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Jobbeschreibungen entschlüsseln: Das sagt die Stellenanzeige wirklich

Schau genau hin: Aussagen übers Unternehmen und Ansprüche an den Kandidaten

Katja Mayer 13.05.2013
 
Personaler jammern oftmals zu Recht über Floskeln in Bewerbungsanschreiben, weil diese nichts über die Bewerber aussagen. Allerdings gehen sie selbst mit schlechtem Beispiel voran – denn auch die meisten Stellenanzeigen strotzen nur so vor Worthülsen. Sieht man etwas genauer hin, geben diese allerdings mehr Aufschluss über das Unternehmen, als man meint.

Code für Stellenanzeigen

In den vergangenen Jahren hat sich ­– ähnlich wie bei Arbeitszeugnissen – auch für Stellenanzeigen ein Code entwickelt, der lediglich die Konditionen des Stellenangebots umschreibt, ohne sie dabei zu benennen. Ein Grund für diese Form ist zum einen das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG). Es verbietet diskriminierende Angaben in Stellenausschreibungen wie zum Beispiel Angaben zum Wunschalter des Bewerbers.

Dennoch kommt jede Job-Offerte auch immer einer Werbung fürs Unternehmen gleich und soll deshalb auch ungünstige Bedingungen im besten Licht erscheinen lassen. Potenzielle neue Mitarbeiter werten das Unternehmen so als attraktiven Arbeitgeber. Es ist also Kreativität in den Stellenanzeigen gefragt, wenn die Arbeitsbedingungen nicht so vielversprechend sind, wie es sich die meisten Bewerber wünschen würden.

Und dann gibt es auch noch die Kategorie „abgekupferte Floskeln“, die die Autoren von Stellenanzeigen wohl voneinander abschreiben, ohne über ihren Inhalt nachzudenken. Das ist auf der einen Seite natürlich schade, andererseits ist das auch deine Chance, die Stellenanzeigen zu dechiffrieren. Und das geht so:

Aussagen übers Unternehmen

Werfen wir erst mal einen Blick auf die Formulierungen, die Unternehmen nutzen, um das Arbeitsumfeld zu beschreiben.

  • Angenehmes Betriebsklima: Verglichen mit einem Hagelsturm ist auch Schneeregen angenehm – so kann man diese Aussage auch verstehen.
  • Dynamisches Unternehmen: Das Unternehmen wächst schnell, so schnell dass die Entwicklung der Strukturen nicht nachkommt – du kannst dich darauf einstellen, dass manche Prozesse chaotisch ablaufen.
  • Eingespieltes Team: Die Kollegen arbeiten seit vielen Jahren zusammen und haben genaue Vorstellungen vom neuen Kollegen: ein Ebenbild des Vorgängers. Geh davon aus, dass du dich in relativ festgefahrene Strukturen einfügen musst.
  • Entwicklungsmöglichkeiten: Es besteht die Möglichkeit, schnell aufzusteigen, wenn du lange genug durchhältst. Ein Grund könnte die hohe Fluktuation sein.
  • Flache Hierarchien: Du wirst schnell in Entscheidungen eingebunden. Das bedeutet für dich, du kannst Verantwortung übernehmen, musst aber auch zu den Konsequenzen stehen.
  • Innovatives Unternehmen: Weil dein Arbeitgeber ständig Neuerungen auf den Markt wirft, solltest du ein gewisses Maß an Flexibilität mitbringen, vor Ideen sprudeln und ausgezeichnete Fähigkeiten als Troubleshooter besitzen. Offenheit für Neues wird vorausgesetzt.
  • Junges Team: In diesem Unternehmen arbeitet keiner, der älter als (etwa) 30 ist. Möglicherweise arbeitet der junge Chef gern mit nahezu Gleichaltrigen.
  • Marktführer: Es ist unwahrscheinlich, dass es tatsächlich so viele Marktführer gibt, wie die Stellenangebote vorgeben. Deswegen solltest du diese Aussage auf jeden Fall hinterfragen. Vielleicht stößt du dabei auch darauf, dass das Unternehmen auf seinem Gebiet der einzige Teilnehmer am Markt ist. Was aber auch nicht schlecht sein muss.
  • Traditionsunternehmen: Du solltest dich in die bestehenden Strukturen einfügen und alles so tun, wie es immer schon gemacht wurde – für neue Ideen ist hier wenig Platz. Wenn du etwas verändern willst, eckst du unter Umständen an.
  • Überschaubares Team: In kleinen Einheiten sind deine Allrounder-Qualitäten gefragt, denn du wirst viele verschiedene Aufgaben übernehmen.
  • Weiterbildungsmöglichkeiten: Der Job verändert sich ständig. Du wirst viel dazu lernen müssen, um am Ball bleiben zu können.

Ansprüche an den Kandidaten

Tief blicken lassen auch die Formulierungen, mit denen die Vorstellungen vom künftigen Mitarbeiter umschrieben werden.

