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Kinderkriegen im Studium: Geht das überhaupt?

Die Rechte von Schwangeren im Studium

Katja Mayer 16.07.2013
Studieren mit Kind - Unterstützung, Finanzierung und Co.
Studieren mit Kind - schwierig, aber nicht unmöglich!
Seit der Bologna-Reform ist das Studium eine straff durchorganisierte Ausbildung, die kaum Freiräume für individuelle Profilierung lässt. Bleibt da also fürs Kinderkriegen überhaupt noch Zeit? Die Antwort, kurz und schmerzlos: Aber ja!

Gute Zeit fürs Kinderkriegen

Denn das genaue Gegenteil ist richtig: Denn kaum wirst du so viel Unterstützung bei der Organisation und Finanzierung deiner Elternschaft im Leben erhalten wie in der Studienzeit. Nach dem Studium ist das durchaus schwerer. Dann gilt es schließlich den Berufseinstieg zu meistern, den Grundstein für eine Karriere zu legen und erste Erfahrungen zu sammeln. Trotzdem bleibt das Kinderkriegen im Studium natürlich eine Herausforderung, die du nur mit viel Unterstützung meisterst. Doch die findet, wer weiß, wo er/sie suchen muss. Hier zum Beispiel.

Die Rechte von Schwangeren im Studium

Für werdende Mütter gibt es auch im Studium einige Einschränkungen, die in etwa dem Mutterschutz für Arbeitnehmerinnen entsprechen. So dürfen sie in den letzten sechs Wochen vor der Entbindung keine Prüfungsleistungen ablegen, sofern sie nicht ausdrücklich zustimmen. In den acht Wochen nach der Geburt ist nicht einmal eine freiwillige Prüfung möglich. Diese Frist verlängert sich bei Früh- oder Mehrlingsgeburten auf zwölf Wochen.

Falls du während deines Studiums im Labor mit Gefahrstoffen arbeiten musst, bist du für den gesamten Zeitraum der Schwangerschaft davon befreit. Dein Institut ist verpflichtet, dir die notwendige Hilfe zukommen zu lassen, damit du dein Studium trotzdem wie vorgesehen absolvieren kannst. Das bedeutet beispielsweise, dass es eine Hilfskraft einstellt, die die vorgeschriebenen Versuche für dich erledigt.

Sollte es zu Konflikten kommen, weil du etwa ein Pflichtpraktikum nicht absolvieren kannst, kannst du dich an die Gleichstellungsbeauftragten deiner Fakultät oder Hochschule wenden, die dich dann entsprechend unterstützen.

Vorteile bei der Unterkunft

Die meisten Studentenwerke bieten neben den üblichen Ein-Zimmer-Appartements auch 2- oder gar 3-Zimmer-Wohnungen für studierende Eltern. Das ist sicher die preiswerteste Art, eine kindgerechte Wohnung zu finden, zumal du auf dem freien Wohnungsmarkt als Studentin oder Student mit Kind eher schlechte Karten hast.

Parallel kannst du dich bei den kommunalen Wohnungsgesellschaften melden. Mit Kind (in spe) wirst du hier bevorzugt berücksichtigt. Noch schneller bist du dran, wenn du alleinerziehend bist. Selbiges gilt für Wohnungsgenossenschaften, bei denen du allerdings vor dem Einzug erst mal Anteile erwerben musst – dafür sparst du dir dort aber die Kaution.

In vielen Städten haben sich außerdem – zum Beispiel in ehemaligen Kasernen – alternative Wohnformen entwickelt. Neben der Möglichkeit, in einer WG ein Extra-Zimmer für die Kinder zu mieten, findest du dort auch noch das entsprechende soziale Umfeld, das dich bei der Kinderbetreuung unterstützt – und dir die Entscheidung fürs Kinderkriegen im Studium vielleicht erleichert.

Hilfe bei der Betreuung

An allen Hochschulen gibt es mittlerweile ein gut ausgebautes Krippen- und Tagesstättenangebot, das die Einrichtungen der Kommunen und Kirchen in deiner Hochschulstadt ergänzt. Manche Horte nehmen Kinder bereits mit acht Wochen auf, ab dem ersten Lebensjahr deines Kindes hast du sogar einenrechtlichen Anspruch auf einen Krippenplatz.

