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Knigge für Berufseinsteiger

Tipps für die ersten Tage im neuen Job

Ein neuer Job, vielleicht sogar der allererste? Das ergibt schnell eine Achterbahnfahrt der Gefühle: Alles ist neu, aufregend und überwältigend. Es gibt Fragen, die allen Berufseinsteigern durch den Kopf gehen: Wo lauern Fettnäpfchen? Welche Umgangsformen sind angebracht? Wie hinterlasse ich einen guten Eindruck beim Chef? Um dich für deinen ersten Tag im neuen Job gut zu wappnen und deine Karriere positiv zu starten, unsere Tipps für den perfekten Eindruck im neuen Job: der Knigge für Berufseinsteiger.
Im neuen Job einen guten Eindruck machen - Knigge für Berufseinsteiger
#BusinessKnigge: So meisterst du die ersten Tage im neuen Job

Du hast nur eine Chance für den ersten Eindruck

Du betrittst einen Raum. Wie lange bilden sich die dort Anwesenden einen ersten Eindruck von dir? Exakt drei Sekunden. Trete also von Anfang an aufmerksam und selbstsicher auf, ohne zu schauspielern. Denn auch Authentizität ist wichtig – du kannst dich vielleicht einen Tag, sicher aber nicht während deiner ganzen Karriere verstellen.

Neben deiner Körperhaltung kommt deiner Kleidung eine wichtige Rolle zu. Es dürfte unangenehm für dich werden, am ersten Tag im neuen Job vollkommen over- oder underdressed zu erscheinen. Informiere dich daher rechtzeitig über den Dresscode. Nutze zum Beispiel den Tag deines Bewerbungsgesprächs und merk dir, was die Mitarbeiter tragen. Wenn du noch Zweifel hast, frag ruhig nach. Das ist nicht peinlich, sondern zeigt, dass du alles richtig machen möchtest. Du kannst dich auch gut am jeweiligen Business orientieren – die Mitarbeiter von Banken kleiden sich zum Beispiel konservativer als die von Agenturen.

Falls du unsicher bist, wähle für den ersten Tag in der neuen Firma lieber ein schickeres, aber nicht zu auffälliges Outfit. Overdressed ist immer noch besser als underdressed – und bleibt Chef und Mitarbeitern sicher auch positiver in Erinnerung!

Tipps zur Beruhigung

Du bist schnell nervös, wenn etwas Großes näher rückt? Kein Problem – und schon gar nicht beim ersten Tag im neuen Job. Vielmehr ein gutes Zeichen, misst du dem Start deiner Karriere doch die nötige Bedeutung zu. In Angst sollte dieser Zustand natürlich nicht umschlagen. Denke daran, dass dein erster Tag für deine neuen Kollegen ein Tag wie jeder andere ist und bei weitem nicht so aufregend wie für dich. Nutze den ersten Kontakt, um dir einen Überblick über das Unternehmen, seine Mitarbeiter, dein Büro und deine Aufgaben im neuen Job zu machen. Dass du dir zum Beispiel nicht auf Anhieb alle Namen merken kannst, ist völlig in Ordnung.

Da Nervosität häufig mit einer schnellen Atmung einhergeht, dreh den Spieß um. Atme bewusst tief in den Bauch ein, halte kurz inne und atme langsam wieder aus. Nach ein paar Wiederholungen merkst du, dass du ruhiger wirst. Ein weiterer sehr hilfreicher Trick ist das Wackeln mit den Zehen. Babys tun das, wenn sie sich wohlfühlen – und als Erwachsener kannst du damit Anspannungen abbauen. Probiere es mal aus! Und wenn du geschlossene Schuhe trägst, merkt auch keiner was davon.

Kontakt zu den Kollegen clever aufbauen

Zu Beginn solltest du möglichst viele Kontakte knüpfen. Du baust dir so ein berufliches Netzwerk auf, was für deine weitere Karriere enorm wichtig ist. Doch du kannst nicht nur berufliche Kontakte, sondern sogar Freunde gewinnen. Wir kennen es noch aus der Schule oder Uni: Der oder die Neue ist darauf angewiesen, Leute kennenzulernen.

Beachte bei Gesprächen die 70/30-Regel. Sie besagt, dass du 70 Prozent der Zeit dazu nutzt, Fragen zu stellen, und 30 Prozent, von dir selbst zu erzählen. Du machst einen guten Eindruck, wenn du viel über deinen Arbeitgeber, die Strukturen und die Kollegen erfahren möchtest.

Natürlich kannst du dich auch nach privaten Aspekten erkundigen. Zwei kleine Knigge-Tipps: Geh einfach ein bisschen in Vorleistung und erzähle etwas von dir. Du wirst schnell merken, wie weit sich dein Gegenüber öffnen möchte. Und um unangenehme Gesprächspausen zu vermeiden: Suche bewusst nach gemeinsamen Themen. Herkunft, Unistadt, Hobbys – in vielen Bereichen gibt es Anknüpfungspunkte, um über ähnliche Erlebnisse und Erfahrungen zu sprechen.

Deine Einstandsfeier – die in den meisten Unternehmen üblich ist – ist ebenfalls ein toller Anlass, um deine Kollegen etwas besser kennenzulernen.

