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#BusinessKnigge fürs Ausland: Das erste Treffen

Mit unseren Tipps machst du eine gute Figur

Katja Mayer 16.11.2016
Verbeugen oder Händedruck? Sich selbst vorstellen oder vorstellen lassen? Meeting in einer Karaokebar: Zusagen oder Absagen? In Ländern wie Japan, China oder Indien können Geschäfte völlig anders ablaufen. Damit der erste Eindruck stimmt, gibt es hier den Knigge-Check für Einsteiger.   
Business Knigge fürs Ausland

Do's & Don's in China: Die Top-3-Knigge-Fails

Sich selbst vorstellen, bevor der Vorgesetze die Gelegenheit dazu hatte – dies ist bereits die erste Unhöflichkeit. Bei Meetings gilt: Die Gäste werden in der Reihenfolge ihrer Hierarchie vorgestellt, die Leiter jeder Gruppe sind die Wortführer. Unter keinen Umständen darf der Sprecher unterbrochen werden. Ebenfalls eine Unhöflichkeit: Mit der Schuhsohle auf einen Gesprächspartner zeigen.

Understatement gehört in China zum guten Ton. Sich selbst in den Vordergrund zu stellen, mit Titeln zu prahlen oder sich betont kompliziert auszudrücken sollte unbedingt vermieden werden. Ebenso daneben: In Meetings hetzen und Kollegen unter Zeitdruck setzen. Besser: Zurückhaltend und bescheiden sein, eine einfache Sprache wählen, auf wildes Gestikulieren verzichten und selbst bei langen Meetings geduldig bleiben.

Nein, nein, nein. In China kannst du in die Rolle eines Journalisten schlüpfen, denn du musst die gleiche Regel befolgen: Stelle keine Frage, die sich mit Ja oder Nein beantworten lässt. Noch schlimmer: Selbst ständig nein zu sagen.

Do's & Don's in Japan: Von Visitenkarten und Karaoke-Bars

Zum Meeting in die Karaokebar. Auch wenn es verrückt klingt, tatsächlich ist es in Japan üblich, Geschäftsessen auf den Abend zu legen und dabei sogar eine Karaokebar aufzusuchen. In dieser lockeren Atmosphäre soll vor einem Geschäftsabschluss Vertrauen aufgebaut werden.

Das soll aber nicht davon ablenken, dass Höflichkeit und Zurückhaltung zu den absoluten Knigge-Geboten zählen. Auf einen Handschlag bei der Begrüßung sollte ganz verzichtet werden, stattdessen wird höflich verbeugt. Und auch eine entspannte Sitzhaltung empfindet man in Japan als unangemessen.

Eine Besonderheit ist die Übergabe einer Visitenkarte. Niemals einfach wegstecken, sondern für einige Sekunden betrachten und damit wertschätzen.

Do's & Don's in Indien: Meetings für Ausgeschlafene

Meetings sind in Indien sehr beliebt. Sie dauern mindestens eine Stunde, manchmal auch vier bis acht Stunden. Jeder, der in dem Land Karriere machen möchte, kennt diese Zusammenkünfte. Sei pünktlich, auch wenn das Meeting erst 10 bis 15 Minuten nach der vereinbarten Zeit beginnen wird.

Informationen werden in Indien vertraulich behandelt. Denn obwohl Inder Teamworker sind, herrscht dennoch oft ein großer Wettbewerb zwischen den einzelnen Kollegen. Im Hinblick auf Wissensaustausch wird zwischen den Abteilungen also Zurückhaltung geübt.

Lass dich vorstellen, anstatt es selbst zu tun. Das erste Treffen mit einer Gruppe wird meist als Kennenlernen initiiert. Dabei wird auch geklärt, warum sich eine Zusammenarbeit lohnt. Der älteste Anwesende stellt sich selbst vor, anschließend in hierarchischer Abfolge seine Teammitglieder.

