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Lebenslauf-Lego

Diese Floskeln im Bewerbungsschreiben sind abgedroschen

Katja Mayer 16.08.2013
Manch einem Personaler kommt gewiss beim Lesen von Bewerbungsschreiben unweigerlich der Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ in den Sinn: Lebensläufe gleichen einander immer mehr wie ein Ei dem Anderen. Was du tun kannst, um dich von der Masse abzusetzen. 

Oft gesehen im Bewerbungsschreiben

Man hat das Gefühl, die Geschichte schon mal gehört zu haben: Studium an einer Spitzenuniversität, natürlich in Rekordzeit, perfekte Praktika, davon einige im Ausland, zwei Fremdsprachen fließend, hohe Mobilität, gebleachtes Lächeln, modischer Kurzhaarschnitt (auch die Frauen), Partner, ja schon – aber keine Kinder. Erst mal Karriere! Viele Menschen haben ihre Laufbahn und damit auch den Lebenslauf genauso sorgfältig geplant und abgearbeitet wie eine Radtour durchs australische Outback. Vorausschauend, umsichtig und klug – aber es reicht nicht. Was fehlt, ist die Persönlichkeit im Bewerbungsschreiben.

Und genau die suchen Personaler im Lebenslauf oftmals vergebens. Die Guten jedenfalls. Sie wollen Charakterköpfe statt Inselbegabungen. Das macht den Ausleseprozess zwar nicht unbedingt leichter, ist aber sinnvoll. Akademische Intelligenz korreliert eben nicht zwingend mit Kreativität und sozialem Geschick. Und der Keim der Innovation steckt oft im Unkonventionellen: Gute Ideen entstehen, weil jemand quer denkt, rumspinnt, fantasiert oder träumt.

Bloß keine Textbausteine!

Textbausteine im Lebenslauf vermeiden!
No-Go im Lebenslauf: abgedroschene Textbausteine!

Und genau das lässt sich oft schon an den Formulierungen im Bewerbungsschreiben ablesen. Abgedroschene Floskeln reihen sich wie Textbausteine aneinander –Lebenslauf-Lego! Doch gerade das wollen Personaler eben nicht: Massenware von der Stange. Dabei sind gute Bewerbungsschreiben keine geheime Wissenschaft. Es kann schon helfen, wenn du auf die übliche Phrasendrescherei verzichtest und stattdessen selbst Sätze formulierst. Soziale Kompetenzen stehen dabei im Vordergrund. Auf sie achten Personaler vor allem, und sie klischeefrei zu formulieren, ist – zugegeben – nicht immer leicht, aber essenziell.

Bei einem Satz wie „Ich bin team- und konfliktfähig …“ zählen Personaler nur die Tage bis zu ihrer Pension. Das muss schon subtiler verpackt werden. Das Anschreiben muss auf dich neugierig machen. Der Eindruck, den du hinterlässt, muss sein: Da ist einer, der unser Geschäft versteht und etwas auf dem Kasten hat. Was hingegen nicht funktioniert: Fähigkeiten anbieten, die der ausgeschriebenen Stelle nicht entsprechen. Motto: Ich habe zwar keine jahrelange Erfahrung im Marketing, aber ich interessiere mich für Werbung.

Mist, doch noch 20 Jahre bis zur Rente!

Hohle Phrasen, leeres Blabla, abgedroschene Floskeln

Der Lebenslauf kann noch so perfekt sein: Kleiden Bewerber ihre Erfolge in sinnentleertes Blabla und abgedroschene Floskeln, verwandeln sie ihre Kompetenz in eine Farce und verspielen wertvolle Sympathien. Und das unnötig! Bewerber heben sich mit ihrem Bewerbungsschreiben nicht dadurch von der Masse ab, indem sie formulieren, was alle schreiben. Das kann nicht funktionieren.

Immer wieder untersucht zum Beispiel das Business-Netzwerk LinkedIn die am häufigsten verwendeten Floskeln in den Profilen der Mitglieder. Ganz oben auf der Liste stehen regelmäßig die Adjektive „innovativ“ und „kreativ”. Irgendwie sagt das jeder von sich. Und solche Behauptungen werden nicht dadurch glaubwürdiger, dass man sie sich ebenfalls zu eigen macht.

Ebenfalls weglassen solltest du sogenannte Buzzwords und Phrasen wie…

  • Ich arbeite effektiv und effizient
  • Ich bin ein Teamplayer
  • Ich bin dynamisch
  • Ich verhalte mich proaktiv
  • Ich bin erfahren
  • Ich bin (hoch)motiviert
  • Ich denke unternehmerisch
  • Ich war erfolgreich
  • Ich denke ergebnisorientiert
  • Ich plane zielorientiert
  • Ich liefere Mehrwert
  • Mein Wissen ist auf dem neuesten Stand
  • Ich möchte mich weiterentwickeln
  • Ich verstehe mich als Problemlöser
  • Ich arbeite selbstständig
  • Ich bin hochqualifiziert
  • Ich bin ein strategischer Denker
  • Ich bin ein Schnelllerner
  • Ich bin ein Querdenker
  • Ich bin ein erfahrener Profi

Für all diese hohlen Phrasen und Floskeln gilt: Das Gegenteil wäre die Nachricht (wenn allerdings auch keine förderliche für die Bewerbung). Der Personaler darf erwarten, dass Kandidaten diese Eigenschaften mitbringen – eben weil sie selbstverständlich sind. Wer das Selbstverständliche aber betont, nährt eher den Zweifel, dass es auch genauso ist.

Das ist in Einleitungssätzen zur Bewerbung tabu

Unbedingt streichen solltest du im Bewerbungsschreiben schon im ersten Satz alles Selbstverständliche und Redundante, was der Personaler sowieso schon weiß. Dazu gehört zum Beispiel:

  • Dass du dich hiermit bewirbst.
  • Dass du an dem Job interessiert bist (würdest du dich sonst bewerben?).
  • Wann du die Stellenanzeige gelesen hast.
  • Um welche Stelle es sich handelt – denn das alles steht (im besten Fall) schon im Betreff des Anschreibens!

Indem du auf Überflüssiges verzichtest, verstößt du nicht gegen irgendwelche Konventionen oder Formen. Im Gegenteil: Du beweist, dass du nachgedacht hast und in der Lage bist, dich auf Wesentliches zu fokussieren und dies auf den Punkt zu bringen. 

Wir wünschen dir viel Erfolg mit deinem Bewerbungsschreiben!