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Krankschreiben lassen: Kann man als Neuling gleich wieder ausfallen?

Regeln und nützliche Tipps für den Krankheitsfall

Katja Mayer 08.01.2013
Beginn eines neuen Jahres – Beginn eines neuen Quartals: Das heißt, viele starten in ein neues Berufsleben. Ist krank machen dann eine gute Idee, wenn du gerade erst deinen Arbeitsvertrag unterschrieben hast? Sicher nicht.

Insbesondere, wenn du tatsächlich mehr oder weniger gesund bist, also blau machst. Schließlich steht während der Probezeit ja auch deine Zuverlässigkeit auf dem Prüfstand – und die musst du erst mal beweisen.  Aber riskiert ein Berufseinsteiger schon den Verlust des Arbeitsplatzes, wenn er im ersten halben Jahr ausfällt? Zunächst die Fakten: Während der Probezeit kann dir dein Arbeitgeber mit einer Frist von zwei Wochen kündigen, falls er mit deiner Leistung nicht zufrieden ist. Sogar ohne Angabe von Gründen. Das gilt für dich aber genauso. So oder so: Der gesetzliche Kündigungsschutz greift erst nach einem halben Jahr.

Krankschreiben: Welches Risiko besteht tatsächlich?

Krankmelden als Neuling
Wenn du dich unwohl fühlst, kläre mit deinem Hausarzt, ob du an einer ansteckenden Krankheit leidest.

Trotzdem besteht kein Grund zur Panik: trotz Fieber und Schüttelfrost musst und solltest du dich nicht zur Arbeit  schleppen. Denn selbst wenn du eine ganze Woche ausfällst, sind das nur knapp vier Prozent deiner Probezeit. Mit anderen Worten: Selbst wenn du den Urlaub berücksichtigst, bleiben dir mehr als hundert Tage, um deine Qualitäten unter Beweis zu stellen – und das sollte doch genügen, oder?

Die zweite Frage lautet, wie groß ist das Risiko einer Kündigung tatsächlich? Wenn du nicht längerfristig ausfällst oder Abschlusstermine in Gefahr sind, kannst du dein Pensum teilweise nacharbeiten – und stellst so deine Einsatzbereitschaft erst Recht unter Beweis. Weil das die meisten Arbeitgeber genau so sehen, bleibt das Kündigungsrisiko also marginal.

Falls Du dennoch nicht sicher bist, ob dein Arbeitgeber das genauso sieht, solltest du deine Kollegen fragen, bevor du über die Optionen nachdenken musst. Dafür reicht es beispielsweise aus, wenn du dich nach den Gepflogenheiten im Unternehmen erkundigst, sobald sich ein Kratzen im Hals bemerkbar macht. Besser aber schon vorher. Und wenn du doch einen Arbeitgeber erwischt hast, der bei jedem Kinkerlitzchen gleich das Arbeitsverhältnis in Frage stellt und du das Gefühl hast, sich Krankschreiben lassen ist ein Risiko?

Dann ist das ein Alarmzeichen. Und zwar für einen echt miesen Arbeitgeber. Denn krank arbeitet keiner gut. Mehr noch: Er steckt damit womöglich noch Kollegen an. Ein Arbeitgeber, der zu einer solchen Rechnung nicht fähig ist, wird vermutlich auch sonst keine schlauen wirtschaftlichen Entscheidungen treffen – oder nur solche, die auf Ausbeutung Dritter beruhen.

Regeln im Krankheitsfall

Damit von vornherein keine Irritationen aufkommen, solltest du allerdings einige grundlegende Regeln beachten. Beispielsweise verlangt das Entgeltfortzahlungsgesetz von dir, das du dich unverzüglich und in angemessener Form krank meldest – am besten rufst du deinen Vorgesetzten gleich am Morgen mit dem offiziellen Arbeitsbeginn an, damit er umdisponieren kann.

Achte unbedingt darauf, ab dem wievielten Tag du eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen musst: Üblich ist der dritte Krankheitstag, dein Arbeitgeber kann aber vertraglich bereits ab dem ersten Tag verlangen, dass du dich krankschreiben lässt. Verpflichtet bist du außerdem, alles zu unternehmen, um schnellstmöglich wieder gesund zu werden, und alles zu unterlassen, was den Heilungsprozess verzögert. Dazu zählt auch eine verfrühte Arbeitsaufnahme. Verstößt du gegen eine dieser Pflichten, riskierst du eine Abmahnung – in der Probezeit sogar - wie erwähnt - auch die sofortige Kündigung.

Übrigens: Gerade, wenn du länger ausgefallen bist, kannst du deinem Arbeitgeber auch die Verlängerung der Probezeit anbieten, falls er den Eindruck hat, dass er dich nicht ausreichend testen könnte.

Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

Krankmelden im neuen Job
Wäge ab, ob du dich in der Lage fühlst, deinen Job auszuüben oder ob du dich lieber richtig auskurieren solltest.

Grundsätzlich muss dich dein Arbeitgeber auch während deiner Krankheit bezahlen. Diese Verpflichtung besteht auch dann, wenn er dir kündigt – auch über den Ablauf der Probezeit hinaus. Allerdings gelten hiervon ein paar Ausnahmen:

  • Die Pflicht zur Lohnfortzahlung setzt erst ein, wenn du länger als vier Wochen ununterbrochen im Unternehmen arbeitest. Erkrankst du vorher, springt deine Krankenkasse ein.
  • Außerdem kann dein Arbeitgeber deinen Lohn zurückbehalten, wenn du ihm keine Krankmeldung vorlegst.
  • Gänzlich verweigern kann er ihn sogar, wenn du deine Arbeitsunfähigkeit selbst verursacht hast, weil du etwa betrunken Auto gefahren bist.
  • Das Unternehmen ist längstens sechs Wochen verpflichtet, deinen Lohn weiter zu zahlen, danach springt die Krankenversicherung ein – unabhängig vom Fortbestand des Arbeitsvertrags.

Wenn du dich unwohl fühlst, kläre mit deinem Hausarzt, ob du an einer ansteckenden Krankheit leidest. Dann halte dich nicht nur von Kollegen, sondern auch von Familie und Freunden fern. Ansonsten wäge ab, ob du dich in der Lage fühlst, deinen Job auszuüben und somit im Büro erscheinst oder ob du dich lieber richtig auskurierst, um dich dann mit neuem Elan deinen Aufgaben zu widmen.

Buchtipp: Dieses Werk sollte jeder Berufseinsteiger im Bücherregal haben: "Arbeitsrecht für Berufseinsteiger - Die wichtigsten Fragen und Antworten" von André Stoffer.

Redaktion: Katja Mayer mit der Karrierebibel