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„Das geht zu weit!“ Wann du im Bewerbungsgespräch lügen darfst!

Nadine Miczka 29.08.2016
Wenn du schon mal ein Bewerbungsgespräch hattest, dann weißt du: Es gibt ganze Fragenkataloge, die du zur Vorbereitung wälzen kannst. Natürlich hat der Arbeitgeber ein berechtigtes Interesse daran, sich im Vorfeld gut über die Eignung seines potenziellen Mitarbeiters zu informieren. Dazu stellt er viele Fragen, die im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit stehen – und die du wahrheitsgemäß beantworten solltest! Hier zu lügen, würde dir auf kurze Sicht vielleicht beim Gespräch helfen, auf lange Sicht hingegen würden dir im Job Aufgaben zugeteilt werden, mit denen du dich möglicherweise überfordert fühlst.
Wann du im Bewerbungsgespräch lügen darfst

Manche Fragen im Vorstellungsgespräch sind allerdings unzulässig oder nur bedingt zulässig! Für diese Fälle hat die Rechtsprechung das „Recht zur Lüge“ entwickelt! Bei solchen Fragen ist es also erlaubt, im Bewerbungsgespräch zu lügen. Damit du nicht Artikel für Artikel die Gesetzestexte Deutschlands durchforsten musst, haben wir für dich zusammengefasst, was dein potenzieller Arbeitgeber fragen darf und vor allem was nicht.

1. „Planen Sie, demnächst Kinder zu kriegen?“

Fragen nach deinem Kinderwunsch, ob du demnächst eine Familie gründen oder wie viele Kinder du mal haben möchtest, sind im Vorstellungsgespräch unzulässig. Auch eine beabsichtigte Eheschließung oder eine Scheidung gehen den Personaler nichts an. Selbst danach, ob du einen festen Partner hast, darf er dich nicht fragen. Wirst du als Bewerber mit solch einer Frage im Vorstellungsgespräch konfrontiert, gilt: lügen erlaubt! Als Arbeitgeber sollte dein Gegenüber das deutsche Recht gut kennen und solche unzulässigen Fragen gar nicht erst stellen. Du hast mit deiner Bewerbung einen Lebenslauf mit den bisherigen Stationen deiner Karriere eingereicht und bist nicht dazu verpflichtet, deine privaten Angelegenheiten mit dem Personaler zu besprechen.

2. „Sind Sie schwanger?“

Die Frage nach einer bestehenden Schwangerschaft ist für den Arbeitgeber tabu! Sie enthält nach § 611a BGB eine verbotene Diskriminierung wegen des Geschlechts. Eine werdende Mutter darf im Vorstellungsgespräch die Frage nach einer bestehenden Schwangerschaft verneinen. Auch hier geht es um eine unzulässige Informationsanfrage, bei der du dem Arbeitgeber gegenüber im Recht bist, wenn du lügen solltest.

3. „Haben Sie Krankheiten?“

Nach deinem Gesundheitszustand darf der Personaler eigentlich nicht fragen. Es gibt aber Ausnahmen, zum Beispiel wenn davon die Einsatzfähigkeit des Arbeitnehmers auf den vorgesehenen Arbeitsplatz abhängt. Das kann der Fall sein, wenn es sich um einen Job mit schwerer körperlicher Arbeit handelt. Steht deine Krankheit aber in keinem Zusammenhang mit der Arbeit, ist es auch hier erlaubt, zu lügen. 

4. „Haben Sie Schulden?“

Über deine finanzielle Lage brauchst du keine Auskunft geben. Es sei denn, bei der zu besetzenden Stelle handelt es sich um eine sogenannte Vertrauensposition. Dann besteht nämlich ein berechtigtes Informationsinteresse des Arbeitgebers aufgrund der Eigenart der zu besetzenden Stelle, zum Beispiel bei einem Kassierer, der in einem Geldinstitut arbeitet. Das nach Artikel 1 und 2 des Grundgesetztes (GG) garantierte Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers tritt dann hinter dem Interesse des Arbeitgebers zurück.

5. „Welche Partei wählen Sie?“/ „Welcher Religion gehören Sie an?“/„Sind Sie Mitglied einer Gewerkschaft?“

Die Partei-, Gewerkschafts- und/oder Religionszugehörigkeit sollte im Vorstellungsgespräch keine Rolle spielen. Bewirbst du dich aber bei einem sogenannten „Tendenzbetrieb“, ändert das die Lage. Tendenzbetriebe sind beispielweise Parteien, Gewerkschaften und Kirchen. Auch Verlage und Zeitungen können dazu gehören. Bei einem Tendenzbetrieb liegt der Arbeit eine bestimmte politische, ethische oder religiöse Einstellung zugrunde, sodass hier die oben genannten Fragen zulässig sein können. Außerhalb dieser Berufe bist du als Bewerber jedoch nicht verpflichtet deine eigenen Interessen oder Gruppen-Zugehörigkeiten darzulegen. Für deine Karriere sollte der Personaler vordergründig auf deine Stationen im Lebenslauf und deine Aussagen in der Bewerbung eingehen.

6. „Was haben Sie denn bisher verdient?“

Die Höhe deines bisherigen Gehalts darf nur dann erfragt werden, wenn es aufschlussreich bezüglich der Qualifikation für den angestrebten Job ist. Geht es bei der zu besetzenden Stelle um eine völlig andere Tätigkeit, ist die Frage unzulässig. Wenn du selbst aber deinen bisherigen Lohn als Mindestbedingung für einen Jobantritt angibst, darf danach gefragt werden. Mach dir als Bewerber vor dem Gespräch bewusst, welches Recht du bei solch einer Frage hast.

Fazit: Bei einer unzulässigen Frage darfst du im Bewerbungsgespräch bewusst lügen (vgl. BAG in: DB 1994, S. 939). Dein Schweigen könnte dir und somit deiner Karriere nämlich nachteilig ausgelegt werden. So würden sich deine Chancen auf die Stelle verschlechtern und ein anderer Bewerber mit vielleicht ähnlichen Qualifikationen im Lebenslauf bevorzugt werden. Vorsicht ist geboten, wenn du dir nicht ganz sicher bist. Gibst du auf eine zulässige Frage eine falsche Auskunft und bekommst den Job, musst du neben der eventuellen Überforderung mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen wegen arglistiger Täuschung im Sinne des § 123 BGB rechnen. Eine Bewerbung mit Lügen kann dich in diesem Fall deinen Arbeitsvertrag kosten. 

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