du eine komplett neue Ausbildung beginnst. Weitere Gelegenheiten, berufliche Alternativen auszuprobieren (oder zu finden), sind Volontariate oder freie Mitarbeit. Hauptsache, du lässt keine Möglichkeit aus, die dich deinem Ziel näherbringt.

Weitere Informationen rund um Berufsziele und Quereinstieg

Richard Nelson Bolles: Durchstarten zum Traumjob: Das ultimative Handbuch für Ein-, Um- und Aufsteiger

Auf dem Weg zum Traumjob, egal ob man Berufsanfänger ist, über einen Quereinstieg nachdenkt oder schon länger eine neue Stelle sucht. Seit zehn Jahren gehört dieses Buch zu den Bestsellern zur Jobsuche.

Barbara Sher: Wishcraft. Lebensträume und Berufsziele entdecken und verwirklichen

„Jeder von uns hat einzigartige Begabungen und Talente. Sie verbergen sich in dem, was wir lieben. Um glücklich zu sein, müssen wir das tun, was wir lieben.“

Beate Westphal: Eigentlich wär ich gern ...: Wie Sie Ihre Talente zum Traumjob machen

Und dazu das Video: