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#BusinessKnigge: Peinliche Situationen meistern

Christian Stöckl 13.06.2017
Bestimmt hast du auch schon mal in einer peinlichen Situation gesteckt. Sei es weil du im Gespräch bemerkt hast, dass der Hosenstall deines Kollegen offen war oder du deinem Chef in der Sauna begegnest bist. Wahrscheinlich wärst du in diesen Situationen am liebsten im Boden versunken oder weggelaufen. Doch das ist nicht der richtige Weg. Die meisten dieser Fauxpas stellen keinen Weltuntergang dar – und können dennoch nicht einfach ignoriert werden. Wir haben für dich die Knigge-Tipps für viele peinliche Situationen recherchiert, damit du diese in Zukunft souverän meistern kannst.
#BusinessKnigge 21: peinliche Situationen im Job
Peinliche Situationen im Job: Mit unseren Tipps kannst du sie meistern.

Peinliche Situationen im Berufsalltag

Zu dieser Kategorie zählen Probleme wie der offene Hosenstall, ein heraushängendes Preisschild an der Kleidung, Mundgeruch oder lautes Schmatzen. In jeder dieser Situationen gilt es, zunächst über die Relevanz des Missgeschicks zu entscheiden. Es ist eine Gratwanderung, ob du jemanden durch das Ansprechen der Peinlichkeit schikanierst oder vor einer Blamage bewahrst. Auch hängt die Schmerzgrenze in diesen Dingen nicht nur von Charakter, Habitus und Persönlichkeitsmerkmalen, sondern auch von Umfeld, Position und Situation ab. Du musst entscheiden, ob du überhaupt die Befugnis hast, den Betroffenen auf das Malheur aufmerksam zu machen. Wann du die Peinlichkeit ansprichst oder besser nichts sagen solltest, erfährst du am Beispiel der folgenden Situationen:

Offener Hosenstall im Gespräch

Was kannst du tun, wenn du feststellst, dass der Hosenstall deines Kollegen oder Chefs nicht geschlossen ist? Ignorieren und darauf hoffen, dass die Person es selbst merkt? Das würde bedeuten, dass dein Kollege oder Chef weiterhin einer peinlichen Situation ausgesetzt ist. Schließlich könnten auch noch andere die offene Hose bemerken.

Daher gilt es unbedingt zu handeln! Es wäre wenig stilvoll, deinen Chef oder Kollegen, im Regen stehen zu lassen. Jeder wäre dir dankbar, wenn du ihn auf ein derartiges Missgeschick aufmerksam machen würdest. Du solltest daher ohne Umschweife sagen, dass der Hosenstall deines Gegenübers geöffnet ist. Sage ganz einfach, neutral und nüchtern: „Ihre Hose ist offen.“ Dabei ist zu beachten, dass du keine weiteren Personen auf das Missgeschick aufmerksam machst. Das wäre unhöflich und ungeschickt. Auch solltest du unnötige Ergänzungen („Das kann ja jedem mal passieren.“) vermeiden. Zudem solltest du weggehen und nicht beobachten, wie die Hose geschlossen wird und anschließend nie wieder ein Wort über den Vorfall verlieren. 

Für ähnliche Situationen gilt das gleiche Verhalten: Dazu zählen zum Beispiel ein in der Unterwäsche eingeklemmter Rocksaum oder Essensreste im Gesicht.

Wenn der Chef/Kollege keine Tischmanieren besitzt

Tischmanieren sind nicht jedem in die Wiege gelegt. Doch solltest du in diesem Fall den Essenssünder auf sein peinliches Benehmen aufmerksam machen oder besser still mitleiden? Stell dir folgende Situation vor: Du bist einer Einladung zum Geschäftsessen gefolgt und dein Tischnachbar verhält sich wie ein Schwein: spricht während er kaut, schmatzt, schnäuzt in die Serviette oder reinigt sich die Backenzähne mit dem Zahnstocher. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, bei Tisch unangenehm aufzufallen. Du steckst in diesen peinlichen Situationen in der Zwickmühle und musst entscheiden, ob du dein Gegenüber auf sein Benehmen aufmerksam machst oder das Verhalten stillschweigend akzeptierst. In der Regel wird das Ganze lediglich mit einer sittenstrengen Miene quittiert, die die Verursacher meist nicht wirklich interessiert.

Solltest du die betreffende Person zur Seite nehmen und einschreiten? Stehst du der sich auffällig verhaltenden Person nahe, hast als Vorgesetzter sogar eine Fürsorgepflicht oder bist für das Image deines Unternehmens zuständig, lautet die Antwort eindeutig: Ja! Auch in diesem Fall gilt es, der Person einen diskreten Hinweis zu geben. Klar wird sie dir anschließend nicht vor Freude, um den Hals fallen, aber wenigstens wird sie über dein lieb gemeintes Feedback nachdenken und ihr Verhalten hoffentlich anpassen.

Doch wenn dein Tischnachbar dein Chef oder dir vorgesetzt ist, ist es besser, deine Einwände herunterzuschlucken. Dann bist du nicht befugt, pädagogisch einzuschreiten und musst versuchen wegzusehen und wegzuhören. Für den Fall, dass eine dritte Person, zum Beispiel die Servicekraft in Mitleidenschaft gezogen wird, kannst du dich bei dieser später in einem Vieraugengespräch für das Verhalten deines Vorgesetzten entschuldigen. Bevor du dich allerdings bei irgendjemandem beschwerst, ist es sinnvoll, zunächst dein eigenes Benehmen zu überprüfen, damit du keine Angriffsfläche für eventuelle Gegenkonter bietest.

Unangenehmer Schweißgeruch

Starker Schweißgeruch im Büro ist unangenehm – doch ist die Hemmschwelle sehr groß, den Schwitzenden auf seinen Geruch aufmerksam zu machen. Vor allem im Sommer können Körperausdünstungen im Büro zum Problem werden. Wenn dieser Geruch dich sehr stört, solltest du das heikle Thema diskret zur Sprache bringen. Wenig sinnvoll sind Versuche, den Kollegen durch die Blume oder mit nonverbalen Gesten aufmerksam zu machen. Dies führt eher zu Missverständnissen. Am besten handelst du schnell, damit nicht noch weitere Kollegen den Geruch bemerken und darüber herziehen.

Positiv ist es, wenn ein Mitarbeiter, der zu dem Kollegen ein Vertrauensverhältnis und dasselbe Geschlecht hat, das Thema anspricht. Dadurch kann der Hinweis so vermittelt werden, dass er als Vertrauensbeweis zu verstehen ist. Zum Beispiel könne der Mitarbeiter fragen: „Wenn bei mir irgendetwas nicht in Ordnung wäre, ich Essensreste im Gesicht oder einen offenen Hosenstall hätte, würdest du mir das sagen?“ In der Regel reagiert die angesprochene Person positiv darauf. Das sei eine gute Überleitung für den Satz: „Ich muss dir zu diesem Thema etwas sagen.“ Oft ist die betroffene Person froh, einen solchen Hinweis zu erhalten.

Doch auch hier ist Vorsicht geboten: Nicht jeden Kollegen kannst du einfach auf starken Eigengeruch hinweisen – der Chef und andere hochrangige Mitarbeiter bilden auch hier eine Ausnahme. Es sei denn, du hast zu deinem Vorgesetzten tatsächlich ein sehr gutes Vertrauensverhältnis. Dann musst du beim Ansprechen auf jeden Fall auf die passende Formulierung achten. Folgender Gesprächseinstieg wäre möglich: „Bevor Sie vielleicht unangenehm bei der Präsentation auffallen, ist es mir wichtig, Ihnen den Hinweis zu geben ... “

Einen fremden Mitarbeiter dagegen solltest du auf keinen Fall auf den Schweißgeruch ansprechen – etwa jemanden, der aus einer anderen Abteilung oder Niederlassung kommt und nur einen Termin in deinem Bereich hat. Das gleiche Verhalten gilt für Mundgeruch oder ungepflegtes Aussehen. Es gilt die Knigge-Regel, jemanden nur dann zu konfrontieren, wenn die Möglichkeit besteht, beim nächsten Mal etwas zu ändern.

Generell gilt, wenn du jemanden auf einen kleinen Fauxpas hinweisen willst, ist es immer am geschicktesten sich mit dem Gegenüber auf der gleichen Hierarchiestufe zu befinden und das gleiche Geschlecht zu haben. Denn je mehr Gemeinsamkeiten du mit dem anderen hast, desto weniger unangenehm ist die Situation für ihn. Auch solltest du eine Situation nie ausweiten. Zu betonen, dass das gleiche dir letztens auch passiert ist oder wie blöd es für denjenigen gelaufen ist, ist gänzlich unangebracht. In unangenehmen Situationen bedeutet Diskretion auch, möglichst wenige Worte zu verwenden und sich kurz zu fassen. Denke auch immer daran, dass du nicht der Auslöser für die Peinlichkeit bist. Dein Kollege oder Arbeitgeber hat keinen Grund, dir die offenen Worte übel zu nehmen und sollte dir dankbar sein. Schließlich bewahrt dein diskreter Hinweis ihn vor größeren Peinlichkeiten.

Peinliche Situationen in der Freizeit

Neben peinlichen Situationen im Berufsalltag kann es natürlich auch vorkommen, dass du Kollegen oder sogar deinen Chef in Freizeitsituationen triffst, in denen du ihnen am liebsten nicht begegnen würdest. Mit den folgenden Beispielen erklären wir dir, wie du reagieren solltest, wenn du Vorgesetzte oder Kollegen in der Sauna, im Erotik-Shop oder beim Therapeuten triffst.

Dem Kollegen oder Chef in der Sauna begegnen

Jeder fürchtet sich vor diesem Moment. Doch wer den Vorgesetzten zufällig in der Sauna trifft, darf nicht vor Schreck das Handtuch fallen lassen und überhastet flüchten. Damit du ganz souverän bleibst und die Anspannungsstarre löst, solltest du deinen Chef/Kollegen kurz namentlich begrüßen, etwa mit dem Satz: „Schön, dass Sie sich auch hier entspannen.“

Reicht die kurze Begrüßung für dein Gegenüber nicht aus, ist es am besten, Smalltalk zum Themenbereich „Wellness“ zu führen. Zum Beispiel: „Entspannen Sie öfter hier oder sind Sie zum ersten Mal da?“ „Gehen Sie lieber in die Solegrotte oder in die finnische Sauna?“ Auch ist es okay – wenn du dem Chef oder dem Kollegen direkt in der Sauna und nicht im Außenbereich begegnest –, dein Handtuch etwas um dich zu schlingen.

Wenn du allerdings nach kurzer Zeit bemerkst, dass dein Gegenüber mit der Situation gar nicht zurechtkommt und am liebsten vor Scham im Erdboden versinken würde, ist es am besten, nach der Begrüßung relativ zügig zu gehen. Du kannst dich zum Beispiel damit verabschieden, indem du deinem Arbeitskollegen noch eine gute Erholung wünschst.

Auf jeden Fall solltest du nicht auf die Idee kommen, den Chef auf etwas Dienstliches anzusprechen, schließlich will man sich in der Sauna entspannen. Möchte allerdings der Vorgesetzte von sich aus unbedingt etwas Berufliches abklären, was auch nicht bis zum nächsten Arbeitstag Zeit hat, solltest du ihn bitten, zusammen mit dir die Sauna zu verlassen und mit Bademantel in den Restaurant-Bereich zu wechseln.

Kollege oder Chef hat den gleichen Therapeuten

Falls du in die unangenehme Situation kommst, deinen Arbeitskollegen beim Psychotherapeuten zu treffen, solltest du ihn freundlich begrüßen und um Vertraulichkeit bitten. Gleiches gilt für den Chef. Du brauchst ihm nach der Begrüßung nichts weiter zu erklären oder gar irgendetwas über dein Krankheitsbild erzählen. Fragen zur Therapie nachdem Motto „War‘s denn schlimm?“ sind vollkommen unangebracht. Rede dich nicht um Kopf und Kragen und vermeide, ins Fettnäpfchen zu treten. Die Devise lautet, freundlich auf Abstand zu gehen.

Zufälliges Treffen im Erotik-Shop

Auch bei einem zufälligen Treffen im Erotik-Shop ist schnelles Abtauchen nicht die Lösung. Als Erwachsener musst du mit unangenehmen Situationen souverän umgehen. Daher gilt es in diesem Fall, deinen Arbeitgeber oder Kollegen einfach freundlich zu grüßen. Anschließend ist es besser, sich diskret zu verhalten und nicht genau zu verfolgen, wofür sich der jeweils andere interessiert oder was er kauft.