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Der Rückkehrer-Blues – was nun?

Viele von euch werden es kennen: Man verbringt einige Zeit im Ausland und nach der Rückkehr in die sonst geliebte Heimat fühlt man sich fremd und unzufrieden. Julia und Sarah, ehemalige Loftikantinnen, schildern euch, wie sie nach dem Auslandsaufenthalt in ein tiefes Loch fielen. Sie zeigen euch aber auch ein paar Möglichkeiten, wieder im „Real Life“ anzukommen und mit dem Rückkehrer-Blues umzugehen.

Freunde, Sport, Bücher – Julia tritt dem Rückkehrer-Blues aktiv entgegen

Tipps für die Zeit nach dem Auslandsaufenthalt
Loftikantin Julia

Zunächst einmal – ja, es war super schön, aber zu Hause ist nicht alles schlecht. Auch wenn euch erst einmal alles öde vorkommt, so habt ihr doch mal gern in diesem Leben gelebt und an dieses Alltagsgefühl werdet ihr euch nach eurer Rückkehr früher oder später auch wieder gewöhnen.

Wir sind jung! Lasst euch das mal durch den Kopf gehen: Wir können noch unser gesamtes Leben reisen – wie genial ist das denn bitte? Die Gen Y erkundet die Welt, aber hallo! Nehmt euch vor, in euren Semesterferien jedes Mal ein anderes Land zu erkunden oder plant eine längere Reise nach dem Studium. Ich weiß, dass das alles immer mit zum Teil hohen Kosten verbunden ist, aber wie könntet ihr Geld sinnvoller anlegen, als in eine Reise, an die ihr euch ewig erinnern werdet. 

Zudem habe ich nach meiner Rückkehr versucht, mich abzulenken. Das geht vor allem durch Sport. Ich habe das Glück, Mitglied einer riesigen Laufcommunity zu sein und wurde so jeden Tag aufs Neue motiviert, mich sportlich zu betätigen. Das bringt auf Trab und hilft auch, sich nach der Rückkehr wieder zu verankern. Setzt euch neue Ziele – was wollt ihr im Leben erreichen? Arbeitet daran! Halbmarathon oder doch eher die volle Distanz, abnehmen, sportlicher und definierter Aussehen? Alles ist möglich und gerade in solch einem Tief ist das der perfekte Deal mit euch selbst.

Ich habe während meiner Zeit im Ausland super viel gelesen – dank meines Kindles locker an die 50 Bücher. Mein Ziel war es, nach meiner Rückkehr nach Deutschland mindestens genau so viel zu lesen. Ebenfalls eine perfekte Ablenkung vom Fernweh, wie ich finde. Dabei bin ich auf ein Buch gestoßen: „The Big Five for Life“. Und seitdem versuche ich meine persönlichen „Big Five“ zu definieren. Lange Rede kurzer Sinn: Dank des Alltags bin ich noch nicht weit gekommen, was diese Definition betrifft, aber mein Tiefgefühl ist verschwunden. Ich bin wieder angekommen in Deutschland, treffe Freunde so oft es geht und treibe Sport, um einen Ausgleich zu haben.

Liebe Grüße aus der Hauptstadt
Eure Julia

Sarah schwelgt in Erinnerungen – und erstellt einen 5-Jahres-Plan

Was tun gegen den Rückkehrer-Blues?
„Langeweile ist der größte Feind des Rückkehrers“, sagt Loftikantin Sarah.

Julia hat es schon ganz gut zusammengefasst, ich sage es etwas drastischer und ohne Umschweife: Nach dem traumhaften, aufregenden Auslandsaufenthalt findet man nach der Rückkehr zu Hause erst einmal alles scheiße. Jawohl, scheiße!

Natürlich haben einem Familie und Freunde sehr gefehlt, daher sind die ersten Tage schon super spannend. Alle freuen sich, einen wieder zu sehen und streiten sich schon fast um die kostbare Zeit mit dem Rückkehrer. Aber nach einer Woche hat sich der Hype dann gelegt. Normalität kehrt ein – und damit auch der Rückkehrer-Blues. Man hat seine besten Geschichten gefühlte tausendmal erzählt und auf einmal will’s keiner mehr hören. Tja, da sitzt man nun. Mein Tipp: Versucht, im Sommer oder zu Weihnachten zurück zu kommen, sonst ist alles noch trostloser.

Ich habe die erste Zeit nach meiner Rückkehr dazu genutzt, mir ein wunderbares Fotoalbum der schönen Zeit anzulegen. Es war nicht einfach, das muss ich zugeben. Beim Durchsehen der Bilder kam ich Depression und Dehydrierung schon nahe. Für mich ist es aber sehr wichtig, dass ich ab und zu mal wieder die Erinnerungen auffrischen kann. Denn sonst vergisst man im deutschen Alltag auch ganz schnell, dass das Leben am Strand schon etwas Schönes ist. Aber wenn man das immer vor Augen hat, schmiedet man Pläne. Pläne, wie man wieder zurückkehren kann. Und das werde ich auch irgendwann.

Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, habe ich versucht, das aufzuholen, was ich im Ausland nicht machen konnte beziehungsweise was dort zu kurz kam. Zum Beispiel Serien gucken: In Südafrika war das Internet nicht so schnell, daher habe ich in Deutschland ganze Tage im Bett verbracht – zugegeben wie im Ami-Film-Klischee mit Eis und Chips –, um all das aufzuholen, was ich in der Zeit „verpasst“ habe. Dann gibt es noch: Omi besuchen. Den Appetit in den Griff kriegen. Das Alkoholproblem überwinden (ähm, ja, ihr kennt ja das Phänomen Auslandssemester). Städtetrips. Die neuen Bekannten in ihrer Heimat besuchen. Lesen. Ein Instrument lernen. Sich ein Haustier anschaffen (Vorsicht: Nicht clever! Immerhin hat man ja noch so viel vor). Sich auf Stellen im Ausland bewerben. Nachrichten verschlingen. Einen 5-Jahres-Plan aufstellen. Wie Julia Sport machen (pfui). Vernünftiges Brot backen. Versuchen, das Geheimrezept für die köstliche Rippchen-Marinade des weit entfernten Lieblingsrestaurants herauszufinden.

Hauptsache, man hat was zu tun – euch fällt schon was ein. Denn Langeweile ist der größte Feind des Rückkehrers. Besiegt den Endgegner und alles ist schon viel weniger scheiße!

Eure Sarah

Und was sind eure Erfahrungen? Habt ihr Tipps und Tricks für die Rückkehr nach dem Auslandsaufenthalt?