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Macht Karriere glücklich? Was sind Flow Effekte? Antworten vom Glücksforscher Prof. Dr. Ruckriegel

Zweiter Teil des Interviews

Melanie Pölking 15.02.2013
Hier folgt Teil 2 unseres Interviews mit Glücksforscher Prof. Dr. Ruckriegel rund um Berufswahl, Karriere, Glück und Zufriedenheit. Lies dazu auch Teil 1.

Inwieweit kann Karriere/Erfolg glücklich machen? Wo sehen Sie hier Fallstricke?

Zunächst  geht es darum, dass das, was man tut, auch befriedigend ist. Es geht also um Inhalte. Wenn die Arbeit befriedigend ist, kommt es auch zu  Flow Effekten.  Flow Effekte führen auch zu Erfolgserlebnissen. Natürlich sollte eine befriedigende Arbeit auch berufliches Fortkommen ermöglichen.  Bei der Karriere sollte man aber nie die Inhalte der Tätigkeit aus dem Auge verlieren, damit das Ganze nicht inhalts- und „sinnlos“ wird. Karriere um der Karriere willen ist wenig befriedigend. Mehr Geld kann nicht befriedigende Arbeitsinhalte ersetzen. Sind unsere materiellen  Grundbedürfnisse gedeckt, dann führt (noch mehr) Einkommen nicht zu mehr Zufriedenheit, da wir uns schnell an das Mehr gewöhnen, und einfach unsere Ansprüche nach oben schrauben. Man spricht hier auch von der hedonistischen Tretmühle.

Was genau ist damit gemeint?

Das (arbeitgebernahe) "Institut der deutschen Wirtschaft" schreibt hierzu Anfang 2013: "Viele Indikatoren signalisieren, dass es den Bundesbürgern (materiell) kontinuierlich besser geht. ... Und trotzdem: In den vergangenen 20 Jahren hat die Zufriedenheit der Deutschen mit ihrem Leben und mit ihrer Arbeit nicht zugenommen. Daher geht man davon aus, dass zwischen Einkommen und Zufriedenheit nur so lange eine wechselseitige Beziehung besteht, bis ein gewisser Lebensstandard erreicht ist. Kurzum: Glück kann man zwar kaufen - aber nur bis zu einem gewissen Grad."

Welche Rolle spielen die Unternehmen dabei?

Glücksforscher Prof. Dr. Ruckriegel
Glücksforscher Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel

Die Unternehmen erkennen zunehmend, dass es eine Win-Win-Situation ist, wenn man sich um das Wohlbefinden (Glück, Zufriedenheit) seiner MitarbeiterInnen kümmert. Ganz abgesehen davon zwingt die Arbeitskräfteknappheit im Zuge der demografischen Entwicklung in Deutschland die Unternehmen auch dazu, das Wohlbefinden ihrer MitarbeiterInnen im Auge zu haben. In Zukunft – in Zeiten der Arbeitskräfteknappheit - wird die Entscheidung, welchen Beruf man wählt bzw. welche Stelle man annimmt, maßgeblich vom „Glückspotential“  des Berufs bzw. der Stelle abhängen.

Eine Hand wäscht die andere?

In einem Anfang 2013 im Spiegel erschienen Interview sagt der Psychologe und Wirtschaftsethiker Jonathan Haidt dazu: „Das Prinzip der Gegenseitigkeit und damit der Fairness muss in Wirklichkeit gar nicht erst gelehrt werden. Es steck in uns drin. …  Fairness (lässt ich ) auf die gegenseitigen Vorteile, die aus partnerschaftlicher Zusammenarbeit entstehen und uns veranlassen, Betrüger oder Schwarzfahrer des Wohlfahrtssystem zu ächten und zu bestrafen (zurückführen – als sozialem Auslöser und evolutionärem Anpassungszwang der Tugend „Fairness“ so Haidt)“.  Dies ist mittlerweile auch allgemeiner Kenntnisstand in der Ökonomie, der auf den Ergebnissen der experimentellen Wirtschaftsforschung fußt.

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