Do's & Don's in den USA: Teamworker gesucht

Offenheit zählt zu den wichtigsten Regeln in der Geschäftswelt. Der erste Kontakt entsteht oft informell per E-Mail oder am Telefon. Wenn man sich persönlich begegnet, steht man zur Begrüßung auf, nimmt Blickkontakt auf, reicht die Hand und stellt sich mit Namen vor. Auf ein „How are you“ solltest du mit einem einfachen „Fine, thank you“ und nicht mit deiner Lebensgeschichte antworten.

Besser nicht: Mit Titeln prahlen und auf Hierarchien bestehen. Titel müssen bei einer Vorstellung übrigens nicht genannt zu werden: Das wird in vielen Fällen als arrogant ausgelegt.

Amerikaner sind überzeugte Teamworker. Es gibt nur selten hierarchische Strukturen. Entscheidungen werden daher in Teammeetings getroffen. Die Teams werden je nach Projekt zusammengestellt. Deshalb gehören virtuelle Kommunikationsmittel wie Video- und Webkonferenzen oder Telefonate zum Alltagsgeschehen.

Transparenz wird erwartet: Arbeitest du an einem Projekt mit, solltest du daher deinem Vorgesetzten in regelmäßigen Abständen ein Update geben.

Trainiere interkulturelle Kompetenz

Interkulturelle Kompetenz lässt sich trainieren – nicht nur im Ausland. Es gilt, das Bewusstsein für die eigene kulturelle Prägung und den Umgang mit anderen Kulturen zu schulen. Du wirst im Studium oder bei Praktika wahrscheinlich eher mit dem Business Knigge in Ländern wie Großbritannien oder Frankreich zu tun haben. Vielleicht erwartest du in Großbritannien die feinen Briten an ihren Teetassen, im Grunde genommen unterscheidet sich der Unternehmensalltag aber nicht wirklich von unserem: Zur Begrüßung ein Händedruck, gepaart mit dem obligatorischen „Nice to meet you“ und schon setzen relativ durchgeplante Strukturen ein.

In Frankreich begrüßt du deine Geschäftspartner ebenfalls mit der Hand und nicht wie in Film und Fernsehen übermittelt mit dem Wangenkuss – das gilt für das Privatleben und nicht für das erste geschäftliche Treffen.

Hier geht es in den Meetings etwas lockerer zu, wobei trotzdem Hierarchien geachtet werden. Ansonsten kannst du dich aber gut an dem deutschen Business Knigge orientieren. Grundsätzlich brauchst du für grenzübergreifende Karrieretreffen die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen. Ein bisschen Übung in den folgenden Bereichen hilft:

  • Offenheit: Mach dir bewusst, dass deine eigenen Werte und Verhaltensmuster kulturell erlernt und nicht universell gültig sind. Übe deine Ängste abzubauen, gehe offen auf die Menschen zu und bleib auch in ungewohnten Situationen gelassen.
  • Perspektivwechsel: Versetze dich in dein Gegenüber: Wie wird wohl dein eigenes Verhalten von anderen wahrgenommen? Inwiefern lassen sich Dinge, die gesagt wurden und das Verhalten des Gegenübers mit kulturellen Eigenheiten erklären? Wenn dich etwas irritiert, sprich es offen an und hör aufmerksam zu, wie und was andere reden.
  • Chamäleon-Kompetenz: Wenn sehr gegensätzliche Auffassungen von Hierarchien, Pünktlichkeit oder Verbindlichkeit aufeinanderprallen und wiederholt zu Konflikten führen, versuche dein Verhalten anzupassen, und zwar so, dass es deinen Geschäftspartnern entgegenkommt.

Auch in speziellen Seminaren, die auf das globale Business abgestimmt sind, erhalten Manager und Mitarbeiter wichtige Tipps zum Umgang mit anderen Kulturen und können so ihren persönlichen Business Knigge weiter ausbauen. Viele davon finden direkt in den Unternehmen statt, sodass die Inhalte individuell auf die Situation vor Ort abgestimmt werden können.