DE EN

Neue Studie zur Erwartungshaltung von Berufseinsteigern

Junge Generation verlangt Revolutionierung der Arbeitswelt

Mit der Generation Y kündigt sich ein radikaler Wertewandel in der Arbeitswelt an. Das ist ein Ergebnis der jetzt veröffentlichten embrace-Studie „Karriere trifft Sinn“. Dafür wurden mehr als 3.600 Studierende nach ihren spezifischen Werten, Einstellungen und Zielen befragt, an denen sich die Nachwuchstalente orientieren, um Lebenstiefe und Sinn in ihrer Karriere erfahren.

Kinder gleich zu Karrierebeginn

Bemerkenswert sind die Ergebnisse der Studie vor allem in Hinblick auf die Familienplanung: 54 Prozent der jungen Talente (Altersdurch-schnitt: 23 Jahre), sowohl Männer als auch Frauen, wollen spätestens nach drei Berufsjahren Kinderhaben. Studienleiter Gero Hesse, HR-Experte und Geschäftsleitungsmitglied der arvato-Tochter Medienfabrik, erklärt: „Die junge Generation hat radikal andere Vorstellungen als ihre Eltern und Großeltern. Sie wollen sofort zu Karrierebeginn Kinder, um dann Karriere machen zu können. Früher wäre dies eine unrealistische Vorstellung gewesen. Angesichts des dramatischen Verlaufs der demografischen Entwicklung wird die begehrte künftige Fachkräfte- und Führungselite ihre Arbeitsbedingungen jedoch so stark selbst bestimmen können wie keine andere Generation zuvor.“

Denn 79 Prozent der Befragten wollen auf jeden Fall Kinder, nur 4 Prozent verneinen den Kinderwunsch. Aber auch 74 Prozent wollen auf jeden Fall Karriere machen. Prof. Christoph Beck von der Hochschule Koblenz, einer der führenden Experten für Human Resource Management in Deutschland, der die Studie wissenschaftlich begleitet hat, sagt: „Wenn mehr als die Hälfte der Befragten nach spätestens drei Berufsjahren Nachwuchs haben will, dann ist dies ein absoluter Trend-Bruch. Wenn die junge Generation es ernst meint, wird es in Zukunft wieder mehr junge Akademikerfamilien geben“.

Da die Mehrheit der Studenten gleich zu Karrierebeginn Kinder möchte, verlangen konsequent auch fast drei Viertel (74 Prozent) Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „Auf diese Trendumkehr müssen die Arbeitgeber reagieren – durch mehr hochqualifizierte Teilzeitjobs, flexiblere Arbeitszeiten und mehr Betriebskindergärten“, so Hesse, selbst Vater von vier Kindern.

Ergebnisse der embrace-Studie "Karriere trifft Sinn"
Die zentralen Ergebnisse der embrace-Studie "Karriere trifft Sinn"

Nein zu ständiger Verfügbarkeit

95 Prozent der Befragten ist es wichtig, Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen. 82 Prozent möchten die Arbeitszeit der persönlichen Situation anpassen können und 57 Prozent der Nachwuchstalente wünschen sich sogar explizit die freie Einteilung ihrer Arbeitszeit. Hesse weiß, was bei den Nachwuchstalenten zählt: „Die Machtverhältnisse verschieben sich. Bei Vertragsverhandlungen wird es zukünftig nicht nur um Geld, sondern vor allem um sehr gute Arbeitsbedingungen gehen. Konkret: um mehr Freizeit, mehr Urlaub, die Möglichkeit eines Sabbaticals, einen garantierten Feierabend, mehr Home-Office-Zeiten und eine freie Einteilung der Arbeitszeit. Wir stehen damit vor einer echten Revolutionierung der Arbeitswelt und damit der Unternehmenskultur in Deutschland“.

Ethisches Verhalten wichtiger als Geld

Geld spielt eine geringere Rolle als erwartet: Einen größeren Wert legen die zukünftigen Fach- und Führungskräfte auf Ethik und Moral. Viel Geld verdienen wollen zwar immerhin noch 73 Prozent der Befragten, doch deutlich mehr, exakt 85 Prozent, ist ethisches Verhalten ganz besonders wichtig. Studienleiter Gero Hesse erklärt: „Ein gutes Gehalt wird von der Generation Y erwartet, ist aber nicht mehr der entscheidende Faktor bei der Arbeitgeberwahl. Gerade die karriereorientierten Studenten suchen das Unternehmen in Zukunft auch danach aus, ob sie dort einen echten Mehrwert für unsere Gesellschaft erbringen können (78 Prozent).“ Folgerichtig legen 86 Prozent der Befragten großen Wert darauf, dass ihr zukünftiger Arbeitgeber nicht auf kurzfristige Gewinnmaximierung setzt, sondern langfristige und stabile Erträge anstrebt. Ob der Arbeitgeber Marktführer ist (40 Prozent) oder bekannte Produkte oder Dienstleistungen anbietet (33 Prozent), ist für sie dagegen eher zweitrangig.

Unternehmenskultur muss sich radikal ändern

Angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels zeichnet sich also eine radikale Revolutionierung der Arbeitswelt ab. Bisher galt das Gesetz: Wer Arbeit will, muss sich an das anpassen, was der Arbeitgeber vorgibt. Aber die karrierebewussten Talente von heute wollen nicht länger nach der Pfeife der Konzerne tanzen. Sie erwarten, dass die Unternehmen sich ihren eigenen Werten anpassen. 79 Prozent der jungen Talente finden es wichtig, dass ihr künftiger Arbeitgeber dieselben Werte vertritt wie sie selbst. Prof. Dr. Christoph Beck von der Hochschule Koblenz erklärt: „Das heißt also, dass die Wertesymmetrie zwischen Arbeitgeber und Angestellten nicht nur für die Mitarbeiterbindung an Bedeutung gewinnt, sondern immer mehr auch für die Rekrutierung von Fachkräften.“

Die zentrale Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber treffen Studierende vor dem Hintergrund ihrer eigenenWertevorstellungen und Motivationstreiber. Sie hinterfragen, wie gut das jeweilige Unternehmen zu ihnen passt. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass diese Forderungen über Geschlechts- und Fachgrenzen hinweg gelten und damit die Kraft besitzen, bisherige Arbeitsstrukturen ins Wanken zu bringen. Der Paradigmenwechsel auf dem Arbeitsmarkt weist die Arbeitgeber in die Schranken und lässt die jungen Arbeitnehmer den Takt vorgeben.

Weitere Ergebnisse der Studie „Karriere trifft Sinn“: Von Alles-Anna bis zu Helfer-Hannes: Die embrace-Studie „Karriere trifft Sinn“ identifizierte fünf Berufseinsteiger-Typen.