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Glück wohnt nicht im Tresor – worauf es bei der Berufswahl wirklich ankommt

Interview mit Glücksforscher Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel

Melanie Pölking 13.02.2013
Glücklich im Job:  careerloft sprach mit dem Glücksforscher Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel. Der Professor für VWL an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg beschäftigt sich vor allem mit Einem: der Ökonomie des Glücks!

Wie definieren Sie den Begriff „Glück“?

Glücksforscher Prof. Dr. Ruckriegel
Glücksforscher Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel

Die interdisziplinäre Glücksforschung versteht unter dem Begriff Glück „subjektives Wohlbefinden“. Was ist mit subjektiven Wohlbefinden gemeint?  Es gibt hier zwei Ausprägungen: Das emotionale und das kognitive Wohlbefinden. Mit dem emotionalen Wohlbefinden ist die  Gefühlslage im Moment gemeint, gemessen am  Verhältnis  von positiven und negativen Gefühlen im Tagesdurchschnitt.  Beim kognitiven  Wohlbefinden  geht es um den Grad der Zufriedenheit mit dem Leben an sich, wobei hier eine Abwägung zwischen dem was man will (den Erwartungen/ Wünschen/ Zielen) und dem was man hat, stattfindet. Danach sind glückliche Menschen solche, die deutlich mehr positive als negative Gefühle im Tagesdurchschnitt haben und die mit ihrem Leben  im hohen Maße  zufrieden sind.  Wir wissen auch, dass „glücklich sein“ sich positiv auf die Lebenserwartung und die Gesundheit auswirkt.

Würden Sie der Aussage zustimmen, dass jeder für sein Glück selbst verantwortlich ist? 

Bedingt. Einerseits kann jeder an seinen Denkgewohnheiten, an seiner Einstellung zum Leben arbeiten. Anderseits: Auch die Unternehmen und die Politik sind gefordert, die Voraussetzungen für ein glückliches bzw. zufriedenes Leben zu verbessern.  So sollte die (Wirtschafts-) Politik nicht Wirtschaftswachstum als Ziel verfolgen, sondern sich direkt auf die Felder konzentrieren, die für ein zufriedenes Leben wichtig sind  bzw. wichtige Voraussetzungen schaffen wie Bildung, Gesundheit, etc.  

Die OECD hat 2011 mit ihrem „Better life index“ gute Grundlagen gelegt. Auch die Unternehmen sollten hier ihren Beitrag leisten, und zwar im eigenen  Interesse: Untersuchungen zeigen, dass glückliche MitarbeiterInnen  die wirtschaftlichen Ergebnisse verbessern. Dies ist mittlerweile in der Managementlehre bekannt.  

Unabhängig davon werden die Unternehmen angesichts der Arbeitskräfteknappheit und  aufgrund der demografischen Entwicklung gar nicht daran vorbei  kommen, mehr für das Wohlbefinden ihrer MitarbeiterInnen zu tun , wollen sie nicht zunehmend Probleme  im Wettbewerb um qualifizierte Angestellte bekommen.  Zu denken ist an die Personalführung, die Work-Life-Balance und die Arbeitsplatzgestaltung.  Es geht um ein (mehr) selbstbestimmtes und sinngetriebenes Arbeiten. Es geht aber auch um ein gelingendes Miteinander im Unternehmen, die Voraussetzung für erfolgreiche Teamarbeit.  Es geht um Fairness und Kooperation.  Dies gilt nicht nur für die Generation Y, sondern für alle. 

Wie können junge Menschen im Studium bereits die Weichen für ein zufriedenes Leben stellen? 

Man kann an seinen Denkgewohnheiten arbeiten. Wir können unsere innere Haltung, unsere Denkgewohnheiten verändern. Die Psychologie hat mittlerweile eine Reihe von wirksamen Ansatzpunkten herausgearbeitet: Sich Ziele setzen, Dankbarkeit zeigen, Optimismus trainieren („Glas ist halb voll“), Grübeleien und soziale Vergleiche vermeiden, Hilfsbereitschaft stärken, Soziale Kontakte vertiefen, Vergeben lernen,  Im Hier und Jetzt leben, Flow-Effekte suchen, sich mit Religion und Spiritualität beschäftigen und für den Körper sorgen.

Welchen Stellenwert hat die Berufswahl auf das Zufriedenheitsgefühl? 

Einen wesentlichen, da wir einen Großteil unserer Zeit auf der Arbeit verbringen. Und: Zufriedenheit ist nicht teilbar. Wenn ich mich auf meiner Arbeit nicht wohlfühle schlägt sich das im Privatleben nieder und umgekehrt.

Welche Bedingungen sollten für einen gelungenen Berufseinstieg erfüllt sein?

Man sollte die Tätigkeit wählen, die einen wirklich interessiert, wenn nicht gar fasziniert. Sonst wird es schwer eine richtige Befriedigung aus dem, was man tut, zu ziehen und Flow-Effekte zu erleben. Wichtig ist aber auch, dass das was man tut auch fair bezahlt wird, d.h. dass man nicht das Gefühl hat „ausgebeutet“ zu werden.          

Ist es möglich, dauerhaft glücklich zu sein oder braucht es zum Glücksempfinden auch immer das Gegenstück Unglück?

Um es mit den Worten der Glücksforschung zu sagen:  Das Gegenstück zu Wohlbefinden ist nicht Unglück, sondern letztlich Depression und Burn-out. Natürlich läuft nicht immer alles rund im Leben. Zufriedene Menschen können aber leichter mit solchen Rückschlägen umgehen, und das Beste daraus machen.   

Sie gehen von 7 Glücksfaktoren aus. Welcher ist aus Ihrer Sicht der Entscheidende? 

Der wichtigste Faktor sind gelingende, liebevolle soziale Beziehungen, und zwar in der ganzen Bandbreite.  Bezogen auf die Arbeit kommt hier dem „Betriebsklima“  eine entscheidende Rolle zu. Der Grund ist ganz einfach:  Der Mensch ist ein soziales Wesen, der die Gemeinschaft mit anderen für ein gelingendes Leben braucht. 

Die persönliche Freiheit wird ebenfalls als Faktor genannt. Kann diese auch zum Stolperstein werden? Für junge Menschen scheint es manchmal sogar zu viele Möglichkeiten zu geben?

Aus Untersuchungen wissen wir: Je größer die Auswahl, desto weniger Entscheidungen wollen und werden wir treffen. Deshalb gilt es, sich zunächst Ziele zu setzen, und sich dann bei seinen Entscheidungen darauf auszurichten. Das ist nicht ganz einfach, zugegeben.  Aber man kann es lernen. Selbstbestimmung ist ohne Freiheit nicht möglich.

Bildnachweis: Wort&Bild Verlag, Nürnberg Juli 2012, Internetseite: http://www.ruckriegel.org/ 

Buchtipp:

Was es mit Flow-Effekten auf sich hat und ob eine Karriere wirklich glücklich macht, erfahrt ihr im nächsten Teil unseres Interviews mit dem renommierten Glücksforscher.