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Frauen in der IT

Hervorragende Aussichten für die Karriere

Christian Stöckl 20.07.2017
Vor allem die Digitalisierung der Wirtschaft steigert die Nachfrage nach IT-Spezialisten. Viele Unternehmen auch jenseits der IT-Branche suchen händeringend qualifizierte Fachkräfte und nehmen Hochschulabsolventen mit Kusshand auf. Tolle Perspektiven für den Nachwuchs also – und natürlich gilt das auch für Frauen. Doch trotz dieser besonders guten Chancen scheinen sich Frauen – fast schon traditionell – wenig für IT-Berufe zu interessieren. Über gute Chancen und mögliche Gründe, warum diese nicht wahrgenommen werden.
Junge Frau am Schreibtisch. Scribble zu Jobeinstieg IT

Fachkräftemangel verstärkt Chancen für Frauen

Die Chancen, gut bezahlte Jobs in der IT zu ergattern, sind groß: Nach einer Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft fehlen in Deutschland in den MINT-Fächern aktuell 237.500 Arbeitskräfte. Dies ist der höchste Stand seit Beginn der Erhebung 2011. 40 Prozent der unbesetzten Stellen macht der IT-Bereich aus. Von den befragten Top-1.000-Unternehmen wollen rund 50 Prozent verstärkt Frauen einstellen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Trotzdem sind in Deutschland nur 20 Prozent der IT-Studenten und nur 10 Prozent der IT-Azubis Frauen. In den Belegschaften sieht es nicht besser aus. In neun von zehn IT-Abteilungen in Deutschland ist gar keine Frau beschäftigt.

Wie kann die IT-Wirtschaft für Frauen interessanter werden?

Dass vergleichsweise wenige Frauen den Weg in die Informationstechnologie finden, liegt nicht an ihrer Qualifikation, die so gut ist wie die der Männer. Doch es gibt zu wenig weibliche Bewerber. 82,6 Prozent der Bewerber seien männlich, sagen 37 Top-Unternehmen aus der IT-Branche, die im Rahmen der „Recruiting Trends 2017“ befragt wurden. Vor allem für ihre Software suchen die Betriebe händeringend Programmierer und sie tun deshalb viel, um auch Frauen in die IT zu locken.

Mögliche Erklärungen, warum das noch nicht wie gewünscht klappt, liefert die CompTIA-Studie. Sie untersuchte die Technologie-Gewohnheiten von jungen Menschen und ihren Blick auf eine Karriere in der IT-Branche. Ein Ergebnis: Das Interesse von Mädchen und jungen Frauen an einem Job in der IT-Branche sinkt um 30 Prozent, sobald sie eine weiterführende Schule besuchen. Experten der Studie schlussfolgern, dass dies damit zusammenhängen könne, dass Jungen von ihren Eltern stärker an Technologien und Software heran geführt würden. Bei Mädchen hingegen gebe es oft viel weniger Berührungspunkte. Daher entwickelten sie auch kaum Interesse für dieses Thema. Laut der Studie wissen 69 Prozent der befragten Frauen nicht, welche Möglichkeiten sie in der IT haben und streben deshalb auch keine Karriere in der IT an. Auch glaubt die Hälfte, dass ihre Fähigkeiten für diesen Bereich nicht ausreichen. Zudem hat sich bei vielen das Bild manifestiert, dass alle ITler ihre Arbeitszeit isoliert vor einem Rechner verbringen. Dass Frauen sich durchaus für Informatik interessieren, wenn sie es mit einem anderen, ihnen bekannten Fach kombinieren, verdeutlicht folgende Zahl: In der Medizininformatik beträgt der Anteil an Frauen 44 Prozent. Und auch in Medieninformatik ist der Anteil weiblicher Studentinnen im Vergleich zu Studiengängen wie Ingenieursinformatik hoch.

Carolyn April, Analystin bei CompTIA, schlägt folgende Maßnahmen vor, um das IT-Interesse von Frauen zu steigern:

  • Die Unternehmen sollten ihre Marketing-Kampagnen auf den Abbau dieser Vorurteile ausrichten.
  • Frauen, die in der IT erfolgreich sind, sollten verstärkt als Vorbilder fungieren.
  • Mädchen sollten von ihren Eltern ganz bewusst an verschiedene Technologien und die damit verbundenen Karrieremöglichkeiten herangeführt werden.
  • Auch die Schulen müssten ihren Beitrag leisten. Die Lehrpläne sollten weiterentwickelt und an die Interessen der Generation Y und Z angepasst werden. Die Plattform „App Camps“ böte zum Beispiel für Lehrer Unterlagen und Kurse an, mit denen sie ihren Schülern das Programmieren beibringen können. Nach den Kursen seien Mädchen oft vom Programmieren begeistert.