  • Belastbarkeit: Weil dauerhaft Mehrarbeit ansteht, wirst du vielleicht bis an die Grenzen deiner Leistungsfähigkeit gehen. Diese Eigenschaft gehört zu den Leerformeln, die von Anzeige zu Anzeige reproduziert werden - wer sucht schon Mitarbeiter, die nicht auch belastbar sind?
  • Dynamik: Begeisterungsfähigkeit ist gefragt – und dann auch die anderen damit anstecken, um die Unternehmensziele zu erreichen. Für deine Motivation ist allerdings niemand zuständig außer du selbst. Wenn du es schaffst, das eigene Feuer am brennen zu erhalten, liegst du mit diesem Job richtig.
  • Eigenverantwortung: Der Sprung ins kalte Wasser: Niemand erklärt Dir ständig, wie du deine Aufgaben zu lösen hast, dafür bist du dann für das Ergebnis allein verantwortlich – wenn’s gut läuft, aber auch, wenn's schief geht.
  • Einsatzbereitschaft: Dein Unternehmen braucht dich oft. In Stoßzeiten kann dein Privatleben darunter leiden. Einige Zeit geht das sicher gut, wenn du bereit bist, alles zu geben und auf vieles zu verzichten.
  • Erfolgswille: Du wartest nicht auf Lob von oben und kannst dich selbst motivieren. Du kannst Ddich durchbeißen und das solltest du auch, weil in diesem Unternehmen ein harter Wettbewerb herrscht.
  • Flexibilität: Du stellst dich auf wechselnde Anforderungen dDeiner Tätigkeit ein und bist bereit, dich selbständig einzuarbeiten. Auch diese Eigenschaft steht meistens nur deswegen im Anzeigentext, weil ein Verfasser vom anderen abschreibt. Das wäre doch mal eine innovative Stellenanzeige: „Wir suchen starrköpfige, unflexible Mitarbeiter!“
  • Fortbildungsbereitschaft: Dieser Arbeitgeber erwartet von dir, dass du ständig dazulernst, damit du Deine Aufgaben bestmöglich erfüllen kannst.
  • Kommunikative Fähigkeiten: Telefonate, Kundenbesuche oder beides. So sieht dein klassischer Arbeitstag aus. Vielleicht trittst du als Vermittler zwischen den Kollegen auf und hältst so den Laden zusammen
  • Kundenorientierung: Dein Einsatzbereich ist der Vertrieb, der Support oder die Reklamation. Du gehst auf die Bedürfnisse der Klienten ein – oder vermittelst im Sinne des Unternehmens.
  • Mobilität: Du bist viel mit dem Auto unterwegs – auch über die normalen Arbeitszeiten hinaus. Dein Arbeitsort wechselt gelegentlich.
  • Ordnungsliebe: Wer Selbstverständlichkeiten betont, zeigt indirekt, worauf er Wert legt: In diesem Unternehmen zählt vor allem, dass dein Schreibtisch immer aufgeräumt ist – Wird hier wirklich besondere Leistung oder gar Innovation erwartet?
  • Organisationstalent: Alle anfallenden Dinge unter einen Hut bringen können, das sagt diese Eigenschaft aus. Dazu gehören natürlich auch komplett neue Aufgaben.
  • Pünktlichkeit: Der zweite Bestandteil des „Deutschen Dreisatzes“: Ordentlichkeit, Pünktlichkeit, Fleiß. Hieran erkennst du, dass von dir in erster Linie Disziplin erwartet wird. Nicht mehr und nicht weniger.
  • Reisebereitschaft: Du wirst sehr viel unterwegs sein. Wenn du noch keinen Facebook-Account hast, leg dir spätestens  jetzt einen zu. Denn deine Familie und Freunde siehst du nur am Wochenende.
  • Selbständigkeit: Du bist häufig auf dich alleine gestellt. Deine Aufgaben solltest du schon selbst lösen. Und ein großes Maß an Organisationstalent gehört auch dazu.   
  • Teamfähigkeit: Variante 1: Du bestehst nicht immer auf deiner Meinung und bist bereit, deine Ideen zugunsten der Gruppe zu überdenken oder auch mal zurückzuziehen. Deine Leistung ist zwar gefragt, allerdings spielst du den Ball auch mal an die Kollegen ab.  Möglichkeit 2: Diese Floskel steht nur in der Jobanzeige, weil sie in jeder steht und hat eigentlich gar nichts zu sagen. Leider trifft meistens die Möglichkeit 2 zu.
  • Zuverlässigkeit: Wer Selbstverständlichkeiten betont, hat über die wirklichen Anforderungen nicht nachgedacht. Wie sonst ist es zu erklären, dass eine solche Eigenschaft Erwähnung findet?

Um das zusammenzufassen: Ähnlich wie bei Arbeitszeugnissen betrachte Stellenanzeigen im Ganzen. Eine einzige Floskel gibt noch keinen Aufschluss über die Qualität der Position – zumal der Verfasser des Jobangebots sich nicht unbedingt über die Bedeutung jeder Floskel im Klaren ist.

Wenn sich in einer Ausschreibung allerdings Worthülse an Worthülse reiht, kannst du davon ausgehen, dass es dem Unternehmen in erster Linie darum geht, sich gut darzustellen.