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Ende mit Ansage: befristeter Arbeitsvertrag

Katja Mayer 15.03.2012
Zeitlich befristete Arbeitsverträge liegen im Trend. Besonders bei den Neueinstellungen. Waren vor zehn Jahren erst ein knappes Drittel der Einsteiger-Verträge zeitlich beschränkt, sind es heute in einigen Branchen bereits fast die Hälfte. Insgesamt arbeiten derzeit rund acht Prozent der Beschäftigten in Jobs mit begrenzter Laufzeit.

Leider. Ursprünglich war dieses „atypische Beschäftigungsverhältnis“ geschaffen worden, um Unternehmen eine flexible Reaktion auf Konjunkturschwankungen, ausnahmsweisen Personalbedarf und vorübergehenden Ausfall fest angestellter Arbeitskräfte zu ermöglichen.

Durchgesetzt hat sich mittlerweile aber der zeitlich befristete Arbeitsvertrag, der ohne diese Sachgründe auskommt: Unternehmen können seit 2001 Befristungen auch „einfach so“ zur Vertragsgrundlage machen. Zwar nur bei Neueinstellungen und in der Regel höchstens für zwei Jahre, doch allein die Tatsache, Arbeitskräfte bei Nichtgefallen ohne viel Aufhebens wieder loswerden zu können, machte dieses Arbeitsmodell so erfolgreich.

Befristung nutzt den Arbeitgebern – aber nicht ausschließlich

Befristeter Arbeitsvertrag
Befristete Arbeitsverträge sind keine Seltenheit.

Von dieser Regelung profitieren in erster Linie die Unternehmen: Mit der Aussicht auf Verlängerung oder Umwandlung der befristeten Stelle in einen Festvertrag können sie Berufseinsteiger zu Höchstleistungen motivieren – ohne eine echte Verpflichtung einzugehen. Und wer Kritik an Arbeitsbedingungen wagt, riskiert irgendwie immer auch seinen Arbeitsplatz. Deshalb schlucken befristete Angestellte oft klaglos den Termindruck und Überstunden – im Gegensatz zu Festangestellten. Und das, obwohl eigentlich die gleichen Bedingungen gelten müssten.

Unternehmen, die so handeln, agieren allerdings kurzsichtig: Ein Arbeitgeber, der seine Arbeitnehmer derart unter Druck setzt oder zu lange hinhält, riskiert deren innere Kündigung – lange bevor das Arbeitsverhältnis wirklich endet. Weil die befristeten Verträge erst dann kündbar sind, wie dies ausdrücklich vereinbart wurde, müssen Arbeitgeber dann klaglos hinnehmen, wenn frustrierte Arbeitskräfte für ihre verbleibende Zeit Dienst nach Vorschrift schieben.

Umgekehrt bedeutet das für Angestellte mit Zeitvertrag natürlich auch, dass sie nach einer vereinbarten Probezeit erst Mal sicher im Job sind – eben bis der Vertrag ausläuft. Unbefristet Beschäftigte sind erst nach einem halben Jahr sicher, wenn der Kündigungsschutz greift. Dieser Planungshorizont bietet eine gewisse Sicherheit und kann auch eine Chance sein, wenn er entsprechend genutzt wird.

Heißt: Ein halbes oder vielleicht ein ganzes Jahr Berufserfahrung sammeln und mit dieser anschließend durchstarten – besser bezahlt und hoffentlich unbefristet. Parallel können die Betroffenen freilich auch ausreichend Engagement im aktuellen Job zeigen, um ihn gegebenenfalls behalten zu können – aber immer mit offenen Auge für neue, bessere Gelegenheiten!

Gute Entwicklungschancen, schlechte Planungsmöglichkeiten 

Das bedeutet aber auch, sich nicht zu sehr mit der aktuellen Stelle zu identifizieren und keinesfalls alle Hoffnung auf deren Fortbestand zu setzen. Endet der Job dann und man wird nicht übernommen: bitte nicht tragisch nehmen, sondern den Frust abschütteln und neu durchstarten!

Fragt sich nur, wie oft?

Spätestens, wenn eine befristete Stelle auf die nächste folgt, bleibt irgendwann die Fähigkeit zur Selbstmotivation auf der Strecke. Das Resultat ist Frust. Und von dort ist es nicht weit bis zur Sinnkrise.

Extrem davon gefährdet sind Menschen, denen Sicherheit und Planbarkeit wichtig sind. Wer davon träumt, in „geordneten Verhältnissen“ zu leben, eine Familie zu gründen und ein Haus zu kaufen, braucht dafür eine Perspektive und finanzielle Absicherung – nicht nur aus psychischen Gründen. Schließlich erwarten die Banken, die die Immobilie finanzieren sollen, zu ihrer eigenen Sicherheit einen unbefristeten Arbeitsvertrag.

Optimal sind befristete Jobs dagegen für die Leute, denen der Gedanke unheimlich ist, die nächsten zehn, fünfzehn Jahre am gleichen Ort tätig zu sein, und die lieber auf die Suche nach neuen Herausforderungen gehen. Diese „Jäger und Sammler“ nehmen auch Zeiten der Arbeitslosigkeit und Tricks beim Umgehen der Befristungsgrenze dankend in Kauf. Hauptsache, die Abwechslung nimmt kein Ende.

Für die meisten Arbeitnehmer ist eine befristete Stelle aber nur ein Durchgangsstadium, das sie beim Berufseinstieg hinnehmen müssen. Unterm Strich streben sie einen festen Arbeitsvertrag an – auch wenn sie sich damit nicht ewig binden wollen. Weil für immer mehr Menschen die eigene Entwicklung an Bedeutung gewinnt, sind sie dafür auch zum Jobwechsel bereit. Freiwillig sollte er natürlich trotzdem sein.

Bleibt es so, wie es ist?

Ungewiss ist, wie lange dieses Spiel so weiter geht: Sicher wird es für die Arbeitgeber auch künftig verlockend sein, einen Angestellten erst einmal unverbindlich kennen zu lernen – und zwar länger als in üblichen sechs Monaten Probezeit. Der Fachkräftemangel wird aber dafür sorgen, dass Unternehmen viel früher Perspektiven bieten müssen, wenn sie gute Mitarbeiter langfristig binden wollen.

Arbeitgeber, die weiterhin bis kurz vor Vertragsende mit der Verlängerung oder der Festanstellung warten, riskieren die Abwanderung ihrer High Potentials zu einem Mitbewerber. Das rächt sich doppelt, denn sie verlieren neben dem Können der Mitarbeiter alles, was sie in deren Einarbeitung bisher investiert haben.

Und das stärkt die Position der Arbeitnehmer: Wer das nötige Potenzial besitzt, hat künftig gute Karten bei der Gestaltung langfristiger Arbeitsperspektiven. Die Zeit spielt also für dich!

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Redaktion: Katja Mayer in Kooperation mit Karrierebibel