Keine Frage: Die Perspektiven für eine Karriere in der Technologie-Branche sind gut. Dabei kommt auch dem Wording und der „Werbung“ einige Bedeutung zu, um Frauen für Informatik-Studiengänge zu interessieren. Isabel Roessler leitet das Forschungsprojekt „Fruit: Frauen in IT“ am Centrum für Hochschulentwicklung und untersucht, wie Studienfächer in der Informatik ausgestaltet sein müssen, um Frauen anzusprechen. Wenn Informatik-Studiengänge beispielsweise so gestaltet seien, dass es viel um Kommunikation gehe, steigere dies schon die Attraktivität. Dabei gehe es nicht darum, Inhalte zu versprechen, die es nicht gebe, so Roessler. Aber Studieninhalte, die vorhanden seien, sollten bei der Vorstellung mehr Bezug auf die Interessen von Frauen nehmen. In dem Projekt hat sich auch gezeigt, dass Frauen, die sich mit ihrer Studienwahl wohlfühlen, überhaupt kein Problem mit dem Mathematikanteil des Informatikstudiums haben.

Unternehmen können Einstieg erleichtern

Um mehr Schülerinnen und Absolventinnen für einen Job im IT-Business zu begeistern, muss auch das Gesamtangebot stimmen. Hier hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Nach der Studie „Arbeiten in der IT 2016“ versuchen immer mehr Firmen, ganz bewusst auch für Frauen ein attraktiver Arbeitgeber zu sein: Teilzeitstellen, flexible Arbeitszeitmodelle und Home-Office-Angebote liegen weit vorn bei den Initiativen der Betriebe. Auch die Gleichstellung der Frauen bei Karriere, Lohn und Zugang zu Führungspositionen wird oft als Instrument ins Feld geführt. Sobald es allerdings um Maßnahmen wie die Frauenförderung in Zielvereinbarungen, einen weiblichen Talentpool oder Mentorenprogramme für Frauen in Führungspositionen geht, sinkt die Zahl der beteiligten Unternehmen laut Studie auf ein Minimum. Gleiches gilt für Teilzeitangebote in Leitungsfunktionen.

Zweifel an der Chancengleichheit werden auch in den „Recruiting Trends 2017“ laut. Dort gaben 44 Prozent der befragten IT-Expertinnen an, dass sie glauben, einige Firmen würden nur aus Imagezwecken kommunizieren, dass Frauen in ihrem Betrieben willkommen seien. Dabei hat sich längst rumgesprochen, dass Firmen grundsätzlich von einem höheren Frauenanteil in Teams profitieren, da Frauen andere Perspektiven, Denkansätze und Herangehensweisen einbringen.

Auf der Suche nach weiblichen IT-Talenten auf jeden Fall ist Kreativität gefragt. Experten empfehlen unter anderem, nicht allein au den Bachelor- oder Master-Abschluss im IT-Bereich zu setzen, sondern auch Querschnittseinsteigerinnen mit IT-Interesse eine Chance zu geben oder sich in sogeannnten Cooding-Bootcamps umzusehen und nach Do-it-Yourself-Programmiererinnen zu suchen. Und natürlich kommen immer wieder Empfehlungen jeglicher Art auf, die darauf zielen, schon Mädchen möglichst früh zu zeigen, wie die Arbeit in der IT-Branche und in IT-Jobs aussieht – der GirlsDay lässt grüßen. Firmen sind sicher gut beraten, wenn sie langfristig einen intensiven Kontakt zu Schulen und Hochschulen aufbauen. Spannende Einsatzbereiche gibt es viele in der IT. Zu ihnen gehört zum Beispiel die IT-Sicherheit. Die Probleme, die Hacker vielen Unternehmen bereiten, erhöhen die Nachfrage nach IT-Spezialisten mit besonderen Kenntnissen und schaffen für Männer und Frauen aus der IT-Branche neue Chancen.  

Wenn du dich für einen IT-Job interessierst, schau dich auch regelmäßig bei unseren Partnerunternehmen um. Sie bieten immer wieder interessante Einstiegsmöglichkeiten – wie zum Beispiel E.ON, das aktuell gern Stellen im IT-Projekt-Management sowie in den Schnittstellen zwischen Business und IT mit Frauen besetzen würde. Oder erfahre im Interview mit Ilka Bewerunge, was die ITlerin in ihrem Job bei Audi antreibt.