Authentisches Personal Branding – Big in Business

Ob am Schreibtisch, in der Kantine oder am Kaffeeautomat – überall ergeben sich Situationen, in denen du punkten kannst. Mit deinem Wissen, deinem Interesse, deiner Hilfsbereitschaft oder deiner freundlichen Art. Immer kannst du bewusst und aktiv Personal Branding in eigener Sache betreiben. Wie schon eingangs erwähnt, solltest du dabei aber immer authentisch bleiben – eine der wichtigsten Knigge-Regeln. Wenn du zu dick aufträgst, könnte das schnell auffliegen und zum Bumerang werden. Sei also einfach du selbst, aber das hochkonzentriert und mit all deinen Sinnen, wenn du in einem Unternehmen einsteigst. Das ist eine gute Einstellung, um erfolgreich durchzustarten.

Experten-Tipps für deinen neuen Job

Personal-Trainer und „The Lucky Push“ Coach Lorenz Illing kennt sich aus mit beruflichen und persönlichen Herausforderungen für Berufseinsteiger. Er hat Tipps zu Lunch-Kultur und Small-Talk – und verrät, welche Themen und Aktivitäten in der ersten Zeit vermieden werden sollten.

Lorenz Illing The Lucky Push
Lorenz Illing, Personal-Trainer

Lorenz, welche Small Talk Themen sind tabu, welche angemessen?

In den ersten Tagen ist für dich alles neu im Unternehmen. Das wissen deine Kollegen. Daher halte ich das auch für den authentischsten und ehrlichsten Gesprächseinstieg: Du bist neu, du freust dich sehr, mit an Bord zu sein und bist sehr gespannt auf die nächsten Wochen. Daraufhin passt immer die Frage, wie lange dein Gegenüber bereits im Unternehmen ist, in welchem Bereich und für welche Aufgaben er/sie verantwortlich ist etc. Teile auch gerne deine ersten Eindrücke, wie zum Beispiel „schönes Büro“ oder „Ich verirre mich noch in den langen Gängen, aber das legt sich sicherlich schnell“. Wenn dein Gesprächspartner für dich, deine Arbeit oder dein firmeninternes Netzwerk spannend sein sollte, frag nach guten Möglichkeiten, mittags was Leckeres zu essen und dann lad ihn gleich mal auf ein Lunch dorthin ein, um ein wenig mehr über seine spannenden Aufgaben zu erfahren.

Ist die Lunch-Kultur mit Kollegen besonders am Anfang ein Muss?

Ich mag das Wort „Muss“ nicht, aber insbesondere wenn du noch niemanden wirklich gut kennst und auch dich sehr viele der Kollegen noch nicht einschätzen können, gehört es zum guten Ton, sich der „Herde“ beim gemeinsamen Gang in die Mittagspause anzuschließen. Die gemütliche Erzählatmosphäre, in der du von dir erzählen und Fragen stellen kannst, kann die Aufnahme merklich beschleunigen.

Sollte ich besonders am Anfang Freizeitaktivitäten mit den Kollegen vorschlagen?

Freizeitaktivitäten sind eher für befreundete Kollegen. Da sollte bereits eine gewisse Chemie herrschen, bevor du mit deinen Kollegen in den neuen James Bond Film gehen willst oder gar zum Yoga. Wenn du allerdings eingeladen wirst, warum nicht!?

Wie wirkt man aus psychologischer Sicht am authentischsten?

Wann ist ein Lächeln am authentischsten? Ganz einfach, wenn es ehrlich ist. Unglaubwürdig wirken wir, wenn unsere Körpersprache, Mimik und unsere Stimme nicht mit dem übereinstimmen, was aus unserem Mund kommt. Nur wenige Menschen, zum Beispiel gute Schauspieler, sind in der Lage, hier auf Knopfdruck auf allen Ebenen der verbalen und nonverbalen Kommunikation ein stimmiges Bild abzuliefern und somit authentisch zu wirken.

Inwiefern unterscheidet sich das erste Auftreten am Arbeitsplatz zwischen Männern und Frauen?

Was würde Angela Merkel auf diese Frage antworten? Sie gilt als eine der einflussreichsten Frauen der Welt und hat sich wahrscheinlich noch nie diese Frage gestellt. Und das ist auch richtig so, denn es sollte weder für dich noch für die anderen einen Unterschied machen, welches Geschlecht du hast. Diese Frage ist genauso irrelevant, wie die Frage, inwiefern sich das erste Auftreten am Arbeitsplatz zwischen Menschen über und unter 1,65 Körpergröße unterscheidet. Sei einfach du selbst!

Sollten extrovertierte Menschen sich introvertierter verhalten, und andersherum?

Extrovertiertes und introvertiertes Verhalten sind keine Persönlichkeitseigenschaften, sondern hängen stark von der jeweiligen Situation ab. Michael Jackson war auf der Bühne extrem extrovertiert, hinter der Bühne wirkte er eher schüchtern. Das gleiche bei Robbie Williams: Auf der Bühne ein Player, hinter der Bühne ist der Weltstar vor Unsicherheit kaum wiederzuerkennen. Somit geht es nicht darum, ob jemand extrovertiert oder introvertiert ist. Es geht darum, wie dein Ego die Situation einschätzt. Insbesondere zu viel unreflektierte Selbstsicherheit und Dominanz kann in den ersten Tagen schnell zu Antipathien bei einigen Kollegen führen. Lösung: Ein gesundes Maß an Persönlichkeit anzubieten, mit dem deine Kollegen etwas anfangen können und sich nicht angegriffen fühlen müssen.

Wir wünschen dir viel Erfolg beim Start deiner Karriere und hoffen, dass dir unsere Knigge-Tipps die ersten Tage im neuen Job erleichtern!

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