Eine Alternative zur Unterbringung in Einrichtungen sind Tagesmütter und -väter. Das ist auch vor dem Hintergrund wichtig, dass trotz Rechtsanspruchs in einigen Bundesländern noch längst nicht genügend Krippen- und Kita-Plätze vorhanden sind. Eine Liste mit in Frage kommenden Tageseltern erhältst du beim Jugendamt.

Und wenn dein Einkommen nicht ausreicht oder du ohne Betreuung dein Studium abbrechen müsstest, werden von dieser Behörde sogar die Kosten übernommen. Vielleicht willst du aber auch ein Urlaubssemester einlegen, um in den ersten Lebensmonaten voll für dein Kind da zu sein. Den entsprechenden Antrag stellst du beim Studentensekretariat deiner Hochschule.

Gut: Da das Urlaubssemester nur als Hochschulsemester, nicht aber als Fachsemester gezählt wird, verlängert sich dabei dein Bafög-Anspruch. Schlecht: Allerdings erhältst du kein Geld, während du beurlaubt bist, außerdem darfst du in dieser Zeit keine Prüfungsleistungen ablegen.

Tipps für die Finanzierung

Wenn du Bafög beziehst, erhältst du fürs erste Kind 113 Euro im Monat, für jedes weitere 85 Euro. Außerdem verlängert sich durch die Schwangerschaft und Kindererziehung die Förderungshöchstdauer um bis zu sieben Semester – und das zusätzliche Geld wird gänzlich als Zuschuss gewährt, der nicht zurückgezahlt werden muss.

Zusätzlich steht dir Elterngeld zu: Wenn du vor der Elternzeit nicht gearbeitet hast, erhältst du 300 Euro pro Monat. Falls du weitere Kinder hast, gibt’s 75 Euro Geschwisterbonus. Da diese Leistung maximal drei Monate rückwirkend gewährt wird, musst du sie rechtzeitig bei der Elterngeldstelle beantragen.

Zudem hat jedes Kind mit der Geburt Anspruch auf Kindergeld, sofern die Eltern zumindest eine Niederlassungserlaubnis besitzen. Das Kindergeld wird nicht mit Bafög und Elterngeld verrechnet und beträgt für die ersten beiden Kinder je 184 Euro, fürs dritte 190 und für jedes weitere Kind 215 Euro. Den Antrag musst du bei der Familienkasse stellen.

Obwohl Studierende dem Grundsatz nach eigentlich kein Arbeitslosengeld II oder Wohngeld erhalten können, weil dafür andere Finanzierungsformen wie das Bafög in Frage kommen, können sie dennoch in den Genuss dieser Leistungen kommen, wenn wegen eines Urlaubssemesters kein Bafög fließt und wegen der Kinderbetreuung die Sicherung des Lebensunterhalts nicht durch Arbeit bestritten werden kann.

Nicht zuletzt gibt es in Deutschland eine Vielzahl von Stiftungen, die Studierende in allen möglichen Lebenslagen unterstützen. Stellvertretend sei hier die Stiftung „Mutter und Kind“ genannt, die für Schwangere und werdende Eltern mit geringem Bruttoeinkommen Unterhaltsleistungen von bis zu 2242,50 Euro monatlich und Einmal-Zuschüsse für Babyausstattung und ähnliches zwischen 517 und 690 Euro gewährt. Den Antrag auf diese Leistungen musst du allerdings bereits vor der Geburt deines Kindes stellen. 

Psychische Unterstützung

Trotzdem ist eine Elternschaft – nicht nur während des Studiums – eine große Belastung. Zumindest in den ersten beiden Jahren. Du wirst lernen, mit wenig und dann auch noch recht unregelmäßigem Schlaf auszukommen. Und in der Zwischenzeit muss die Selbstorganisation stimmen, um die freien Augenblicke nicht nur zum Lernen, sondern auch zum Entspannen nutzen zu können.

Doch auch für diese Mehrfachbelastung gibt es Entlastung – beispielsweise bei der psychologischen Beratungsstelle des Studentenwerks, aber auch bei der Lebens- und Familienberatung, die allerdings meist von kirchlichen Trägern angeboten wird. Und, natürlich, im Kreis deiner Freunde und Familie.

So oder so: Elternteil zu sein ist nie ganz leicht, vor allem nicht beim ersten Mal. Aber selten gibt es dabei so viel Unterstützung wie während der Studienzeit!